Tausche behütetes Heim in der
Familie in beschaulichem Dorf
gegen aufregendes Leben in
den Armenvierteln einer 7-Millionen-
Metropole – die meisten würden diese
„Stellenanzeige“ als undenkbar abtun.
Für die vor einem Jahr 20-jährige
Abiturientin Marina Widmann aus
Neudingen war es ein Wunsch, vor
dem Studium an einem ganz anderen
Flecken der Erde ein Jahr Gutes zu tun.
Südamerika war ihr grobes Ziel. In Caracas
ist sie letztlich als Mitarbeiterin
in einem Hilfsprojekt gelandet, das sie
nun auch über ihre Zeit vor Ort hinaus
unterstützen möchte. Dafür wird sie
am Sonntag, 18. November, 14 Uhr, in
der Neudinger Halle Bilder von ihrem
einjährigen Aufenthalt zeigen. Der Erlös
aus der Bewirtung kommt dann
den Kindern in der Hauptstadt Venezuelas
zugute.
Was machen nach dem Abitur?
Während die Jungs zur Bundeswehr
einrücken oder ihren Zivildienst leisten,
haben die Mädels soziale Dienste
– mit Vorliebe im Ausland – für sich
entdeckt. So auch die Enkelin von
Franz Widmann, des ehemaligen Bürgermeisters und Ortsvorstehers von
Neudingen. Bei verschiedenen Organisationen hatte sie sich um ein Engagement
in Südamerika beworben,
letztlich entschied sie sich für das Angebot des Vereins „Freundeskreis Las
Torres“, der in vier Betreuungszentren für 200 Kinder in den Elendsvierteln
der Hauptstadt Hilfe zur Selbsthilfe leistet.
Obwohl die Eltern Monika und Hermann
sowie die drei Schwestern die
Auslandspläne recht skeptisch beäugten, startete Marina Widmann ihr
Abenteuer am 21. September 2006 mit
dem Abflug nach Venezuela – und das
Ganze ohne Spanisch-Kenntnisse.
„Das hat sich aber schnell geändert.
Das Latein und Französisch in der
Schule halfen mir sehr schnell, die
Kinder zu verstehen.
|
Lediglich mit der
Aussprache dauerte es etwas länger“, blickt sie immer noch schwärmend
zurück. Erleichtert wurde ihr Einstieg in die Betreuung von Klein- und
Schulkindern zudem von „Zivi“ Stephan Dahm aus Mannheim, der zum
Vortrag auch nach Neudingen kommen wird.
Die Verarmung der Bevölkerung Venezuelas ist trotz des Ölreichtums des
Landes in den vergangenen Jahren rasant fortgeschritten. Rund die Hälfte
der sieben Millionen Einwohner der
Hauptstadt lebt mittlerweile in den
Elendsvierteln. So wunderte es Marina
Widmann wenig, dass die Begeisterung
für den neuen, sozialistischen
Präsidenten Hugo Chavez groß ist. Alle
erhoffen sich nun ein besseres Leben,
weit weg von den Kämpfen der
Drogenbanden und Schießereien, die
für Marina Widmann das Weggehen
bei Nacht beinahe unmöglich machten.
„Mit ist nichts passiert, aber Stephan
wurde einmal ausgeraubt“, erzählt
sie. Dennoch will sie unbedingt
während oder nach ihrem Psychologiestudium,
das sie nun an der Uni
Konstanz beginnen wird, wieder nach
Caracas zurückkehren. Die Leute seien
ihr mit ihrer Lebensfreude zu sehr
ans Herz gewachsen. Und auch das
Land, das sie von den Karibik-Inseln
bis zu den Anden in jeder freien Minute
bereiste, sei zu schön, um es nicht
noch einmal zu bewundern.
Bilder für guten Zweck
Einige hundert Bilder hat Marina
Widmann in Venezuela geschossen.
Einen Teil wird sie am Sonntag, 18.
November, 14 Uhr, in der Festhalle
in Neudingen zeigen. Sie hofft auf
ein großes Echo, denn den Erlös
will sie direkt nach Caracas überweisen
und die Hilfsprojekte des
Freundeskreises Las Torres unterstützen,
der unter zurück gehenden
Spendeneingängen leidet.
Infos Internet unter
www.Las Torres.de
|