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Mogelpackung Ganztagsschule?


VON KLAUS DANGEL


Donaueschingen steigt an drei Schulen in den Ganztagesbetrieb ein, Hüfingens Stadtpolitik denkt daran. Doch in Bräunlingen erhebt sich eine kritische Stimme: Schulleiter Witte-Löffler hält die Landesvorgaben für die Ganztagsbetreuung für eine Mogelpackung und warnt vor bösen Erfahrungen.
Bild: Sind sie Nutznießer einer neuen Schul-Chance oder Düpierte eine Mogelpackung? Die Baaremer Fachmeinungen gehen auseinander, was den Sinn von schulischem Ganztagesbetrieb unter heutigen Bedingungen angeht.

Seit dem ersten Pisa-Studien-Schreck haben Land und viele Städte die Bildungspolitik zur Priorität 1 erklärt. Was vor kurzem noch ein unschickliches Wort war, gilt plötzlich als Schlüssel zu einer besseren Schule: Ganztagesbetreuung oder Ganztagesschule. Die Begriffe werden oft durcheinander geworfen, bisweilen wohl nicht ganz unabsichtlich. Denn nur wenn eine Gemeinde an ihrer Schule die echte Ganztagesschule mit Teilnahmepflicht einführt, stellt das Land dafür zusätzliche Lehrerkräfte in umfangreichem Maß zur Verfügung und finanziert derzeit auch nötige Bauten, allerdings in der Regel nur an so genannten Brennpunktschulen mit besonderem sozialem Problempotenzial. Eröffnet dagegen nur eine Ganztagesbetreuung als Angebot zur freiwilligen Teilnahme, so muss die Stadt selbst einen wesentlichen Teil der Betreuungskräfte einstellen, oder Ehrenamtlich dafür suchen.

Genau hierin liege die große Gefahr der momentan laufenden Einführungspläne im Baargebiet, glaubt Ernst-August Witte-Löffler. Der Leiter der Bräunlinger Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule wehrt sich dagegen, auf Basis der gegebenen Landesprogramme für den Ganztagsbetrieb an seiner Schule ein Modell zu etablieren. "Die Ganztagesbetreuung ist eine Mogelpackung", sagt er.

Witte-Löffler begründet: Den Gemeinden werde es in der Praxis nicht gelingen, qualifiziertes Ehrenenamtspersonal für eine gute Nachmittagsbetreuung zu finden. "Alle Vereine und Gruppierungen haben doch selbst schon alle Hände voll zu tun, noch Kräfte für ihre eigenen Angebote aufzubieten." Beträchtlicher städtischer Personalkostenaufwand für professionelle Kräfte scheint aber unrealistisch angesichts der Kassenlage der meisten Gemeinden. Als Folge daraus könnten Ganztagesangebote entstehen, die trotz engagiertester Konzepte der Schulen ihren Namen gar nicht verdienen - sondern nur das sind, was in der Donaueschinger Diskussion zu diesem Thema jüngst Stadträtin Claudia Jarsumbek unbedingt vermeiden wollte: "Aufbewahrungsstätten".

Den breitflächigen Ganztagesbetrieb im Land fördern, nur um sich das Fortschritts-Etikett anzuheften? "Mir ist die Idee Ganztagesschule viel zu schade, um damit Schindluder zu treiben, wie es das Land derzeit macht", sagt Bräunlingens Schulleiter. "Ich sage sofort Ja zu einer richtigen Ganztagesschule mit Profis, aber nicht zu einem Modell, in dem Ehrenamtliche Schule machen sollen."

Donaueschingen und Hüfingen hätten ganz andere Grundvoraussetzungen, räumt er ein. Hier sei soziales Problempotenzial an den Grund- und Hauptschulen vorhanden, das es im ländlichen Bräunlingen so gut wie nicht gebe. Hier sei die Einführung des Ganztagesbetriebs deshalb vordringlicher. Ob es den Nachbarn sinnvoll gelingen könne unter heutigen Förder-Voraussetzungen? "Ich wünsche viel Erfolg", kommentierte Witte-Löffler eher skeptisch als zuversichtlich.

Bürgermeister möchte schon

In Bräunlingen selbst ist die Meinung durchaus geteilt. Witte-Löffler diskutierte am Montag mit den Elternbeiräten seiner Schule und sieht die einhellige Meinung hinter sich, zum jetzigen Zeitpunkt keinen Einstieg zu suchen. Im Laufe des Schuljahres sollen die Beiräte Stimungen in der Elternschaft fundiert ergründen. Bürgermeister Jürgen Guse äußert dagegen Sympathie für den Ganztagesbetrieb und will das Thema in nächster Fraktionssprecherrunde zur Debatte einbringen. "Ich will Vor- und Nachteile geprüft haben, Möglichkeiten und Modelle." Von vorne herein die Möglichkeit auszuschließen, ohne Meinungsfindung zwischen Schule, Stadt und Eltern, das sei für ihn keine akzeptable Haltung. 


Dokumentation aus dem Südkurier  > -2006 <      Lokalausgabe Donaueschingen

Hinweis:
An dieser Stelle veröffentlichen wir Presseberichte die sich mit unserer Schule befassen. Für die jeweiligen Inhalte sind wir nicht verantwortlich, auch geben diese nicht unbedingt unsere Meinung wieder.
Die Veröffentlichung des Artikels geschieht mit freundlicher Genehmigung des Südkurier.

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