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Nach Lehrerleben zum Studium
VON MANFRED BEATHALTER
Über 30 Jahre war er Lehrer für Geschichte, Deutsch und Gemeinschaftskunde am Fürstenberg-Gymnasium. Nach seiner Pensionierung legte Studiendirektor Rüdiger Schell aber seine Beine nicht hoch, sondern wechselte die Perspektive und drückte selbst die "Schulbank" an der Uni Konstanz. Sein Ziel war der Doktortitel.

Ein strahlendes Ergebnis nach vier Jahren harter Forschungsarbeit:
Rüdiger Schell hat die Geschichte des Dominikanerinnenklosters in Neudingen erforscht und dafür den Titel "Dr. phil." bekommen: Der ehemalige Donaueschinger SPD-Stadtrat schloss die Prüfung mit "magna cum laude", einer "glatten Eins" ab.
Beathalter
Mit seinen Studien hat Schell auch ein Stück Baaremer Geschichte näher beleuchtet. Seine Dissertation beschäftigte sich mit dem hochmittelalterlichen Dominikanerinnenkloster in Neudingen. Im Mai hat er dann das "Rigorosum", das heißt die Doktorprüfung zum Dr. phil. abgelegt. Mit einer "glatten Eins", also mit "magna cum laude"
.
Zwei Stapel historische Dokumente, ein jeder gut zwei Meter hoch, hat Rüdiger Schell im FF-Archiv für seine Doktorarbeit ausgewertet. "Mit einem gewissen Herzklopfen", erinnert er sich an den Beginn der Arbeit im Jahr 2004, habe er das erste Schnürchen einer verstaubten Dokumentensammlung aus dem Hochmittelalter geöffnet. Handschriften, Urkunden, Dokumente, Notizen, Anniversarienbücher, Namensregister, viele in mittelhochdeutscher Sprache verfasst, quollen ihm entgegen. Sie wurden gesichtet, gelesen, beurteilt und neu eingeordnet in die Geschichte des Hochmittelalters.
310 Seiten Forschung
Schells Forschungsergebnisse stecken auf 310 Seiten zwischen zwei Kartondeckeln und liefern einen historischen Abriss des Klosters von 1274 bis 1565. Hinter dem hölzernen Titel "Das Dominikanerinnenkloster auf Hof bei Neudingen als Hauskloster der Grafen von Fürstenberg" steckt für den Historiker eine faszinierende Arbeit, die sich an die Frage knüpft: "Wie war das Weltbild im Mittelalter?" Dafür sucht Rüdiger Schell jetzt noch einen Verlag, der das Werk druckt und damit einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich macht.
700 oder 800 Jahre zurückblicken: Der Geschichtsforscher entdeckt, dass in Neudingen, da wo heute die FF-Grabkapelle steht, einst ein Königshof stand. Er gehörte zunächst den Karolingern und ist mit Karl III. "dem Dicken", in Verbindung zu bringen. Bis 1218 herrschen dann die Zähringer und einige Zeit später geht der Besitz an die Fürstenberger über. Das Kloster "Auf Hof" wird 1584 durch päpstliche Verfügung in "Maria Hof" umbenannt und wandelt sich vom Dominikanerinnenkloster in ein Zisterzienserkloster. Bis es 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst wird, "wie andere Klöster auch".
1852 geht die einstige Klosterkirche gar in Flammen auf. Die Akten konnte man retten, sie wurden mit Pferdefuhrwerken ins FF-Archiv nach Donaueschingen gebracht. Kurz danach begannen Bauarbeiten für die neue Kapelle über der historischen Grabgruft. "Das Kloster war über 500 Jahre hinweg ein kirchlicher Mittelpunkt, eine kulturelle und soziale Instanz und hatte politische Wirkung durch die Verbindung mit dem Haus Fürstenberg", ist Schell überzeugt. Wie überhaupt die Klöster im Spätmittelalter eine mächtige Rolle spielten. Allein in Villingen, das damals 3000 Einwohner hatte, gab es sechs Klöster.
Schells Forschungsergebnisse stammen aus 300 handschriftlichen Quellen und Urkunden. Ganz wichtig sind die "Anniversarienbücher", die über Jahrhunderte hinweg geführt wurden. Zum Teil lasen an den "Jahrtagen" sechs Priester des Klosters "Vigilien" oder beteten für die Verstorbenen. Allein 41 Fürstenberger, hat Schell herausgefunden, legten in den 300 Jahren bis 1565 Wert darauf, dass am Jahrtag für sie gebetet wurde. Dafür erhielt das "Hauskloster" Schutz und Unterstützung durch die fürstlichen Herrschaften: Steuerfreiheit, das Recht auf Weide und Viehhaltung, die Nutzung von Holz und Wald.
"Das Kloster war Heimstatt für fürstenbergische Frauen, diese hatten Einfluss auf die Versorgung des Klosters", ist Schell überzeugt. Zwischen 330 und 360 Nonnen lebten im Verlauf von drei Jahrhunderten im Dominikarinnenkloster in Neudingen. Das Leben war hart. Die Menschen kämpften gegen die Pest, bemühten sich in einer schwierigen Versorgungslage um ein Auskommen oder kämpften gegen die Reformation, die Mitte des 15. Jahrhunderts einsetzte.
Studium wie Erholung
"Es war für mich eine schöne Arbeit und sogar Erholung", freut sich "Dr. phil. Rüdiger Schell" über die Möglichkeit, sich am Ende seines aktiven Berufslebens wieder stärker mit wissenschaftlichen Themen befassen zu können. Aber am tollsten war, dass der einstige Studiendirektor auf den Fluren der Konstanzer Universität und vor dem Sprechzimmer von Professor Dr. Helmut Maurer, einem gebürtigen Donaueschinger, auch den einen oder anderen seiner früheren Schüler wieder traf: Er hatte sie offensichtlich auf den Geschmack für ein Studium der Geschichte gebracht.
Rüdiger Schell
ist am 19. April 1939 in Gengenbach im Ortenaukreis geboren. Er wuchs in Waghäusel/Kirrlach im Kreis Karlsruhe auf, seit 1954 in Radolfzell. Nach dem Abitur 1959 in Konstanz studierte Schell Geschichte, Wissenschaftliche Politik, Deutsch und Philosophie in Freiburg, München und Heidelberg. Nach dem Examen 1966 wurde er Gymnasiallehrer am Fürstenberg-Gymnasium in Donaueschingen. Schell war von 1968 bis 1999 Stadtrat in Donaueschingen, davon 17 Jahre lang als SPD-Fraktionsvorsitzender, seit 1971 bis heute ist er Mitglied des Kreistags. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit sind die spätmittelalterliche Landes- und Kirchengeschichte.
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