Gemeinsam gegen die Alcopops
Stadt, Schulen, Vereine packen Problem des jugendlichen Alkoholmissbrauchs an
Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen gab es schon immer. Doch seit die Alcopops als schicke süße Einstiegsdroge aufkamen, hat das Thema neue Dimensionen erhalten. Schon unter Kindern sind sie zum "coolen Lebensmittel" geworden; die frühe Gewöhnung an den Alkoholkonsum befreit sich vom Makel sozialer Ächtung. Jetzt geht ein "Donaueschinger Bündnis" gegen den Trend an. Mit Finanzhilfe der Stadt werden Vereine, Lehrer, Verkaufspersonal trainiert, richtig mit dem Thema umzugehen.
VON JüRGEN MüLLER

Bild: Jürgen Müller
Geht's auch ohne Alkohol? An der Kreuzung Eichendorff-/Bräunlinger Straße, wo die Schülerströme von Gewerbeschule, Kaufmännischen und Hauswirtschaftlichen sowie Eichendorffschule zusammen fließen, ist der jugendliche Alkoholgebrauch als Baaremer Tatsache täglich sichtbar. Selbst Kinder beschaffen sich vor allem Alcopops.
Bereits vor einem Jahr wurden Problem und Handlungsbedarf erkannt. Die Stadtverwaltung nahm die Abgabe von Alcopops in Geschäften ins Visier, suchte gemeinsam mit Ladeninhabern nach Wegen, junge Donaueschinger von den alkoholhaltigen Verführern fern zu halten. Erfahrungen wurden seither gesammelt und erste Erfolge registriert; einzelne Verkaufsstellen schauen genauer aufs Alter, wenn junge Leute Alcopops und andere Alkoholika kaufen wollen.
Jetzt wird dieser Aktionsansatz auf eine viel breitere Basis gestellt. Die Stadt hat in den letzten Tagen die Vereine und die Schulen zu Gesprächsrunden eingeladen. Erfahrungen wurden hier ausgetauscht, Meinungen ermittelt. "Wir wollen alle Betroffenen in ein Boot holen", meint Ordnungsamtschef Hubert Zimmermann. "Die Stadt stellt auch Finanzmittel für Schulungen zur Verfügung."
Anja Teubert koordiniert
Eine professionelle Kraft koordiniert jetzt diese Aktivitäten: Anja Teubert, bekannt geworden mit ihrem Selbsthilfeverein "Grauzone". Ihre Agentur Präventiv, Fachstelle Sucht des Badischen Landesverbands für Prävention und Rehabilitation, wird bereits am Montag, 18. Juli, eine erste Schulung für Vereine durchführen.
"Gerade nach großen Festen werden immer mehr Kinder und Jugendliche mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert", weist Anja Teubert auf den Handlungsbedarf hin. Beobachtungen, die auch der Chefarzt der Inneren Abteilung in Donaueschingens Klinikum, Professor Eike Walter, bestätigte.
Helfer bei Vereinsfesten sollen nun intensiv auf den Jugendschutz hingewiesen und im Umgang mit den Jugendlichen geschult werden. "Natürlich gehört dazu auch die Ausweiskontrolle", so Teubert. Im zweiten Schritt sind dann die Kassiererinnen und Verkäuferinnen gefordert. "In einer groß angelegten Aktion wollen wir die Eltern und natürlich die Jugendlichen selbst mit dem Alkoholproblem konfrontieren", betont die Präventiv-Beauftragte Teubert.
Im direkten Draht zum Elternhaus sieht Ordnungsamtsleiter Hubert Zimmermann die wichtige Rolle der Donaueschinger Schulen. "Es kommt vor, dass Schülerinnen und Schüler angesäuselt den Unterricht stören und das schon am frühen Morgen", gibt er Berichte wieder.
Angesäuselt zur Schule
Dies bestätigte der Rektor der Eichendorffschule Reinhard Zatschler: "In der Hauptschule mussten wir schon etliche Mädchen und Jungen nach Hause schicken. Das Schlimme ist, die Betroffenen werden immer jünger." Der Schulleiter befürchtet, dass in einigen Fällen mit Aufklärung nichts mehr zu erreichen ist. Bedenklich sei, dass die abgebenden Geschäfte nicht mitzögen: "Für mich wäre ein Ansatz, dass während der Schulzeiten generell kein Alkohol verkauft wird, zumal die älteren Schüler der benachbarten Gewerblichen Schulen und Kaufmännischen und Hauswirtschaftlichen Schulen für die Jüngeren den Alkohol besorgen."
KHS-Rektor Frank Kühn unterstützt die Initiative. "Wir hatten in diesem Jahr zwar noch keinen Vorfall von Alkoholmissbrauchs während des Unterrichts. Trotzdem müssen wir uns dieser Problematik stellen." Auch er appelliert an die gesellschaftliche Verantwortung der Geschäfte gegenüber den Jugendlichen. "Es wird mehr hochprozentiger Alkohol getrunken."
Für Rektor Gerhard Gaiser von den Gewerblichen Schulen ist das Problem schwer zu handhaben. "Alkohol ist eine legale Droge, und die Grenzen sind fließend." Alkoholisierte Schüler werden des Unterrichts verwiesen, Ausbildungsbetrieb und Eltern werden informiert. "Wir akzeptieren keinen Alkohol", betont der Schulleiter. Im Unterricht werden die Jugendlichen auf die Auswirkungen, vor allem beim Autofahren hingewiesen. "Natürlich würde den Schülern der Wind aus den Segeln genommen, wenn die Geschäfte zu bestimmten Zeiten keinen Alkohol verkaufen würden", so Gaiser. Mit einer konsequenten Umsetzung des Jugendschutzgesetzes und entsprechenden Geldstrafen könnte ein Signal gesetzt werden.
Beratungslehrerin Ingeborg Blech, die für das Fürstenberg-Gymnasium an dieser Besprechung teilnahm, ist Alkohol während des Unterrichts nicht das Problem. "Mir sind bis jetzt keine Fälle bekannt. Allerdings wurde bei Schulveranstaltungen zum Teil maßlos getrunken." Ein entsprechendes Alkoholverbot wurde daraufhin auch von der Schülermitverwaltung (SMV) mitgetragen. Für sie stellt sich die Frage: "Wie bringe ich Jugendliche dazu, gemäßigt mit Alkohol umzugehen?"
Zwei Märkte geben Vorbild
"Wir werden das Problem nie ganz lösen", so Hubert Zimmermann. "Gerade deshalb müssen alle Betroffenen an einem Strang ziehen. Wir dürfen es den Kindern und Jugendlichen nicht ganz so einfach machen, an Alkohol zu kommen. Eine Ausweiskontrolle sollte eigentlich selbstverständlich sein." Einen ersten positiven Ansatz sieht der Koordinator darin, dass der Verbrauchermarkt "Minimal" an der Dürrheimerstraße während der Schulzeiten keinen Alkohol mehr
- LESERMEINUNG
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ALKOHOLMISSBRAUCH
Kein Schulleiter sprach mit mir
Stadt, Schulen und Vereine gehen gegen den jugendlichen
Alkoholmissbrauch vor . Der Lebensmittelhändler Hans-Peter Rahn möchte den Eindruck
vermeiden, er stünde bei dieser Initiative außen vor.
"Wir verkaufen seit zirka drei Jahren keinerlei Alcopops mehr. Also schon
lange vor der ersten Zusammenkunft mit der Stadtverwaltung im Mai 2004.
Bei uns gibt es keinen Alkohol ohne Ausweiskontrolle. Alle Verkäuferinnen sind entsprechend
angewiesen. Auch diese Vorsichtsmaßnahme wird schon seit längerer Zeit
angewandt. An Schüler werden prinzipiell keine Spirituosen, sprich hoch-
prozentige Alkoholika wie Wodka, Gin, Baccardi und Ähnliches,
verkauft.
Der Vorwurf, die abgebenden Geschäfte, dies beziehe ich auf meinen Frischmarkt, würden
nicht mitziehen, ist deshalb falsch.
Außerdem wurde ich in dieser Beziehung noch von keinem Schulleiter,
die im Artikel zu Wort kamen, jemals auf die Problematik angesprochen.
Ich denke nicht, dass die bereits am frühen Morgen konsumierten
Alkoholika aus meinem Geschäft stammen.
Ansonsten bin ich jederzeit zu einem konstruktiven Gespräch mit den
Rektoren der genannten Schulen und der Stadtverwaltung bereit. Ich bin
mir der sozialen Verantwortung gegenüber den jugendlichen sehr
wohl bewusst, da ich selbst eine
Tochter mit 18 Jahren habe. "
Hans-Peter Rahn
Savernerstraße 2,
Donaueschingen
SK 8-7-05
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