Wie Rudolf Strasser Schülern Beine macht
Rückblickend belegen zahlreiche schulische Erfolge und vielversprechende
strukturelle Veränderungen, dass mit Rudolf Strasser ein Mann die Führung des FG's
übernommen hat, der voller Tatendrang steckt und mehr als einmal Mut zur Initiative bewies.
Dass er zum 31. Juli seinen Schreibtisch räumt, scheint undenkbar.

Insgesamt sechs Jahre hielt Rudolf Strasser das Zepter am Fürstenberg Gymnasium in der
Hand, doch mit heute 64 Jahren steht mit Schuljahresende auch der wohlverdiente Ruhestand
ins Haus. Als sehr vielfältig und abwechslungsreich erlebte er seine
Amtszeit, in der es viele bedeutende Entscheidungen zu treffen galt. Mit der Einführung des
"Biberacher Modells" beispielsweise - parallel zum vierstündigen Lateinunterricht werden
Fünftklässler wöchentlich zwei bis drei Stunden in Englisch unterrichtet - verdoppelte Strasser
die Anmeldezahlen für Latein I. Zum neuen Schuljahr setzte er außerdem die Einführung von
Spanisch als Alternative zum naturwissenschaftlichen Zweig durch. Bereits zum Schuljahr
03/04 führte das Fürstenberg Gymnasium das "Turbo-Abi" G8 ein, um das Problem
Doppeljahrgänge etwas zu umgehen, denn zum Schuljahr 2010/2011 legen landesweit an
jedem Gymnasium jeweils zwei Jahrgänge das Abitur ab.
Gleichzeitig wurde Naturwissenschaft und Technik neues Hauptfach, so dass Erfahrungswerte
der Lehrerschaft und Strukturierung der Stundenpläne anderen Schulen als Modell und
Hilfestellung dienlich sind.
Pioniergeist bei der Ganztagsschule bewiesen
Pioniergeist beweist das FG auch mit dem Übergang zu Ganztagsbetreuung und
Ganztagsschule, denn nur weil entsprechende Anträge frühzeitig eingereicht wurden, wird der
1,5 Millionen Euro teure Anbau zu 90 Prozent von Bund und Land finanziert. Neben aller
Bürokratie unterrichtete der Schulleiter stets gerne Geschichte, Gemeinschaftskunde und
Deutsch. Mich selbst begleitete Herr Strasser als "Neigungshistorikerin" über zwei Jahre
hinweg auf meinem Weg zum Abitur. Würde ich hier haarklein berichten wollen, wie viel dieser
Mann - der sich übrigens, nach eigener Aussage, mit Leib und Seele dem Lehrerberuf
verschrieben hat - nicht alleine mir, sondern dem gesamten Geschichtskurs 2006 vermittelt
hat, hieße dies eine komplette Seite zu füllen. Zumindest so viel: Für mein Abitur in
Geschichte war ich nicht nur hervorragend vorbereitet, sondern "spazierte" im wahrsten Sinne
des Wortes hindurch, denn "Rudi's" Klausuren im Neigungsfach Geschichte hatten es "in
sich". "Wer zu spät kommt, den bestraft der Lehrer", pflegte der Schulleiter stets zu sagen, so
dass Geschichte zu den wenigen Fächern zählte, für das man einen "Sprint" durch das
Schulhaus in Kauf nahm. Wer es nicht schaffte pünktlich im Klassenzimmer zu sein, hatte
damit zu rechnen beim Eintreten über Herr Strassers "ausgefahrenes" Bein zu stolpern. Mit
Ironie und Witz begeisterte er, bestimmt und autoritär vermittelte er, so dass auch Weimarer
Republik und Kalter Krieg in unseren Köpfen hängen blieben. "Ein Schulleiter sollte autoritär,
zielstrebig, konzentriert, geduldig, arbeitskräftig, gerecht und ausdauernd, allgemein ein
"Wundermensch zu sein", erklärt Strasser schmunzelnd. Er mag vielleicht kein Wundermensch
sein und doch verliert das FG mit ihm nicht nur einen kompetenten Schulleiter, sondern auch
einen hervorragenden Lehrer.
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