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Der Nikolaus trug Schild statt Kostüm

VON STEPHAN RIEGER UND JÜRGEN MÜLLER

Die Warnung vor einem Amokläufer überschattete gestern auch den Baaremer Schulalltag: An allen Schulen zeigte die Polizei demonstrativ Präsenz. Pausen- und Hofkontrollen wurden intensiviert. Am Mittag dann Entwarnung: keine besonderen Vorkommnisse.

Mehr als dreißig Polizeibeamte waren gestern Morgen an den Schulen in Donaueschingen, Hüfingen, Bräunlingen und Blumberg im Einsatz. Bereits am Montagabend hatten Polizei, Schulverwaltung und Landratsamt telefonisch alle Schulleiter von der Drohung informiert. "Vereinzelt wurden Kontrollen von Schülern und Taschen durchgeführt", informierte Polizeichef Thomas Gerth im SÜDKURIER-Gespräch. "Doch es gab keinerlei Verdachtsmomente", sagte er.

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Auch Rudolf Strasser, Direktor des Fürstenberg-Gymnasiums, wusste um "wissende Schüler": "Viele waren schon für das Thema sensibilisiert". Schon um 6.15 Uhr wurden Sicherheitsvorkehrungen getroffen; nur über den Haupteingang war die Schule an diesem Tag zu erreichen. Schulleitung, Polizei und Lehrer kontrollierten dort. Vereinzelt blieben auch Schüler dem Unterricht fern. Das wurde entschuldigt: "Wenn Schüler sich verunsichert fühlten, konnten sie sich im Sekretariat abmelden", informierte Strasser. Nach der fünften Stunde nutzten dann viele diese Offerte, der Nachmittagsunterricht wurde am Gymnasium abgesagt.

Kurioses Szenario am Rande: Sonst besuchen Schüler als Nikolaus und Knecht Ruprecht verkleidet am 6. Dezember immer alle Klassen und verteilen Lebkuchen. Gestern durften sie sich aber nicht verkleiden. Darum hatten sie dann Schilder um den Hals mit der Aufschrift: "Ich bin der Nikolaus".

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Hinweise führten zur polizeilichen Überprüfung zweier junger Männer aus dem Raum Donaueschinger. Ein 26-jähriger Schulabbrecher hatte unbestimmte Drohungen ausgesprochen und sich verdächtig gemacht. Ein anderer Schüler, der Ende November von der Schule verwiesen und in die Psychatrie aufgenommen worden war, hatte für den 6. Dezember angekündigt, Die Sache mit seiner Schule "regeln" zu wollen. In beiden Fällen gab es nach der Überprüfung Entwarnung.


"Das war angemessen"

Zur Polizeiarbeit am gestrigen Amok-Alarm-Tag im Schwarzwald-Baar-Kreis sprachen wir gestern Abend mit Roland Wössner, Leiter der Polizeidirektion.

Herr Wössner, der Amok-Alarm am Mittwoch war der größte Polizei-Einsatz seit...?

...ganz offen gesagt: seit wenigen Wochen. Vor kurzem war in Schwenningen eine vergleichbare Lage, als im Bereich des dortigen Bahnhofs Auseinandersetzungen mit rivalisierenden Rockergruppen angekündigt waren.

Sie haben versucht, gestern angemessen auf die unsichere Lage zu reagieren. Präzisieren Sie bitte: Weshalb war der Polizei-Einsatz angemessen?

Weil wir in der Kontrolltätigkeit an der Schule sehr aktiv waren. Landrat Heim und ich hatten am Vorabend auch erwogen, Einlasskontrollen an allen Schulen am anderen Morgen abzuhalten. Dies haben wir nicht getan. Wir haben auf die Schulleiter gesetzt und erhöhte Wachsamkeit gefordert.

Was können Schulen, was können einzelne Schulklassen tun, um sich für solche Tage zu wappnen?

In den Klassen kommt es darauf an, dass die Schüler miteinander im Gespräch bleiben. Grüppchenbildung ist schlecht. Feinbilder, die aufgebaut werden sind schlecht. Den Schwächeren muss von den Stärkeren geholfen werden. Schüler, die abfallen, die Sorgen haben, muss vom Kollektiv in der Klasse zu einer natürlichen Stärke verholfen werden. Das muss an der Schule auch über den normalen Betrieb hinaus gehen. Es gibt gute Beispiele wie die Fördervereine. Sie kümmern sich ums Klima an den Schulen, um die Ausstattung. Das hilft durchaus.

Wie müssen Eltern ihre Kinder auf so etwas vorbereiten?

Ich empfehle, Kinder dazu zu animieren, aufmerksam zu sein. Sie müssen auf Mitschüler zugehen. Haben die anderen Sorgen, so muss das dem Lehrer erzählt werden. Der kann helfen und aufpassen.

Das Gespräch führte

Norbert Trippl



Amok: Landrat kritisiert Land


VON EBERHARD STADLER

In bester Zusammenarbeit haben Vertreter von Landkreis, Polizei und Schulverwaltung gestern einem möglichen Amoklauf an einer Schule vorgebeugt. Beruhigende Polizeipräsenz garantierte einen weitgehend normalen Alltag an den Schulen im Landkreis. Landrat Karl Heim kritisierte aber unverholen die "fragwürdige Informationspolitik" des Kultusministeriums, das die Amok-Warnung ins Internet gestellt hatte. Die Polizei wird auch heute die Schulen intensiv beschützen.

Schwarzwald-Baar - Den Verantwortlichen war gestern Abend die Anstrengung ins Gesicht geschrieben, als sie in der Polizeidirektion VS auf einer Pressekonferenz die Bilanz eines denkwürdigen Tages beschrieben. Landrat Karl Heim, Polizeichef Wolfgang Wössner, Kriminaloberrat Wolfgang Ulrich und Schulamtsleiterin Brigitte Becker-Schwier legten dabei Zeugnis ab von einer schwierigen Kommunikation.

Denn das Kultusministerium hatte am Dienstagabend um 17.10 Uhr versucht, die Schulbehörden und die Schulleiter im Lande von der Gefahr eines möglichen Amoklaufes an einer Schule im Lande zu informieren. Fakt war aber, dass die Informationen die meisten Adressaten um diese Uhrzeit gar nicht mehr erreichten. Schulamt und Rektorate waren zumeist verweist. Die Polizeiführung und der Landrat erfuhren erst durch Anfragen von Pressevertretern von der Amok-Warnung. Denn diese stand zu diesem Zeitpunkt bereits im Internet. Landrat Heim kritisierte diese Veröffentliche gestern als äußerst fragwürdig. Nach seiner Ansicht hätte das Kultusministerium die Behörden rechtzeitiger informieren müssen, zumal die Amoklauf-Drohung schon längere Zeit bekannt war. Polizei und Behörden hätten rechtzeitig ihre Maßnahmen ergreifen können, ohne dass die Bevölkerung, die Eltern, Lehrer und Schüler, in großem Stile verunsichert worden wären, so die Kardinalkritik von Heim.

Der Landrat und der Polizeichef persönlich haben am Dienstagabend noch eigenhändig sämtliche Schulleiter der 123 Schulen im Schwarzwald-Baar-Kreis, mit Ausnahme reiner Grundschulen, anhand einer Telefonliste des Schulamtes informiert und Verhaltensempfehlungen gegeben. Der Schwarzwald-Baar-Kreis war damit landesweit der erste, in dem ein Bürgertelefon bei der Polizeidirektion eingerichtet wurde. Bis gestern Abend gingen dort rund 110 Anrufe ein. Die schnelle und umfassende Reaktion der Verantwortlichen von Polzei und Kreisbehörde am Vorabend war zugleich Voraussetzung dafür, dass am gestrigen Mittwoch der Schulablauf trotz der zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen nahezu ungestört abgewickelt werden könnte. Die Schulen haben die Sache sehr gut gemeistert, keine einzige wurde bekannt, in der der Schulbetrieb eingestellt wurde, berichtete Schulamtsleiterin Becker-Schwier.

Von der Gewerbeschule Villingen Schwenningen wurde berichtet, dass sich eine Auszubildende aufgrund der "Amok-Lage" (so der Polizei-Jargon) weigerten, die Berufsschule zu kommen und lieber im Betrieb blieben. Einzelne Schulen ergriffen Sicherheitsmaßnahmen, in dem sie während des Unterrichts die Zugangstüren verschlossen. Vereinzelt schlossen Lehrer während des Unterrichts auch die Klassenzimmer ab. Andere Schulen haben durch Lehrer und Hausmeister Einlasskontrollen zu Schulbeginn durchgeführt.

Die Polizei zeigte auf den Schulhöfen und in den Schulen Dauerpräsenz. Insgesamt waren im Landkreis 88 Beamte mit 30 Fahrzeugen ab morgens um 6 Uhr im Einsatz. Zum einen trugen sie sehr zur allgemeinen Beruhigung von Lehrern und Schülern bei. Zugleich aber löste die Präsenz der Ordnungsmacht natürlich auch die Besorgnis aus, dass die Lage wohl sehr ernst sei. Außerdem überprüfte die Polizei mehrere Hinweisen aus der Bevölkerung. Elf Personen wurden nach Hinweisen aus der Bevölkerung als mögliche Amokverdächtige überprüft (siehe nebenstehenden Bericht). Alle Fälle ergaben laut Polizei aber "keine Gefährdung im Sinne einer Amoklage". Die Polizei wird auch heute um Umfeld der Schulen intensiv Präsenz zeigen. Dann soll beraten werden, wie der Übergang zum normalen Schulalltag wieder gefunden werden kann.

Landrat Karl Heim gewann dem aufregenden Nikolaustag aber auch etwas Gutes ab. Die Sensibilität der Schule sei gewachsen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Dieses soll genutzt werden, um die Gewaltprävention voranzutreiben. Dies war auch ein besonderes Anliegen von Polizeidirektor Wössner. Schon seit über einem Jahr arbeit die Polizei an diesem Thema, führt Alarmübung für Amokfälle durch und sammelt sicherheitsrelevante Daten der Schulen. Dieser Weg soll nun intensiv weiterbeschritten werden. Er appelliert an Schulen und Schüler, "mehr aufeinander zu achten", mit auffälligen Schülern frühzeitig das Gespräch zu suchen und sie an Beratungsstellen zu verweisen. "Dieser Tag war dafür ein Anschub", hofft auch Schulrätin Becker-Schwier.



Rat am Telefon

Auch heute wird die Polizei wieder ihr Bürgertelefon ab 7 Uhr morgens besetzen und besorgten Eltern, Lehrern und Schülern Auskunft geben. Telefon: 07721/601-314 und 07721/601-229.

Schüler und Eltern können sich auch an folgende Beratungsstellen wenden: "Nummer gegen Kummer" (Tel. 0800/1110333).

Schulpsychologen: 0173/3260446 bis Freitag von 8.30 bis 16 Uhr.


Dokumentation aus dem Südkurier  > 7-12-2006 <      Lokalausgabe Donaueschingen

Hinweis:
An dieser Stelle veröffentlichen wir Presseberichte die sich mit unserer Schule befassen. Für die jeweiligen Inhalte sind wir nicht verantwortlich, auch geben diese nicht unbedingt unsere Meinung wieder.
Die Veröffentlichung des Artikels geschieht mit freundlicher Genehmigung des Südkurier.

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