Ganztages-"FG" noch sehr diffus
Geld für Räume da, aber nicht für die Inhalte
Bis gestern schien der Weg frei zur Einführung einer "pädagogisch ausgefeilten Ganztagesbetreuung" am Fürstenberg-Gymnasium. Doch am Abend offenbarte die Sitzung des Hauptausschusses Ernüchterndes: Die "Hülle" wird bald da sein, weil das Land den Bau der benötigten Räume finanziert, aber das Geld für qualifizierte Betreuungsinhalte ist weit und breit nicht in Sicht. Erheblich desillusioniert reagierten die Stadträte auf diesen unerwarteten Sachstandsbericht.
Donaueschingen
VON KLAUS DANGEL
2007 will das Gymnasium in die Ganztagesbetreuung einsteigen. Dann sollen Schüler, die wegen der um ein Jahr verkürzten Gymnasialzeit (G8) ohnehin schon regelmäßig Nachmittagsunterricht haben, über die Mittagspause hinweg und bis in den späten Nachmittag hinein ohne Lücken ein sinnvolles Beschäftigungsangebot in ihrer Schule vorfinden. Für 1,5 Millionen Euro schafft die Stadt Räume dafür, als Anbau an die Kästner-Turnhalle; das Land bezuschusst zu 90 Prozent.
Die Zielsetzungen des pädagogischen Konzepts stehen fest. Gesundheitsvorsorge, Förderung musischer Interessen, Entspannung und Spiel sowie soziales Lernen sind die Stichwörter. Welche konkreten Angebote und wie viel Betreuungsqualität dahinter zum Vorschein kommen werden, das freilich ist heute noch völlig ungewiss. Der Grund dafür wurde in der Sitzung rasch deutlich: Die Schule hat keine Lehrerkapazitäten für die Ganztagsbetreuung, sie kommt schon im regulären Schulbetrieb kaum über die Runden. Externe Kräfte müssen engagiert werden. Das Land schiebt die Kostenverantwortung dafür der Stadt zu, aber die Stadt hat kein Geld. Und OB Thorsten Frei lehnte es entschieden ab, kommunale Finanzierungszusagen auszusprechen. "Wir werden uns auf die Hinterfüße stellen, damit nicht alles an uns hängen bleibt", sagte er.
So wurde Schulleiter Rudolf Strasser gestern Abend zum Prügelknaben eines politischen Finanzgerangels, als er den Stadträten die Programmdetails eines blühenden Ganztagesbetriebs schildern sollte, aber mangels jeglicher Finanzklarheit nur dürre Brocken liefern konnte. Musikunterricht sei geplant (mit Hilfe der Musikschule), Sportangebote (mit Hilfe des Turnvereins) und Hausaufgabenbetreuung (mit Hilfe ehrenamtlich tätiger Mentoren aus Elternkreisen?) In der Summe musste Strasser konstatieren: "Wir hängen in der Luft". Dies, zumal auch nicht absehbar sei, wie viele der insgesamt 1100 Schüler (davon 450 in den besonders betreuungs-relevanten Klassenstufen fünf bis sieben) tatsächlich am freiwilligen Angebot teilnehmen würden. Bei 30 zum Start wäre die Aufgabe "noch relativ leicht zu packen. Sobald die Zahl steigt, weil das Angebot attraktiv ist, wird es schwierig", warnte er.
"Basteln mit Provisorien"
Grüne-Stadtrat Michael Blaurock sprach enttäuscht von einem "Zusammenbasteln von Provisorien", als er diese Konzeptpräsentation gehört hatte und die Vorstellungen zur personellen Ausstattung. Wo denn wohl der Mindestlevel an Qualifikation liegen werde, fragte er bange. Und dann war für ihn klar: "Es wird auf eine Kostenbeteiligung der Eltern hinauslaufen müssen!"
Enttäuscht vom Vortrag zeigten sich auch Sprecher anderer Fraktionen. Hansjürgen Bühler (FDP) nannte das Konzept "noch sehr diffus" und mit Fragezeichen gespickt. Konrad Hall (CDU) war "relativ enttäuscht". Peter Rögele (SPD) kritisierte die Bildungspolitik des Landes, die viele Baustellen aufmache, aber keine (finanziell) zu Ende bringe und Verunsicherung in den Schulen schaffe.
Bürgermeister Bernhard Kaiser rief zu einer optimistischeren Sicht auf. "Wir haben hier eine große Chance und erleben höchst interessante Entwicklungen." Hauptamtsleiter Ernst Zimmermann versprach: "Wir werden eine ordentliche Lösung suchen, die nicht allzu sehr ins Geld läuft. Die Inhalte werden am Schluss da sein, nicht nur die räumliche Hülle dafür." Er hoffte auf "Einsicht beim Land, dass es ohne zusätzliche Lehrerstunden nicht geht.
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Dokumentation aus dem Südkurier
> 05.10.2005 < Lokalausgabe
Donaueschingen
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