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G8: Lieber auf die Realschule
VON GüNTER VOLLMER
Das Kürzel "G8" ist für viele Eltern und Schüler zum "Reizwort" geworden, denn das von neun auf acht Jahre verkürzte Gymnasium verlangt von den Schülern deutlich mehr. Die Diskussion der vergangenen Monate hat aber eines bewirkt. Der Schülerstrom kanalisiert sich nach der Grundschule eindeutig Richtung Realschule.
Lieber auf Nummer sicher statt aufs Gymnasium: Noch nie wechselten zum Schuljahresstart mehr Grundschüler mit einer Gymnasialempfehlung in der Tasche auf die Donaueschinger Realschule.
Donaueschingen - Landesweit steht das verkürzte Gymnasium in der Diskussion: Wird von den Schülern zu viel verlangt? Lassen der viele Nachmittagsunterricht und die anschließenden Hausaufgaben keinen Platz mehr für Freunde und Hobbys? Immerhin will die Politik reagieren und an den Stellschrauben des Lehrplans drehen, um für Entspannung an der Bildungsfront zu sorgen.
Die Diskussionen des vergangenen halben Jahres haben Bertolt Böhm, Direktor am Fürstenberg-Gymnasium, zwar einiges an Aufklärungsarbeit gekostet, aber in der Statistik keine negativen Spuren hinterlassen. "Die Diskussionen haben uns nicht geschadet. Wir haben mit 150 Neuzugängen in fünf fünften Klassen zwei oder drei Schüler mehr als vergangenes Jahr", konstatiert Böhm. Und für die Eltern der neuen Sextaner sei die G8-Diskussion bei der Anmeldung kein Thema gewesen.
Dies führt Böhm auf die Aufklärungsarbeit im Frühjahr zurück. "Wir wissen, dass wir in der neunten Klasse jetzt mehr Abgänge haben als früher und von vier auf drei Klassen reduzieren mussten. Diesen Wechsel hatten wir beim G9 in der zehnten Klasse, wenn Schüler aufs Wirtschafts- und Technische Gymnasium wechselten. Und da die Schüler im G8 schulisch schneller soweit sind, wechseln sie von der neunten Klasse direkt in die elfte an der neuen Schule", erklärt Böhm. Auch in den Klassen darunter sei das Wechselniveau normal.
Die Auswirkungen von G8 werden in der Realschule Donaueschingen oder am Otto-Hahn-Gymnasium in Furtwangen anders registriert. 25 Prozent weniger Anmeldungen von Schülern mit Gymnasialempfehlung stellt Direktorin Ursula Kiefer bedauernd fest. Die langjährige Lehrerin am Fürstenberg-Gymnasium erkennt in diesen Zahlen sehr wohl die Besorgnis vieler Eltern vor der Überforderung ihrer Kinder.
In der Realschule haben jetzt 170 Kinder in der fünften Klasse angefangen, 70 davon hätten mit ihren Grundschulnoten auch aufs Gymnasium können - so viele wie noch nie. Das spricht für die Grundschulausbildung und nicht fürs "G8". Und mit 16 Wechslern vom Gymnasium auf die Realschule hat man ein Rekordniveau erreicht. "Viele Eltern wollen sich mit dem Nachmittagsunterricht nicht anfreunden", sagt der stellvertretende Realschulchef Gerhard Laufer, der in Kooperation mit Elternvertreter Werner Dunzweiler aber zumindest bald eine Hausaufgabenbetreuung am Nachmittag anbieten möchte. Die Ganztagsschule selbst ist an der Realschule aber noch kein Thema.
Dass die Schule stressiger für seine Schüler ist, sieht auch Bertolt Böhm. "Leider müssen die siebten bis zehnten Klassen zwei bis dreimal nachmittags in die Schule. Das wirkt sich auch auf unser großes AG-Programm negativ aus. Die Belegzahlen sind leider nicht so riesig wie erwartet." So fällt der angebotene Italienisch-Kurs mangels Nachfrage flach. Und nach einer Umfrage wollten 90 Schüler einen Kochkurs belegen. Statt der drei Kurse kam nun aber nur einer zustande.
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