zurück Schwarzwälder Bote - Online


Der Donaueschinger Lehrer Bertold Böhm ist zweiter Mann einer Schule in Chile 
Vizedirektor in Schlaglochland


VON 
KLAUS KOCH

Das Fürstenberg-Gymnasium, an dem er lange Jahre Deutsch und Sport unterrichtete, vermisst Ex-Stadtrat Bertold Böhm trotzgelegentlicher Abstecher zum „Heimaturlaub" auf die Baar moment ankaum.

 

 
BILD KOCH

Bertold Böhm hat eine für hiesige 
Breiten ungewöhnliche Bräune, die anzeigt, dass er dort lebt, 
wo andere gerne wären: Vina del Mar 
heißt der Bade-Vorort von Chiles 
zweitgrößter Hafenstadt Valparaiso, 
wo der 55-Jährige Oberstudienrat des 
Füstenberg-Gyrnnasiums vor drei 
Jahren Vize-Chef der Deutschen 
Schule wurde und die Donaustadt, in 
der er im Gemeinderat saß, gegenwär-
tig gar nicht vermisst.

Der „Exil-Baaremei' macht einen 
zufriedenen Eindruck, wenn er von 
seiner vorübergehenden Wahlheimat 
erzählt. Er könnte von seinem Domizil 
in Hanglage schwärmen, dem Botani-
schen Garten und dem Rauschen der 
Wellen, wenn er -wie jeden Morgen - 
am Strand seine Laufrunden dreht. Als 
Sozialdemokrat, der mit einem gewis-
sen Neidfaktor rechnet, lässt er das 
dann doch lieber bleiben. Warum er 
ausgerechnet nach Südamerika ging, 
ist umso schneller erklärt. Denn bevor 
er als Deutsch- und Sportlehrer 1991 
nach Neustadt und 1994 wieder nach 
Donaueschingen kam, hatte er sieben 
Jahre mit seiner Familie in Kolumbien 
verbracht. Sohn Florian (25) und 
Tochter Anne-Kathrin (22) sprechen, 
weil sie als Kinder dort aufwuchsen, 
besser Spanisch als er.

Der Sohn absolvierte vor Kurzem 
ein viermonatiges Praktikum bei Beyersdorf in Santiago de Chile, Anne-Katrin arbeitet im Kulturmanagement im etwas näher gelegenen Freiburg. Bis 2007 läuft sein Vertrag mit dem Auswärtigen Amt und der Bundesbesoldungsstelle, die rund 1200 Lehrer an Deutschen Schulen im Ausland bezahlt, um Sprache, Wissen und Kultur aus dem Land von Heinrich Heine, Johann Wolfgang von Goethe und Heinrich Kleist um den Erdball zu verbreiten.

Böhm ist verantwortlich für die 
siebte bis zwölfte Klasse, ständiger 
Vertreter des Schulleiters, auf Spanisch :' Director Enseüanza Media y Rector Subroganle" in Valparaiso, Seite an Seite mit Direktor Gottfried
Leinss, einem gebürtigen Stuttgarter. 
1200 Heranwachsende zählt die 1857 
von deutschen Siedlern gegründete 
und gegen eine - mit umgerechnet 220 
Euro nicht gerade preiswerte- Gebühr 
allen offen stehende Privatschule mit 
ihren 110 Lehrern, großzügigen Sport-
anlagen, einem Hallenbad, Lehrwerk-
stätten, einem Vorschulkindergarten 
und eigenem Landschulheim.

Viele ehemalige Schüler nehmen 
heute in Chile verantwortungsvolle 
Aufgaben in hochrangiger Position 
wahr, bei den Universitätsaufnahme-
prüfungen liegen die Absolventen unter den besten fünf der Region. Zusätzlich zum chilenischen Abschluss bestehen fast alle das deutsche Sprachdiplom, das ein Studium an einer Universität in Deutschland erlaubt. 
Natürlich spiegelt sich in der Historie der Schule auch Weltgeschichte wider.
Die deutsche Siedlergemeinde in 
Valparaiso war von Beginn an von 
Kaufleuten Lind Reedern, einer 
eher wohlhabenden Schicht geprägt. Im Vorfeld der Weltkriege 
flammte nationalistisches Gedankengut auf, wurden Kanonenboote auf „Vaterland" getauft, Offiziere und Mannschaften deutscher Kriegsschiffe, die „Dresden", „Scharnhorst" und „Gneisenau" mit Beifall empfangen, trieben in den 30-er Jahren NS-Frauenschaft, Arbeitsfront und NSDAP im Braunhemd ihr Unwesen. 
Als die Vereinigten Staaten in den Krieg eintraten, wurden schwarze Listen über die Deutschen geführt, nichtwenige mussten ihr Geschäft aufgeben oder unter ähnlichen 
Bedingungen überleben. Es waren 
Sportwettbewerbe, die den Deutschen 
in den Jahren nach dem Kriegsende 
wieder zu Ansehen verhalfen.

Ein anderes, unrühmliches Kapitel 
in der Geschichte wurde mit dem 
Sturz und der Ermordung des sozialis-
tischen Regierungs-Chefs Salvador Allende aufgeschlagen, der 1973 von Pinochets Militärjunta abgelöst wurde.

Damals kamen, ermutigt durch die 
Studentenbewegung in Deutschland, 
auch Lehrer nach Chile, die „bereits 
äußerlich durch Kleidung und Haar-
tracht auffielen", wie eine Chronik 
vermerkt. Nach dem Putsch fiel der 
Unterricht drei Monate lang komplett 
aus. Zwei Lehrer würden vorüberge-
hend verhaftet, aber bald wieder frei-
gelassen.

Auch von Naturkatastrophen wurde 
Vinia del Mar nicht verschont. Am 3. 
März 1985, unmittelbar vor Beginn des 
Schuljahres, zerstörte ein Erdbeben 
der Stärke 8,0 auf der Richter-Skala die Gebäude der Teilschulen QLrilpue und Valparaiso fast völlig. Nur mit vereinten Kräften und zahlreichen Spenden gelang es, die 
Schäden zu reparieren, und den 
Schulbetrieb wieder aufzunehmen.

Wenn Berthold Böhm neben seiner Arbeit ausreichend Zeit findet, klickt er im Internet die Lokalseiten des SÜDKURIER durch. Vor allem der Kommunalwahlkampf und das Abschneiden der SPD bei den Gemeinderatswahlen verfolgte er mit Interesse.

Wenn wie jetzt da auf der anderen 
Seite der Erde Winterferien sind und 
Böhm zwischendurch für ein paar Wo-
eben auf die Baar kommt, freut er sich 
darüber, „wie schön und glatt in 
Donaueschingen die Straßen und Wege asphaltiert sind", während er in Chile fast immer mit Schlaglöchern kämpft. 
Trotzdem sind die Radarkontrollen 
auch in Vitia del Mar zahlreicher ge-
worden. Gut, dass er ein „Diplomaten-
kennzeichen" hat.

@ Wer mehr zu Berthold Böhms Schul-
leben in Chile erfahren will: 
www.dsvalpo.cl

Dokumentation aus dem Schwarzwälder Boten / Lokalredaktion Donaueschingen  
 Datum:  7.8.2004

Hinweis:
An dieser Stelle veröffentlichen wir Presseberichte die sich mit unserer Schule befassen. Für die jeweiligen Inhalte sind wir nicht verantwortlich, auch geben diese nicht unbedingt unsere Meinung wieder.

zurück zur Presse-Hauptseite auf dieser Seite nach oben

© PROJEKT INTERNET am FG