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Schüler stellen sich dem Auschwitz-Schrecken


42 Stunden reine Reisezeit in schnellen und komfortablen Zügen, das gibt nur einen schwachen Eindruck über die Entfernungen und die Bedingungen, unter denen die nach Auschwitz deportierten Juden aus unserer Region bei ihrer Reise ohne Wiederkehr in den langsamen, überfüllten Güterwagen ohne sanitäre Anlagen zubringen mussten. Der Abiturienten-Geschichtskurs des Fürstenberg-Gymnasiums nahm diese Reise auf sich.

42 Stunden reine Reisezeit in schnellen und komfortablen Zügen, das gibt nur einen schwachen Eindruck über die Entfernungen und die Bedingungen, unter denen die nach Auschwitz deportierten Juden aus unserer Region bei ihrer Reise ohne Wiederkehr in den langsamen, überfüllten Güterwagen ohne sanitäre Anlagen zubringen mussten.

Der Abiturienten-Geschichtskurs des Fürstenberg-Gymnasiums nahm diese Reise unter Leitung von Frauke Jürgensen auf sich, um drei hochinteressante Tage in Prag, Krakau, Auschwitz und Dresden zuzubringen.

Der Reigen der Sehenswürdigkeiten wurde eröffnet durch einen großartigen Abend und Vormittag in Prag, der Stadt des jüdischen Schriftstellers Franz Kafka, dessen „Proceß“ Sternchenthema im Abitur ist. Die Schüler konnten auf der „Czechbrücke“ die nächtliche Suizidfantasie aus Kafkas berühmter Erzählung „Das Urteil“ wie anderer Örtlichkeiten aus dem Werk nachempfinden.

Die Faszination der astronomischen Uhr führte dazu, dass zu mitternächtlicher Stunde die letzte U-Bahn versäumt wurde. Ein zweites Missgeschick bescherte weitere angenehme Stunden in Prag, bis es schließlich in überfülltem Zug über Böhmen und Mähren weiter nach Krakau ging. Auf dem Programm stand eine geschichtsträchtige Führung durch die noch heute vom Vielvölkerstaat Österreich geprägte Touristenstadt mit ihrem stündlichen Trompetensignal vom Turm der Marienkirche.

Eine Tram-Fahrt zur sozialistischen Trabantenstadt „Nowa Huta“ schloss sich an. Diese gigantische „Reißbrettstadt“ sollte nach kommunistischer Manier ohne Kirche auskommen, doch erzwangen Polens Katholiken unter der Ägide ihres Erzbischofs, des späteren Papstes Johannes Paul II,. den Bau mehrerer teils bemerkenswerter Kirchenbauten. Die waren auch tagsüber so gut besucht, dass die Schüler glaubten, es stünde ein Gottesdienst auf ihrem Programm.

Ergreifender Höhepunkt der Reise: der Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz und des Vernichtungslagers Birkenau unweit von Krakau. Mit den beiden Namen verbindet sich „die größte humane Katastrophe der Menschheitsgeschichte“, wie es die polnische Begleiterin ausdrückte. Damit beschrieb sie ihre Aufgabe, durch Informieren dazu beizutragen, dass sich so etwas nicht mehr wiederholt.

Schweigend nahmen die Schüler und parallel eine Unzahl weiterer Gruppen die bedrückenden Original-Exponate wahr: tonnenweise Überreste von Habseligkeiten, Zahnbürsten, Kämme, Töpfe, Schüsseln, jüdische Gebetsmäntel, Koffer, darunter auch einen mit einem Namen aus der Familie Kafka. Dazu kamen Berge menschlicher Haare, die die Nazis zur Herstellung von „Rosshaarmatratzen“ verwendeten. Schweigend verharrte die Gruppe vor der Erschießungswand, schweigend vor der Hungerzelle, in der Pater Maximilian Kolbe sein Leben für einen Familienvater gab.

Der unvorstellbare, fabrikmäßige Tod und das diesem vorausgehende Leid war in der Weite des Lagers Birkenau wenigstens annähernd nachzuempfinden. Das Lager mit der berüchtigten Selektionsrampe ist als ein einziger anonymer Friedhof zu betrachten, auf dem täglich Tausende Menschen, vorwiegend Juden, Sinti und Roma sowie viele Homosexuelle, ihrem Tod entgegensahen.

Den Abschluss des Tages bildete ein Aufenthalt im jüdischen Stadtteil Kazimierz, wohin die Juden im Mittelalter aus der Stadt vertrieben worden waren. Die düsteren Überreste des Nazi-Ghettos selbst waren in Spuren noch weiter draußen, jenseits der Weichsel, zu sehen. Das Ghetto ist samt der heute inzwischen modernisierten Fabrik Schindlers vor einigen Jahren noch ein letztes Mal zum Leben erweckt worden – durch Spielbergs Spielfilm „Schindlers Liste“.

Nach all diesen bedrückenden Eindrücken war das koschere Abendessen bei Klezmer-Musik in einem der jüdischen Traditionsrestaurants eine angenehme Abwechslung.

Die lange Heimreise wurde durch einen mehrstündigen Aufenthalt in der nach dem schlimmsten Bombardement im Zweiten Weltkrieg wiedererstandenen Barockstadt Dresden unterbrochen. Hier und auch schon vorher gaben die Schüler ihre zu Hause vorbereiteten Kurzreferate zum Besten, sodass sie zumindest einen Teil der Reise selbst gestalteten.


Dokumentation aus dem Südkurier  >7-10-08<      Lokalausgabe Donaueschingen

Hinweis:
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Die Veröffentlichung des Artikels geschieht mit freundlicher Genehmigung des Südkurier.

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