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(K)ein Park für alle 

In Donaueschingen hat Fürst Heinrich zu Fürstenberg Radfahrer aus dem Schlosspark verbannt

Von unserem Mitarbeiter Lothar Häring



Zutritt verboten: Seit die großzügige Vereinbarung über die öffentliche Nutzung des Schlossparks endete, müssen vor allem Schulkinder einen Umweg in Kauf nehmen.



DONAUESCHINGEN. Dürfen Kinder und Jugendliche für ihren Schulweg den Schlosspark benutzen? Heinrich Fürst zu Fürstenberg hat ein Radfahrverbot erlassen. Die Eltern sehen auf dem verkehrsreichen Alternativweg die Sicherheit ihrer Kinder gefährdet. Jetzt wird gestritten. Es geht ums Grundsätzliche.

Monika Opferkuch wägt ihre Worte eigentlich sorgsam ab. Aber dann entwischt ihr doch der Satz: "Vielleicht hat auch der Fürst die Nase voll." Doch ihr geht es nicht um die Kokain-Eskapaden von Fürst Heinrich, sondern um das Radfahren im Schlosspark. Die Donaueschinger trauern Fürst Joachim Egon zu Fürstenberg auch fünf Jahre nach dessen Tod noch nach. Er war eine Vaterfigur, leutselig und volksnah. Kaum hatte Sohn Heinrich die Geschäfte übernommen, leitete der einen Kurswechsel ein. Der Spross zog ins Schloss, schränkte den Zugang zum Park ein und ließ den dort mit Landeszuschüssen angelegten Dressurplatz abbauen.

Und als 2005 die großzügige Vereinbarung zwischen dem Fürstenhaus und der Stadtverwaltung über die öffentliche Nutzung des Schlossparks endete, huben zähe Verhandlungen an. Fürst Heinrich wollte ein generelles Radfahrverbot erlassen. Nach zweijährigem Ringen erzielte die Stadtverwaltung einen Kompromiss, der aber einschneidende Folgen hatte: Kindern und Jugendlichen sollte das jahrzehntealte Gewohnheitsrecht genommen werden, auf ihrem Schulweg durch den Schlosspark zu radeln.

Damit nahm eine Auseinandersetzung ihren Lauf, die mehr ist als ein Streit um eine neue Parkordnung. Darin manifestiert sich auch das zunehmend gestörte Verhältnis zwischen den Donaueschingern und ihrem Fürstenhaus. Zunächst versuchten die Schüler den Fürsten mit Briefen umzustimmen. Ohne Antwort.

Demonstration vor dem Gartentor

Daraufhin organisierten sie zusammen mit Eltern und Lehrern eine Demonstration: 300 Schüler trafen sich vor Schulbeginn, fuhren mit Plakaten ("Freie Fahrt für Fahrradfahrer" ) durch den Schlosspark und klingelten die Fürstenfamilie aus dem Schlaf. Zwei Tage später bezog Erbprinz Christian zum ersten und bisher einzigen Mal öffentlich Stellung. Seine Aussage war klar: "Auf keinen Fall werden wir das Regelwerk ändern." Der Schlosspark bedürfe einer umfassenden Sanierung zu einem "Natur-Refugium" .

Die Schüler wollten sich damit nicht abfinden und suchten das Gespräch. Aber Fürst Heinrich schickte seinen Referenten. Der bestand nicht nur auf dem Fahrverbot, sondern drohte bei Zuwiderhandlung auch ein Bußgeld an. Das empörte auch die Eltern, die deshalb eine Bürgerinitiative "Ein Park für alle" gründeten und prompt mit einem Gutachten aufwarteten. Darin kommt der Anwälteverein "Idur" zum Schluss, beim Schlosspark handle es sich um eine freie Landschaft mit freiem Betretungsrecht.

Jetzt sah die bis dahin stumme Stadtverwaltung ihre Stunde gekommen. Sie nannte die Expertise "rechtsfehlerhaft" und konstatierte: "Wie die Öffentlichkeit den Park nutzen kann, entscheidet der Eigentümer" — und der heiße Fürstenberg. Wer die Erklärung genau liest, kann zwischen den Zeilen erkennen, dass auch die Beziehungen zwischen dem traditionell fürstenfreundlichen Rathaus und der Adelsfamilie Schaden genommen haben. Das Radverbot entspreche nicht den Wünschen der Stadt, heißt es da. Und: Die Stadtsheriffs könnten keineswegs Bußgelder verhängen.

Nun hängen im Schlosspark 31 Fahrradverbotsschilder, und es kommt immer wieder zu seltsamen Begegnungen. Einmal stellte der Gärtner sein Auto quer. Ein andermal versuchte ein Bediensteter die Schüler mit Pfefferspray und Stock einzuschüchtern, sagt Monika Opferkuch. Wie es nach den Osterferien weitergeht, weiß niemand. Manche Schüler wollen weiter durch den Park fahren, andere planen, ihr Rad zu schieben und eine größer werdende Gruppe nimmt Umwege in Kauf. Offiziell gilt bis auf Weiteres der Satz, den Erbprinz Christian formulierte: "Wir hoffen auf ein kollisionsfreies Miteinander."


Dokumentation aus der Badischen Zeitung > 14-4-2007<  Gesamtausgabe / Land & Leute

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Die Veröffentlichung dieses Artikels erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Badischen Zeitung


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