Badische Zeitung Online


Kinder brauchen Sport 

Sport in der Schule wird von vielen geschätzt - 
und doch sträflich vernachlässigt.

VON ANDREAS STREPENICK

Kinder wollen Sport, und sie brauchen 
ihn dringend. Die allermeisten Kinder 
bewegen sich gern, und sie spüren auch, dass Bewegung ihnen gut tut. Es ist die Aufgabe der Erwachsenen, ihnen dabei zu helfen, sie also jeden Tag neu in Bewegung zu bringen. Die Eltern müssen sich dabei am meisten anstrengen. Die Sportvereine können sie dabei unterstützen. Eine Schlüsselrolle kommt aber den Kindergärten und dann vor allem 
den Schulen zu. Nur die Fachleute dort 
können wirklich alle jungen Menschen 
erreichen und motivieren, ihr Leben 
lang Sport zu treiben. Diese Fachleute 
sind das Scharnier einer Gesellschaft, 
die aufs Ganze gesehen immer träger und unbeweglicher wird.

Viele haben das erkannt. Sportärzte und Sportforscher warnen seit Jahrzehnten davor, dass immer mehr Kinder und jugendliche bedenklich zu dick sind, dass jeder Sechste sogar
schon eine Therapie bräuchte in 
Deutschland. Wissenschaftler warnen 
vor den Gesundheitsschäden, die automatisch entstehen, wenn schon der junge Mensch seinen Bewegungsapparat vernachlässigt, lieber vor dem Fernseher sitzt und vor dem Computer und sich dazu noch falsch ernährt. Stubenhocker und Träge sind die Kranken von morgen. Das alles wissen wir, aber wir tun zu wenig um gegenzusteuern, und das hat Gründe. Erstens nehmen wir das 
Problem nicht ernst genug. Es gibt im 
Sport und in der Berichterstattung darüber eine Verschiebung vom Wichtigen zum Unwichtigen hin. Fernsehen und Zeitungen erzählen jeden Tag das Neueste über Michael Schumacher und Oliver Kahn. Aber wann wäre jemals mit vergleichbarer medialer Wucht darüber berichtet worden, warum der selbst getriebene Sport für den kleinen Tim, für die junge Heike so unglaublich wertvoll ist?

Zweitens gibt es, und das ist traurig, 
ein soziales Problem im Sport. Gerade 
Kinder aus sozial schwachen Schichten 
kämpfen häufig mit Übergewicht, gera-
de sie werden von ihren Eltern viel zu 
selten aufgefordert und angeleitet, sich zu bewegen und etwa einem Verein beizutreten. 

Dieses Problem, und hier wird es zum Skandal, überträgt sich auf die Schulen: Ausgerechnet an den Grund-
und Hauptschulen ist der Sportunter-
richt besonders schlecht, fällt er viel zu oft aus, wird er häufig von Lehrern unterrichtet, die dazu gar nicht ausgebildet sind. An den Realschulen und Gymnasien ist es um den Sportunterricht besser bestellt, aber nicht viel besser. Bundesweit fällt jede vierte Stunde aus, ergab eine Studie, die der Deutsche Sport-Bund erstellen ließ. 
Viele Lehrer sind zu alt, der Unterricht 
ist nicht mehr zeitgemäß, 
Bildungspolitiker haben den Schulsport schändlich vernachlässigt - das sind die Erkenntnisse der so genannten Sprint
-Studie. Überraschend 
kommen sie nicht, und es überrascht 
auch nicht, dass die Bildungspolitiker reflexartig darauf reagieren und sich verteidigen. In Baden-Württemberg sehe es doch ganz gut aus, erklärte 
Helmut Rau, der Stuttgarter Staatssekretär für Bildung. Die 
Einführung der bewegten 
Grundschule mit täglichen Sport-Einheiten sei sogar bundesweit vorbildlich. Das stimmt. Es stimmt aber auch, dass in Baden-Württemberg viel zu viele Stunden ausfallen, also nur auf dem Papier stattfinden. Auch hier sind viele Lehrer weit über 50. Drittens ist also zu bemerken, dass die Politik den Schulsport bis heute eher als lästiges Übel ansieht denn als wertvollen Schatz. Es kommt ja noch etwas Wichtiges hinzu: 
Kinder, die sich viel bewegen, lernen 
auch in anderen Fächern besser. Sie 
sind entspannter und konzentrierter. 
Ist das so wenig wert?

Zwei von drei Kindern haben im 
Rahmen der Studie erklärt, Sport an 
der Schule sei ihnen wichtig. Ist das 
nicht ein wunderbarer Auftrag an die 
Schulen? 80 Prozent der befragten 
Eltern hoben die Bedeutung des Sportunterrichts für die Gesundheit und die Konzentration hervor. Ist das nicht geradezu ein Volksentscheid, den Unterricht zu verbessern? Sport in der Schule wird geschätzt und doch vernachlässigt. Für die Folgen stehen wir alle gerade, am meisten aber die Jüngsten, und die können wirklich nichts dafür, dass wir es heute nicht schaffen, sie zu mehr Bewegung zu erziehen.


Dokumentation aus der Badischen Zeitung > 17-12-2004<  Lokalausgabe Donaueschingen

Hinweis:
An dieser Stelle veröffentlichen wir Presseberichte die sich mit unserer Schule befassen. Für die jeweiligen Inhalte sind wir nicht verantwortlich, auch geben diese nicht unbedingt unsere Meinung wieder.


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