SCHWARZWÄLDER
BOTE
Alkohol bei Mädchen auf dem Vormarsch
Donaueschingen. Die Probleme mit Alkoholmissbrauch und Drogenexzessen nehmen zu. Polizeihauptkommissar Michael Keller, Notarzt Dr. Johannes Bettecken, die Suchtpräventionskraft Anja Teubert und Bürgermeister Bernhard Kaiser standen bei einer Informationsveranstaltung im Fürstenberg-Gymnasium Eltern Rede und Antwort.
"Eltern müssen selbst Vorbild sein", erklärte Kaiser. Aus seiner Sicht sind auch Zivilcourage und verstärkte Alterskontrollen vonnöten. Erschreckende Fakten präsentierte Anja Teubert von der Grauzone. Vor allem bei Mädchen steige der Anteil derjenigen, die regelmäßig Alkohol trinken. "Wissen Sie wo Ihre Kinder und mit wem Ihre Kinder unterwegs sind?", fragte der Diensttruppenführer des Streifendienstes, Michael Keller Keller, in die Runde. Die Polizei könne nicht zu jeder Zeit überall sein. Auch frage er sich, woher die Jugendlichen das Geld für Alkohol haben.
Dr. Johannes Bettecken vom Schwarzwald-Baar-Klinikum in Villingen-Schwenningen führte aus, dass ein Alkoholpegel von zwei Promille eine Verminderung der Sehleistung mit sich bringen kann. Gleichgewichts- und Konzentrationsstörungen sowie Muskelerschlaffung und Erbrechen können die Folgen von zwei bis drei Promille sein. Alkoholmissbrauch sei heute sogar ein weltweites Problem. Zum Abschluss warnt der Mediziner vor neu aufgetretenen Partydrogen wie "Ketanes" und
"GHB" (Gamma-Hydroxy-Buttersäure) und schockte die Eltern mit reellen Unfallbildern.
In der Diskussionsrunde wollte eine Frau wissen, wie sie reagieren soll, wenn sie einem Angetrunkenen bei einem Fest den Ausschank verwehrt und dieser daraufhin aggressiv reagiere? "Uns anrufen, denn dafür sind wir da", antwortete Polizeihauptkommissar Keller.
SÜDKURIER
Alkopops haben Erben
Instantgetränke nehmen zu
Donaueschingen (fr) Immer früher, immer mehr und die jungen Damen holen auf: Was den Alkoholkonsum von Jugendlichen anbelangt, ist auch Donaueschingen keine "Insel der Seligen". Das wurde in einer Diskussionsrunde in der Aula des Fürstenberg-Gymnasiums deutlich. Als neue Gefahr und Nachfolger der Alkopops wurden Instantgetränke ausgemacht.
"Wachsender Alkoholkonsum bei Jugendlichen ist kein lokales Problem, sondern kann weltweit beobachtet werden", berichtet der Notfallmediziner Johannes Bettecken den Eltern. Allzu oft konsumierten die Jugendlichen zus?tzlich gefährliche Drogen wie Ecstasy. Die Folgen einer solchen Drogenmischung seien nicht berechenbar und in höchstem Maß gefährlich . Vor allem die 13- bis 16-J?hrigen zählten zu den Hauptproblemgruppen.
Rund 90 Prozent aller Jugendlichen hatten bis zum 15. Lebensjahr schon einmal Kontakt mit Alkohol. Immer häufiger, so Bettecken, griffen auch die noch jüngeren zur Flasche. Die Zahl der Alkoholvergiftungen steigt seit Jahren in fast allen Altersstufen an. Ähnliche Statistiken werden beim Rauchen und Cannabiskonsum verzeichnet. Nicht nur die Jungs, sondern auch die Mädchen greifen immer öfter zur Einstiegsdroge Alkohol.
Die Zahlen alarmieren, aber trotzdem nahmen erstaunlich wenig Eltern den Termin wahr. Auch in Donaueschingen gibt es Orte, an denen sich die Jugendlichen zum Trinken treffen. "Brennpunkte" wie es Michael Keller von der Polizei Donaueschingen nannte. Er berichtete von seinen täglichen Erlebnissen mit alkoholisierten Jugendlichen, die sich an den bekannten Plätzen versammeln. Die Polizei k?nne die Jugendlichen nicht immer kontrollieren. Oft beziehen sie ihren Alkohol über ältere Freunde. Dann seien die Beamten machtlos, sagte der Dienstgruppenführer. Ein großes Problem stellen auch so genannte Instantgetränke dar. Diese eroberten nach der Besteuerung von Alkopops den Markt und seien weiterhin frei verkäuflich. Um dagegen angehen zu können, bat Anja Teubert von der Agentur für Prävention, die Eltern aufzupassen, woher die Schüler die in Brausepäckchen getarnten Drinks beziehen. Offensives Zugehen auf den Handel, die Produzenten und intensive Gespräche mit Vereinen und Schulen und anderen Institutionen sind Bestandteil der Kampagne, die von Polizei und der Agentur für Prävention ins Leben gerufen wurde. "Schon 16? Jugendschutz ich mache mit" nennt sich die Initiative. In der anschließenden Diskussion wurde kritisiert, alkoholische Getränke seien einfach zu erwerben und zu jeder Zeit und an jedem Ort verfügbar. Ein Vater beanstandete ein gesellschaftliches Problem: Oft ständen schon die Jüngsten beim Vereinsfest hinter der Zapfanlage. Alkohol werde oft verharmlost und akzeptiert. Ganz ohne Vorwurf kamen auch die Eltern nicht weg. Mangelndes Interesse an den Kindern und eine zu freizügige Erziehung wurden angesprochen. Die Anwesenden berichteten von 14-Jährigen, die bis spät in die Nacht ausgingen und die Erlaubnis hätten, Alkohol zu trinken. Viele Zuhörer äußerten den Wunsch, einen derartigen Vortrag auch mit den Schülern selbst durchzuführen.
|