Eine Schülerin als Lehrerin in Vác
Nina David aus Pfohren verbrachte ihre Schulferien einmal ganz anders
Die Pfohrenerin Nina David hat sich ein Stück Ungarn von ihrem mehrwöchigen Sprachurlaub in Vác nach Hause geholt:
Original ungarischen Tokaji.
Foto: Dorothea Schwarz |
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Wenn am Montag alle Schüler in Donaueschingen wieder zur Schule gehen und sich ihre Ferienerlebnisse erzählen, dann kann Nina David aus Pfohren sicherlich Geschichten berichten wie kein Anderer, denn ihre Feriengestaltung unterschied sich gänzlich von dem Standard-Relaxprogramm zwischen Schwimmbad und Eisdiele oder Ferienjobben für den Urlaub am Mittelmeer. Sie hat sich auf ein Abenteuer eingelassen, das zunächst nach Arbeit, Fremde und Ungewissheit anmutet und wofür sich sicherlich nicht jede 16-Jährige in den lang ersehnten Sommerferien entscheidet: Sie war für vier Wochen in der Donaueschinger Partnerstadt Vác in Ungarn und hat dort deutsche Umgangssprache und Landeskunde vermittelt.
Der Wunsch, einmal für mehrere Wochen ins Ausland zu gehen, hegte die Schülerin des Fürstenberg-Gymnasiums schon länger, machte sie doch bei dem Schüleraustausch in England und einem Choraufenthalt in Schottland immer nur positive Erfahrungen. "Meine Mutter hat die Anzeige im SÜDKURIER gelesen, in der der Donaueschinger Herbert Bayer für eine Ungarin eine "Deutschlehrerin" suchte, und hat mich ermutigt zu gehen", erinnert sie sich. Erst war sie etwas skeptisch, was sie erwarten würde. Immerhin ist Ungarn nicht gerade Südspanien und vier Wochen der Sommerferien dort verbringen? Der Gedanke war nicht prickelnd, doch die Neugierde überwog dann doch. Mit dem Bus des Musikvereins Grüningen fuhr sie gleich zu Ferienbeginn in die ungarische Partnerstadt. Die Mitreisegelegenheit bot sich insofern an, weil die Musiker beim dreitägigen Festakt spielten, bei dem auch Hebi Bayer die Ehrenbürgerschaft für sein Engagement erhielt (wir berichteten).
Besonders überrascht zeigte sich Nina David von der großen Gastfreundschaft der Ungarn: "Ich wurde sofort überall herzlich empfangen und mit meiner Gastmutter, der ich ja auch Deutsch beibringen sollte, habe ich mich sofort angefreundet", beschreibt sie die ersten Momente in der fremden Stadt.
Die 32-Jährige Csilla Fazekas, bei der die angehende Zehntklässlerin untergebracht war, ist Deutschstudentin und hat bedingt durch ihre dreijährige Tochter keine Gelegenheit für längere Zeit nach Deutschland zu reisen, weshalb sie sich die deutsche Schülerin ins Haus holte. Täglich ging es dann ans Büffeln - doch in entspannter Atmosphäre. "Es waren mehr Gespräche, die wir geführt haben, ich habe ihr Umgangssprache beigebracht und nicht das kategorische Deutsch, das sie an der Universität lernt. Außerdem hat sie sich auch sehr stark für Landeskunde interessiert und die Schilderungen unserer Fasnacht haben sie ganz besonders begeistert", erläutert Nina David.
Täglich wurden Ausflüge oder Spaziergänge unternommen, war sie mit der älteren Tochter in der Stadt unterwegs oder hat sich eben mit der Gastmutter auf Deutsch unterhalten. Am meisten verblüfft war sie vom guten Essen, dem Baustil der Häuser und den hervorragenden Deutschkenntnissen der Vácer. "Für mich war der Aufenthalt persönlich ganz wichtig, denn ich möchte auch noch mal während meiner Schulzeit für drei Monate ins Ausland und neue Erfahrungen sammeln, das hat mich jetzt noch mal enorm bestärkt in meinem Entschluss", zieht die Schülerin ihr Fazit aus den vier Wochen in Ungarn. Außerdem betont sie, dass sie die Städtepartnerschaft jetzt mit ganz anderen Augen sieht und sicherlich im Gegensatz zu früher gemeinsame Veranstaltungen und Aktionen besucht.
Es war insgesamt der erste Austausch, der auf diese Art zwischen Donaueschingen und Vác zustande kam, was denn auch Anlass für die Vácer Zeitung war, über die Pfohrenerin zu berichten. Ein paar Worte ungarisch hat sie sich bereits angeeignet, auch wenn die Sprache selbst ihre Tücken für sie brachte: "Meine Gastfamilie hat immer geschmunzelt, weil ich das R' nicht rollen kann und bei der Begrüßung muss man schon sehr penibel darauf achten, nicht jemanden zu duzen, das passiert ganz schnell." Doch auch die Begrüßungsfloskeln wird sie bald verinnerlicht haben, denn die Einladung für die nächsten
Sommerferien in Ungarn hat Csilla Fazekas ihr bereits ausgesprochen.
Dorothea Schwarz
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