Zu lau, zu laut, zu fade, zu wenig appetitlich
Stimmungstest am Fürstenberg-Gymnasium:
Warum so wenige Schüler in der Schul-Mensa essen
Warum meiden so viele Fürstenberg-Gymnasiasten den Mittagstisch an der Schule?
Die Stadtpolitik rätselte über die "Mensa-Flucht".

Im Mai ging Ernährungsberaterin Claudia Hennemann im Auftrag
des SÜDKURIER zum "Mensa-Check" und lieferte viele
Verbesserungsansätze .
Und jetzt haben die Schüler selbst mit Eltern und Lehrkräften in einer groß angelegten Erhebung eine Stimmung ans Licht geholt, die Hennemanns Ergebnistendenz bestätigt: Die Qualität der Speisen muss besser werden, die Schüler wollen ihr eigenes Menü zusammenstellen. Wenn dann noch der Preis stimmt und es weniger laut ist, kann der Mensabesuch richtig gut schmecken.
Eltern, Jugendliche und Lehrkräfte haben sich im "Arbeitskreis Evaluation" seit einem halben Jahr unter der Leitung von Oberstudienrat Markus Eisele mit der Frage befasst, weshalb viel weniger Kunden als zu Beginn in der Schulkantine essen. Evaluation bedeutet Wertschätzung und Bewertung; die Ergebnisse einer Evaluation sollen die Qualität des untersuchten Gegenstandes verbessern. Entsprechend werden auf Basis der Evaluationsergebnisse Gründe für den Rückgang der Mensanutzung benannt und Verbesserungsvorschläge formuliert.
Viel Vorbereitung
Wegen der großen Bedeutung der Ernährung für die Gesundheit, das seelische Wohlbefinden und die Lernfähigkeit der Schüler, nahmen sich die "Ermittler" Zeit. Einige Jugendliche und Lehrkräfte gingen zur Fortbildung für Evaluationen.
Das Projekt wurde in der Gesamtlehrerkonferenz vorgestellt. Nachdem bedeutsame Problembereiche wie Preis und Geschmack durch Vorab-Interviews von Kindern und Jugendlichen herausgearbeitet wurden, haben Eltern, Jugendliche und Lehrkräfte einen Fragebogen erstellt, der in einem Probelauf von Schülerinnen und Schülern der 5. bis 12. Klasse getestet und danach überarbeitet wurde.
Für die Durchführung der Umfrage haben zwei Kursstufenschüler, Jens Küblbeck und Stephan Storm, ein Computerprogramm entwickelt. Nach den Pfingstferien fand die Umfrage repräsentativ in Klassen des 5. bis 12. Jahrganges unter etwa 450 Schülern statt. Wie die Umfrage zeigte, essen die Gymnasiasten hauptsächlich bei außerschulischen Anbietern. Allerdings gehen sie häufiger in die Mensa, seitdem die Speisen nicht mehr vorbestellt werden müssen - eine Sofortmaßnahme nach den Osterferien zur Steigerung der Besucherzahlen.
Schüler, die die Mensa meiden, tun dies in erster Linie wegen der nicht ausreichenden Qualität der Menüs. Kritikpunkte: die meist nur lauwarmen, undefinierbaren, unnatürlich schmeckenden und oft zu kleinen Portionen sowie die in keiner Relation dazu stehenden hohen Preise, mittelmäßig appetitliche Darbietung, häufige Wiederholung der Menüfolge, lediglich durchschnittlich beurteilte Sauberkeit der Tische, schlechte Luft - und störende Geräuschentwicklung der Grundschüler.
Wärmer, leckerer, sauberer
Das wünschen sich die Schüler: wärmere, schmackhaftere und definierbarere Speisen, mehr Menü-Mitbestimmung bei Portionsmenge, Zusammensetzung und Art der Speisen. Viele würden gerne einzelne Speisen aus einem Menü kaufen. Zusätzlich zum bisherigen Angebot werden Pizza, Pommes, Spätzle, Spaghetti und ein kleiner Salatteller gewünscht. Übersichtliche und eindeutige Warenauszeichnung wurde angeregt. Für ein ansprechend angerichtetes Menü wären die Schüler dann bereit, zwei bis drei Euro auszugeben. Der äußere Rahmen ließe sich durch Gruppentische und günstigere Raumlüftung verbessern, Grünpflanzen werden vermisst. Regalwagen würden die Geschirrrückgabe erleichtern.
Norbert Schmeiser
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