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Fürstenberg-Gymnasium führt nach Versuchswoche Sozialpraktikum für neunte Klassen ein
Sozial ist ihnen nicht egal
Ist ein Sozialpraktikum sinnvoll?
Diese Frage stellte sich das Lehrerkollegium des Fürstenberg-Gymnasiums
in diesem Jahr. Religionslehrer Markus Eisele setzte das Projekt für drei neunte Klassen bei
der Schulleitung durch. Nach erfolgreichem Abschluss wurde das soziale
Engagement von der Lehrerkonferenz sogar ins jährliche Projektprogramm
aufgenommen. Die Klasse 9a berichtet für das Medienprojekt „Klasse!“, das von EnBW
unterstützt wird, über die Erfahrungen der Schüler mit ihrer Arbeit
abseits der Schulbank.
VON KATHARINA WELTE,
TATJANA NOBS UND HANNAH HENI

Die Klasse 9a des Fürstenberg-Gymnasiums hat sich zusammen mit Schülern der Klassen 9b und 9c eine Woche im Juni
in sozialen Einrichtungen engagiert und die Bilanz für das SÜDKURIER-Medienprojekt „Klasse!“ mit ihrer Lehrerin
Marion Feser-Colignon aufgearbeitet.
Wie kam das Projekt bei den Beteiligten an? Einerseits hatte das Praktikum viele positive Seiten,
allerdings auch einige Startschwierigkeiten.
Dies war zum einen der schlecht gewählte Zeitraum, der wegen Terminproblemen über ein
Wochenende gewählt werden musste. Dadurch war es nicht einfach, Praktikaplätze
in sozialen Einrichtungen zu finden, da die meisten ein Wochenschema
für ihre Praktika haben. Durch die Verlegung des Termins in gewissen
Einzelfällen wurde dieses Problem letztlich behoben.
Schade war, dass bei 43 Prozent aller Schüler das Gefühl entstand, dass einige
Lehrer sich nicht für das Praktikum interessierten. Dort kamen die
zuständigen Lehrer weder am Praktikumsplatz vorbei, noch erkundigten
sie sich telefonisch, was jedoch im Voraus den Schülern und den Einrichtungen
zugesagt worden war.
Selbst wenn man von diesen „organisatorischen Patzern“ absieht, traten
auch in der Einrichtung selbst Probleme auf. So wurden beispielsweise
manche, die einen Praktikumsplatz in einem Altenheim angenommen hatten,
die ganzen vier Tage zum Putzen verdonnert, was der Aufgabe eines Sozialpraktikums
definitiv nicht entspricht.
Trotzdem kam das Sozialpraktikum bei 97 Prozent der Schüler gut an. 95
Prozent freuen sich für die kommenden neunten Klassenstufen, die das
Sozialpraktikum jetzt verpflichtend in den kommenden Jahren durchführen
werden, wie die Gesamtlehrerkonferenz beschlossen hat.
Durch dieses Sozialpraktikum konnten die Schüler sehr viele positive
Erfahrungen sammeln, soziale Bereiche und Kompetenzen kennen- bzw.
erlernen, was genau den Zielen und Erwartungen des verantwortlichen
Lehrerteams entsprach.
Zum einen lernten die Schüler mit ihren Mitmenschen besser umzugehen,
erlebten viele Dinge, die sie in ihrem späteren Leben sehr gut gebrauchen
können, erfreuten durch ihre Anwesenheit viele andere Menschen.
Aber auch sie selbst erlebten viele
Glücksmomente beim Erledigen ihrer Arbeiten. Zum anderen bemerkten
viele von ihnen wie glücklich doch vor allem behinderte Menschen sind, oftmals
sogar glücklicher als die meisten von uns, aber auch die Mitarbeiter der
Einrichtungen waren den Schülern gegenüber sehr aufgeschlossen und
entgegenkommend. Zudem haben viele gelernt mit neuen Situationen
umzugehen und auch aus sich selbst
herauszukommen.
Die meisten haben schnell in die Arbeit hineingefunden und konnten sich
gut integrieren. Viele mussten feststellen, dass die soziale Arbeit nicht nur
körperliche, sondern auch seelische Belastung bedeuten kann. Fazit: Ein
Sozialpraktikum in der neunten Klasse ist durchaus sinnvoll und alles andere
als Zeitverschwendung.
Helfen macht Freude. Maximiliane Umlauf engagierte sich während der Projektwoche „Soziales Engagement“ für ältere Menschen in einem Altersheim.
Fürstenberg-Gymnasium führt nach Versuchswoche Sozialpraktikum für neunte Klassen ein
. Sozial ist ihnen nicht egal
Uhren ticken langsamer
Einblicke in Wacker-Schule
„Wir hatten die Chance bei unserem Sozialpraktikum in der Karl-Wacker-Schule Einblicke in das Leben von
Menschen mit Behinderung zu bekommen.
Natürlich war es eine willkommene Abwechslung zum monotonen Schulalltag,
aber manchmal brauchte man auch viel Geduld. Das beste Beispiel
hierfür ist der tägliche Unterricht. Anfangs waren wir tatsächlich etwas
überwältigt von dem, was wir erfahren durften, gleichwohl war die Praktikumszeit
sehr angenehm. Uns faszinierte
besonders, was Menschen mit geistiger Behinderung für wichtig befinden,
wie ihre Prioritäten bezüglich ihrer Arbeitsweisen und der Schule
überhaupt sich von denen eines nichtbehinderten Schülers unterscheiden.
Wir selbst haben einerseits einfach
nur beobachtet und an dem Schulalltag teilgenommen, was für das Verfassen
des Praktikumsberichtes natürlich von Nöten war. Andererseits haben
wir die Schüler unterstützt, wann es notwendig und sinnvoll war. Auf dem
Stundenplan standen Schwimmen, Unterricht über Energie und Wärme,
Backen, Werken, Körperhygiene sowie AGs. Natürlich lernen die Schüler
auch Rechnen und Schreiben, auch
wenn sich dieser wie auch der weitere Unterricht von dem unseren unterscheidet.
Alles in allem war es eine sehr interessante und lehrreiche Erfahrung.“
F E L I X F R I T S C H I , B A S T I A N
F R I T S C H , VA L E N T I N B AU R U N D
DA N I E L W I E H L
Mehr als Essen auf Rädern
Ein nicht leicht zu verdauender Tag bei der Arbeiterwohlfahrt
Dominik Bohn absolvierte sein Praktikum bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO)
in Villingen und erlebte vier Tage bei der Abteilung „Essen auf Rädern“. Die
AWO ist eine Trägergenossenschaft, die sich hauptsächlich um alte, kranke,
behinderte und bedürftige Menschen kümmert. Es gibt innerhalb dieser
eine besondere Institution, namens „Essen auf Rädern“. Darunter
versteht man das regelmäßige Ausliefern
fertig zubereiteter Mahlzeiten bis an die Haustür oder gar bis in die Wohnung
des Kunden. Arbeitsbeginn für Dominik war um acht Uhr im AWO-Büro in Villingen.
Seine erste Aufgabe war, einen Teil der anstehenden Büroarbeit zu erledigen.
Das bedeutete Rechnungen sortieren und verschicken.
Als er dies erledigt hatte, begann erst der anstrengende Teil des Tages:
Er begleitete einen Zivildienstleistenden zu der Küche, von der die Arbeiterwohlfahrt
ihr Essen bezieht.
Nachdem sie gemeinsam das Auto beladen hatten, machten sie sich auf
den Weg in die Justizvollzugsanstalt Rottweil, um diese mit Essen zu beliefern.
Bereits das Betreten dieses Gebäudes bedeutete eine neue Erfahrung.
Sich vorzustellen, hinter diesen Mauern zu sitzen und eine längere
oder auch kürzere Zeit seines Lebens
dort verbringen zu müssen, lässt einem nicht so schnell wieder los.
Seelisch belastende Arbeit Als sie dort fertig waren, galt ihr weiteres
Streben dem Beliefern der
Grundschule Lörle und der Kindergärten „Villa Kunterbunt“ und „Josef“, wo
man wieder Freude und Spaß erleben durfte.
Nach einem Abstecher in die Küche und ins Büro, fuhren sie zu einem weiteren
Kunden, der eingehender Hilfe bedurfte. Dort sollte Dominik unter
anderem auch helfen, die verwahrloste Wohnung aufzuräumen. Auch diese
Arbeit geht nicht unbedingt sehr leicht von der Hand. Zu sehen, wie schwer es
für jemanden sein kann, ganz alltägliche Dinge zu tun und niemanden zu
haben, der freiwillig bereit ist, bei diesen Dingen zu helfen, macht einem
bewusst, wie gut es einem doch selbst
geht. Dominik: „ Einerseits habe ich viele positive Erfahrungen gemacht, aber
andererseits war die Tätigkeit sowohl körperlich als auch seelisch schwer zu
verkraften. Alles in allem war die Zeit sehr sinnvoll investiert. Ich bin froh
diese Erfahrungen gemacht zu haben und würde jederzeit wieder ein solches
Praktikum absolvieren!“
LU K A S D E M AT T I O , D O M I N I K
B O H N , M AT H I S G I L S B ACH,
CH R I S TO P H W I N T E R H A L D E R
Auf Anhieb integriert
Tobias Kraut half als „Krankenpfleger“ in der Helios-Klinik in Neustadt mit
„Bisher hatte ich noch nie in einer sozialen Einrichtung Erfahrungen sammeln
können, daher war ich sehr gespannt, was mich erwarten würde und
welche Aufgaben mir überhaupt anvertraut werden würden. Ich hatte in der Helios-Klinik in Neustadt meinen
Praktikumsplatz gefunden.
Als ich am ersten Tag dort ankam, suchte ich erst einmal meine Station.
Nachdem ich diese gefunden hatte, wurde ich begrüßt und allen vorgestellt. Ich verstand
mich mit allen auf Anhieb gut, besonders mit einem Azubi, der mir die ganze
Klinik zeigte. Zuerst durfte ich zuschauen wie Patienten gewaschen, gefüttert
und gepflegt wurden.
Anfangs habe ich nur die Leute zum Röntgen und zu den Operationen begleitet.
Aber nach und nach wurde mir mehr zugetraut und ich durfte Patienten
schon selber versorgen. Da sich aber schon fast alle Patienten selbst
versorgen konnten, wurde ich in die Endoskopie versetzt. Dort durfte ich
bei den Vorbereitungen helfen
und zuschauen, wie die Patienten behandelt wurden. Später hatte ich noch die Gelegenheit
die Intensivstation näher kennen zu lernen und dort meine Hilfe anzubieten.
Im allgemeinen finde ich, dass das Sozialpraktikum sehr interessant und lehrreich war. Ich
habe viele neue Erfahrungen gesammelt. Und mir hat es auch sehr Spaß
gemacht, mich mit den Patienten zu unterhalten und zu arbeiten. Ich fand
es nur sehr schade, dass wir nur vier Tage Zeit hatten, uns einzuarbeiten.“
TO B I A S K R AU T, K AT H A R I N A
H A R T M A N N , RO N JA ROT H W E I L E R
Meinungen und
Erfahrungen
„Die Krebskranken hatten an allem
Spaß und waren sehr aufgeschlossen.
Ich wurde auch gleich herzlich
in ihrer Mitte aufgenommen und ich
fand es sehr bewundernswert, wie
sie durch Hilfe einer Therapie mit
ihrer Krankheit umgehen konnten.“
Johannes Müller,9e,
Rehaklinik für Krebserkrankte
„Für mich war es eine sehr schöne
und abwechslungsreiche Zeit, in der
Kinderklinik zu arbeiten und zu
lernen, wie man mit den Hilfsbedürftigen
umgeht. Ich habe gelernt,
diesen Menschen auch die Chance
zu geben, selbstständig etwas zu
machen und nicht gleich bei allem
behilflich zu sein, was sie auch
selbst schaffen können.“
Esther Bronner, 9c,
Kinderklinik
„Mir hat es sehr gut gefallen, da die
Leute und Betreuer dort so freundlich
waren und eine große Lebensfreude
ausstrahlten. Durch das
Praktikum habe ich eine ganz andere
Sichtweise über behinderte Menschen
bekommen.“
Elinor Boos, 9e,
Behinderteneinrichtung
„Es war total interessant, dort zu
arbeiten und mal was ganz anderes
als Schule. Die Leute dort waren viel
netter als im alltäglichen Leben und
ich konnte neue Erfahrungen sammeln.“
Joachim Bea., 9c, Altenheim
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