Zurück zur Presse-Übersicht



.......und Schule aus für immer

Helmut Stark verlässt das Fürstenberg-Gymnasium in den Ruhestand

VON VOLKER LÜBECK


Mit Brahms, Mozart und seinen teils sehr wertvollen Instrumenten wird Helmut Stark den Doch-noch-Ruhestand angehen. Und natürlich mit der Familie.

Längst nicht alle Lehrer bleiben heutzutage noch bis zur regulären Altersgrenze mit 65 Jahren im Schuldienst. Überhaupt nicht erinnern kann man sich am Fürstenberg-Gymnasium daran, dass einer gar nicht mehr aufhören wollte. Jetzt gibt es diesen raren Fall von "Spätpensionierung": Die Schule hat Helmut Stark, gemeinsam mit Ingeborg Plech und Horst Fischer, gestern in die "Dauerferien" geschickt. Ein Jahr länger als eigentlich möglich, hatte Stark unterrichtet, bis zum Schluss sogar als Klassenlehrer.

Der Beginn der Sommerschulferien wird für ihn zur großen Zäsur nach 40 Jahren Schuldienst. Nun wird der Oberstudienrat für Musik und Deutsch, der in Donaueschingen auch als Mitbegründer der Anti-Fluglärm-Initiative auffiel, zu dem immer größer werdenden Heer der Pensionäre stoßen. Doch ins Klischee vom realitätszerschlissenen Frust-Opfer will Stark so gar nicht passen. Begeisterter Pädagoge sei er, top fit und noch lange nicht ausgebrannt. "Ich habe noch sehr viel vor", kündigt er an.

Antrag: "Rentenaufschub"

Den elanvollen Worten schickte er vor einem Jahr Fakten voraus: Als die reguläre Pensionierung anstand, stellte er den Antrag, noch weiter unterrichten zu dürfen. Leicht sei diese Entscheidung gefallen, denn "ich mag Jugendliche, und die spüren das und geben es zurück. Außerdem habe ich mich im Kollegium immer sehr wohl gefühlt. Bei uns stimmt das Betriebsklima".

Im Laufe der Karriere, die 1972 für den in Ludwigsburg geborenen Schwaben als Studienassessor am Schlossgymnasium Kirchheim/Teck begann, wurde er mit zahlreichen Reformen konfrontiert. Momentan erlebt er hautnah die Auswirkungen der um ein Jahr verkürzten Gymnasialzeit. Die derzeit praktizierte Form des "G8" habe ihn nicht überzeugen können. "Das Vorhaben kann nur mit deutlich reduziertem Lehrstoffangebot funktionieren. Ein Zehn-Stunden-Tag ist für die Schüler keine Seltenheit mehr, und sie müssen auf viele Hobbies oder Aktivitäten in den Vereinen verzichten. Das ist Verrat an den jungen Menschen", betont er, der sich nicht ohne Stolz als "Anwalt der Jugend" bezeichnet. Die heute oftmals geäußerte Kritik am Verhalten des Nachwuchses mag er nicht unterschreiben. Auch wenn er mit schwierigen Schülern konfrontiert gewesen sei, habe sich für beide Seiten immer ein gangbarer Weg aufgetan. "Man muss als Lehrer klar seine Position beziehen und seine Einstellung nicht manch modischem Trend unterwerfen", lautet sein Credo, das er auch an seine jüngeren Kollegen weiter geben will.

Der Rückblick auf seine 30-jährige Zeit am Fürstenberg-Gymnasium fällt positiv aus - und musisch. In bester Erinnerung blieben ihm seine Gründung des Streichorchesters mit jährlichem Schulkonzert, 

......die Aufführung des Musicals "Hair" (1989), 

das Konzert in Rokoko-Kostümen 
zum Gedenken an Mozarts 200. Todestag (1991) 

und der Fernsehauftritt in S 3 mit der Pop-AG des Gymnasiums. Dazu zählten auch die zahlreichen Konzerte "Klassik meets Pop", und "Klassik meets Jazz".

Obwohl seine absolute Liebe der Musik gehört (Studien an den Musikhochschulen Mainz und Wien), kann der Oberstudienrat seine Leidenschaft für die Germanistik nicht verhehlen: "Unsere wertvolle deutsche Sprache wird verloren gehen", orakelt er düster. Gerade an der Schule müssten deshalb alle Anstrengungen unternommen werden, um diesen Schatz zu hegen und zu pflegen. "Kaum eine andere Sprache bietet so viele wunderbare Ausdrucksmöglichkeiten." Englisch sei mehr als arm im Vergleich.

Auch wenn seine Schüler manchmal seine Anmerkungen bei den Deutscharbeiten als kleinlich kritisierten, hätten sie doch später eingesehen, dass er damit recht gehabt habe.

Ja, er werde den Kontakt mit den jungen Menschen und mit seinen Kollegen vermissen, aber deshalb nicht in das schwarze Loch des Ruhestands fallen. Er finde jetzt genügend Muse, um sich an sein Lieblingsinstrument, einem kostbaren Steinway-Flügel, zu setzen und die schwierigsten Kompositionen seines Favoriten Brahms auswendig zu lernen. In den Bücherregalen warte ungelesene Literatur, und die Fitness werde er mit Skilaufen, Radfahren oder beim Tennis zu erhalten versuchen.

Unruheständler

Auch auf Reisen will der Unruheständler gehen. Aus Kostengründen komme dafür jedoch nur die Nebensaison in Frage. Ehefrau Dagmar muss dann wohl zu Hause bleiben, denn sie ist als Rektorin der Grundschule Döggingen an Ferientakte gebunden. "Meine Frau ist 15 Jahre jünger. Damit wir zusammen unsere Koffer packen können, sollte ich ihr wohl besser den Vorruhestand empfehlen", schmunzelt der Vater von Tochter Annemarie (22 ) und Sohn Johannes (23). Beide Kinder sind nicht in seine beruflichen Fußstapfen getreten. Die Tochter strebt den gehobenen Verwaltungsdienst an. Der Sohn studiert derzeit Informatik.


Dokumentation aus dem Südkurier  > 24-7-08 <      Lokalausgabe Donaueschingen

Hinweis:
An dieser Stelle veröffentlichen wir Presseberichte die sich mit unserer Schule befassen. Für die jeweiligen Inhalte sind wir nicht verantwortlich, auch geben diese nicht unbedingt unsere Meinung wieder.
Die Veröffentlichung des Artikels geschieht mit freundlicher Genehmigung des Südkurier.

Zurück zur Presse-Übersicht

© PROJEKT INTERNET am FG