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Feucht-fulminante Premiere 

Carmina Burana: Erstes "Open Air" im Schulhof musste vor Regen flüchten 


Zum ersten Mal war das Schulhof-Karree des Fürstenberg-Gymnasiums am Samstagabend "Konzertbühne". Und prompt erlebten Akteure und Zuschauer turbulente Improvisationsnot: Regen vertrieb die Aufführung der Carmina Burana ins Schulhaus. Genuss und Begeisterung litten aber keineswegs. 

VON GEORG WILD 



"Carmina Burana" vor dem Umzug: Nur zu Beginn der Aufführung bot sich der imposante Blick auf die Mitwirkenden im Schulhof-Karree.         

 

Alles hatte so vielversprechend begonnen. Unter der gemeinsamen Leitung von Susanne und Hubert Stinner und begleitet von einem Orchester sang sich die Allmendshofer Chorjugend - verstärkt durch drei FG-Klassen - mit der schwungvoll vorgetragenen "Cowboy-Kantate" von Rudi Kühn in die Herzen der Zuhörer und sorgte vor bereits vollen Besucherrängen für die erste Hochstimmung. Und hatte nicht Oberstudiendirektor Rudolf Strasser als Hausherr die Garantie für regenfreies Sommerwetter übernommen - allerdings nur für den Augenblick seiner Begrüßung? 

Nach einer längeren Umbaupause richtete sich manch banger Blick zu den aufziehenden Regenwolken, als kurz vor 21.30 Uhr die rund 250 Sängerinnen und Sänger im Scheine von Fackeln auf der überdimensionalen Bühne Aufstellung nahmen, und Chorleiter Hubert Stinner den Taktstock zum machtvollen "O Fortuna" aus Carl Orffs Meisterwerk "Carmina Burana" hob. Ausgerechnet zu Beginn des Chores "Ecce gratum", in dem die Herrschaft des Sommers und die Wärme der Sonne beschrieben wird, fielen einige Regentropfen vom Himmel und erzwangen mit Rücksicht auf die teuren Musikinstrumente den Umzug in die Aula des Gymnasiums. 

Und dort tat sich Erstaunliches. Wie selbstverständlich verteilten sich die rund 500 Zuhörer, wo immer sich Platz bot, Podeste und Instrumente wurden herbeigeschafft, der Chor nahm Aufstellung, und nach knapp zehn Minuten ging es nahtlos weiter. Freilich geriet das Konzert auf zwei Ebenen - wie es MGV-Chef Martin Schorpp ausdrückte - nun zum Happening, schmolzen Publikum und Aufführende durch die räumliche Nähe zusammen. 

Herr der Situation

Unter der souveränen Stabführung von Hubert Stinner meisterte der Gesamtchor, in dem Sängerinnen und Sänger des MGV Allmendshofen, des Frauenchores Allmendshofen, des Vokalensembles Schwarzwald-Baar, des Gymnasium-Schulchores und der Allmendshofer Chorjugend sowie einige Gastsänger zu einer beeindruckenden Einheit fanden, die neue Situation bravourös. 

Überzeugende Leistungen boten auch die beiden Solisten. Die 22-jährige Lisa Stöhr aus Bonndorf, die in Trossingen im vierten Semester Schulmusik studiert und Anfang des Jahres am FG ein Praktikum absolvierte, artikulierte klar und wirkte auch in hohen Lagen sehr sicher. Der genau doppelt so alte Ellwanger Opernsänger Herbert Nennemann erwies sich seiner Doppelrolle als Tenor und Bariton durchaus gewachsen und glänzte einmal mehr mimisch wie gesanglich in seiner Paraderolle als gebratener Schwan. Eine zweigeteilte "Carmina Burana" hat allerdings auch er in seiner langen Laufbahn noch nicht erlebt. Chor und Solisten wurden prägnant und gleichzeitig einfühlsam von Doris Huber und Harald Steicher am Klavier sowie einem sechsköpfigen Schlagzeugensemble aus Trossingen mit Steffen Uhrhan an den Pauken begleitet. 

Für alle Mitwirkenden gab es am Schluss einen nicht enden wollenden Beifallssturm, insbesondere für den musikalischen Leiter Hubert Stinner, der mit seiner Begeisterungsfähigkeit und seinem Können einen weiteren Meilenstein in Sachen Kooperation Schule-Verein gesetzt hat. Wie Stinner anschließend lobend erwähnte, wäre das Großprojekt "Carmina Burana" ohne die Übernahme der gesamten Organisation und Logistik durch die Sänger des MGV Allmendshofen nicht realisierbar gewesen. Draußen im Pausenhof war es übrigens während des gesamten Abends trocken geblieben, und so konnten nach Konzertende vom Dach des Gymnasiums schließlich auch die angekündigten Raketen gezündet werden. Das musikalische Feuerwerk hatte indes schon vorher im Saale stattgefunden. 

Dokumentation aus dem Südkurier  > 19-07-2004 <      Lokalausgabe Donaueschingen

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