Zurück zur Presse-Übersicht


Donaueschingen war Pionier des Spurt-Gymnasiums „G 8“ – und steckt jetzt besonders tief im Problem-Dilemma

Von Musterschülern zu Problemkindern



Bildungspolitische Gewitterstimmung herrscht im Land. Seit Ministerpräsident Oettinger das Spurt-Gymnasium "G8" kritisiert hat, entladen sich allerorten Besorgnis und Frust der Eltern. Besonders hart betroffen sieht man sich am Donaueschinger Fürstenberg-Gymnasium. Denn dort startete das "G8" als Pilotprojekt schon früher als anderswo. Und dort steckt man nun auch tiefer im Dilemma.

Donaueschingen - Musterschüler des von 13 auf zwölf Jahrgangsstufen gerafften Gymnasiums wollte man vor sechs Jahren in Donaueschingen werden, als die damalige baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan bei einem Besuch in der Stadt verkündete, jedes interessierte Gymnasium dürfe den sofortigen Frühstart zur nur achtjährigen Oberstufen-Distanz zum Abitur wagen, noch ehe dieses Modell offiziell anlief. Wenige Monate später beschlossen die Schulleitung und der Schulträger Stadt, bei dieser Vorhut dabei sein zu wollen. Seit mittlerweile fünf Jahren und damit länger schon als an den meisten anderen Gymnasien im Land ist an Donaueschingens Oberschule "G8" Realität. Eine zunehmend bittere, wie sich mehr und mehr zeigt. Aus den vermeintlichen Musterschülern sind oft Problemkinder geworden.

Begonnen hatte die Leidenszeit bildungspolitischer Innovationsfreude schon im ersten G8-Jahr der heutigen Neuntklässler, der so genannten "Frontklasse". Weil niemand so recht wusste, wie die Lehrpläne des Modellprojekts aussehen sollen und weil es weder ausgereifte Konzepte, noch Schulliteratur gab, wurde nach Herzenslust improvisiert. Nicht aus Schulbüchern, sondern aus Fotokopie-Stapeln lernten die Schüler. Und da - wie es jetzt auch Ministerpräsident Oettinger kritisierte - der Neun-Jahres-Stoff einfach auf acht Jahre komprimiert wurde, quoll das Unterrichtsstunden-Pensum auf. "Meine Tochter arbeitet länger als ich selbst", berichtet eine Mutter, weiß von 40 Wochenstunden, von häufigem Nachmittags-Unterricht bis nach 17 Uhr. Danach seien noch Hausaufgaben zu machen, müssten sich die Schüler auf Klassenarbeiten vorbereiten. Oft bis in die Nacht.

Gespürt haben diesen Schulstress aber nicht nur die Kinder, Familien und Lehrer. Auch bei Donaueschinger Vereinen kommt das Dilemma an. Das häufigste Austritts-Motiv junger Menschen im Donaueschinger Turn- und Reitverein ist inzwischen die wachsende schulische Überforderung, die keinen Raum mehr für Freizeit und Sport der jungen Menschen lasse.

Doch so sehr sich die G8-Schüler auch ums "Überleben" bemühen, die chronische Überforderung durch die Lehrstoff-Masse artikuliert sich in immer schlechter werdenden Noten. "Der Makel bleibt für immer", zeigt sich ein Vater frustiert. Und offen diskutiert wird bei den G8-Eltern längst auch die personale Qualitätsfrage der Pädagogen in den Pilotprojekt-Klassen. Dort gäbe es Lehrer mit gravierenden Qualifikations-Handicaps und unverantwortlich langen Vakanzen, weiß eine Mutter im vertraulichen SÜDKURIER-Gespräch.

Doch jetzt droht auch noch eine weitere Verschärfung des Desasters. Als G8 startete, bildeten rund 160 damalige Fünftklässler fünf Klassen. Immer mehr von ihnen blieben angesichts der überzogenen Anforderungen auf der Strecke. Ab der achten Jahrgangsstufe reichten vier Klassen. Und weil das G8 bis heute einen eher zunehmenden Resignations-Schwund verzeichnet, blieben inzwischen nur noch hundert Kinder übrig. Eine der Kernforderungen, mit denen sich die Eltern nun an die Schule wenden, ist der Verzicht auf eine weitere Reduzierung der Klassen. Denn eigentlich müsste Direktor Bertolt Böhm das verbliebene Schüler-Reservoir im Sommer in nur noch drei Klassen zwängen - mit dramatischen Folgen der Lehr- und Lernqualität, wie Eltern meinen.

Also wollen sich die primär betroffenen Eltern der achten und neunten Klassen am Mittwoch, 27. Februar, zu einer Erörterung der Probleme treffen. Denkbar sei danach eine ständiger Austausch, um im Dialog zwischen Eltern und Schule wenigstens die schlimmsten Benachteiligungen abzufangen, von denen sich die "Versuchskaninchen" des Donaueschinger G8-Pilotprojekts in besonderer Weise betroffen fühlen.

Die Schulleitung indes sieht die Problemlage offenbar nicht so akut. In einer gestern angesichts der SÜDKURIER-Recherchen vom stellvertretenden Direktor Hans-Jürgen Martin eilig entworfenden Stellungnahme, die Martin dann im Geiste eines kooperativen Klimas auch von der Elternbeiratsvorsitzenden Rita Bernhart-Männlin abnicken ließ, zieht die Schulleitung ein betroffene Kenner der Lage verblüffendes Fazit: "Alles in allem gut gelungen" sei die Umsetzung des G8, schönt der Konrektor. "Auch G8-Schüler fühlen sich am FG wohl". Vor dieser Quersumme allerding muss Martin auch widersprüchliche Fakten einräumen wie etwa die verstärkte Unterrichtsvorbereitung der Schüler an Wochenenden, die Opfer an Vereins- und Freizeitaktivitäten bei den G8-Frontklassenschülern und akute Problemlagen in den Fächern Französisch, Latein und Mathematik.

Politik-Appell

Forderungen nach grundlegenden Korrekturen kommen derweil auch aus der Donaueschinger Kommunalpolitik, die möglicherweise landesweit einen maßgeblichen Impuls zur G8-Einführung setzte und sich auch für die Donaueschinger Pionier-Rolle stark machte. Als einstiger Protagonist einer Schulzeit-Verkürzung hatte der FDP-Fraktionschef Michael Klotzbücher beim Bezirksparteitag in November in Offenburg einen Antrag auf die Reform von G8 eingebracht, der sich nun fast wortgleich in Statements der Landesregierung findet. Und auch in Donaueschingen sehen sich die Liberalen als Anwalt "vieler frustrierter Eltern", haben im November Eltern zur Schilderung der Probleme eingeladen. "Dass wir das G8 brauchen, ist klar. Was daraus speziell in Donaueschingen und wohl auch andernorts im Land gemacht wurde, ist inakzeptabel", resümiert Klotzbücher heute.


Dokumentation aus dem Südkurier  >9-2-2008<      Lokalausgabe Donaueschingen

Hinweis:
An dieser Stelle veröffentlichen wir Presseberichte die sich mit unserer Schule befassen. Für die jeweiligen Inhalte sind wir nicht verantwortlich, auch geben diese nicht unbedingt unsere Meinung wieder.
Die Veröffentlichung des Artikels geschieht mit freundlicher Genehmigung des Südkurier.

Zurück zur Presse-Übersicht

© PROJEKT INTERNET am FG