| "Göth
war ja ein Massenmörder"
Donaueschingen. Vorgestern noch Studenten der Universität Freiburg, gestern nun Schüler des Fürstenberg-Gymnasiums (FG): Mietek Pemper, der jüdische Häftling, der von März 1943 bis September 1944 im KZ Krakau-Pasz—w als privater Stenograph von Lagerleiter Amon Göth die Judenverfolgung hautnah miterlebte, ließ dabei im Musiksaal als Zeitzeuge das düstere Kapitel auch für die Nachkriegsgeneration aufblitzen. Es war bereits der zweite Besuch am FG, den Geschichtslehrer Martin Schmiedeberger mit Winrich Mayer von der Konrad-Adenauer-Stiftung initiiert hatte.
Der 83-Jährige stammt aus einer jüdischen deutsch-polnischen Grenzlandfamilie bei Krakau und lernte die Herrschaft der Nationalsozialisten bereits im Krakauer Judenwohnbezirk Podgorze kennen. Er folgte der Spur der Vernichtungsmaschinerie nach Krakau-Plaszow - einem "Filiallager" von Auschwitz - nicht ganz freiwillig, da er zum Stenographen beordert wurde.
Dort hatte er Kontakt zu Lagerleiter Amon Göth ("der war ein sadistischer Massenmörder") und somit Zugang zu geheimen Plänen einer "Endlösung" kurz vor Kriegsende. Er informierte darüber den Industriellen Oskar Schindler. An die 1200 jüdische Häftlinge rettete dieser mit seiner "Liste" für benötigte Arbeitskräfte. Göth selbst wurde im September 1944 wegen Unterschlagung von Wertsachen nach Säuberung Krakaus verhaftet.
Pemper stellte sich als Hauptzeuge bei den Kriegsverbrecher-Prozessen in Polen zur Verfügung. Mit der Aufarbeitung seiner Lebensgeschichte für Spielbergs Film "Schindlers Liste" einher geht auch der Entschluss, sein Schicksal und damit die Zeit in Vorträgen für die Welt lebendig zu halten. Das schien auch in der sich anschließenden Diskussion gelungen zu sein, denn mit den Fragen von Friedemann Hegener, Walter Martin oder Franziska Wehinger wurde von den Schülern der Dialog sehr interessiert eröffnet.
Eine Antwort blieb gestern unbeantwortet: Wie fühlt man sich nach dem Blick auf Tod und Leiden? Da wird auch Pemper still, wenn das Schicksal der eigenen Familie zum großen Schatten des NS-Regimes wird, der wohl für immer im Gedächtnis haften bleibt.
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