Randvolle Klassen trüben Sektstimmung
Fürstenberg-Gymnasium: Mehr Schüler, aber eine Klasse weniger
225 Jahre alt wird dieses Jahr das Fürstenberg-Gymnasium: ein Anlass zum Feiern. Doch die Vorfreude auf den Festbetrieb im Herbst scheint mit Blick auf aktuelle Entwicklungen leicht getrübt. Im übernächste Woche beginnenden Schuljahr geht es in der Humboldtstraße enger zu, wird Lernen schwieriger. Im Durchschnitt sind die Klassen stärker belegt, teils als Folge korrigierter Stuttgarter Kultuspolitik.
Donaueschingen
VON JENS WURSTHORN
Donaueschingen - Etwa 1075 Kinder und Jugendliche werden im kommenden Schuljahr am Fürstenberg-Gymnasium unterrichtet. Das sind 25 mehr als zuletzt. Zudem verliert die Schule rein rechnerisch eine Klasse, weil nur noch vier statt fünf elfte Klassen unterrichtet werden. Der Verlust einer neunten Klasse wird dagegen durch ungebrochenes Interesse an Latein und eine zusätzliche fünfte Klasse kompensiert.
Ärgerlich für Lehrer, Eltern und Schüler: Deutlich aufgefüllt wird ausgerechnet der erste Oberstufen-Jahrgang, wo wichtige Weichenstellungen für den Erfolg im zweijährigen, kursgeprägten Schulendspurt erfolgen. Die mehr als 100 Elftklässler werden künftig in vier Klassen unterrichtet, eine Klasse wird auf die vier anderen verteilt. Verantwortlich für diesen Schlüssel sei der Klassenteiler, erläuterte Schulleiter Rudolf Strasser. Der liegt bei 33 und entscheidet über die Anzahl der Klassenverbände an einer Schule. Sind alle bestehenden Klassen zu diesem Maximalpegel gefüllt, muss eine zusätzliche Klasse eingerichtet werden. Umgekehrt werden Klassen gestrichen und die verbleibenden aufgefüllt, wenn sich rechnerisch die Möglichkeit ergibt.
Der Übergang zur Klasse 11 sei stets ein neuralgischer Punkt, bettet Strasser den Klassenverlust in größere Rahmendaten ein. Nach der zehnten Klasse erfolge der größte Wechsel, die beruflichen Schulen agierten dabei als stärkere Konkurrenz als der Eintritt in eine Lehre. Zudem sei der Aderlass nach Klasse10 am Fürstenberg Gymnasium in anderen Jahren schon stärker gewesen.
Stuttgarter Sparkurs
Dass dieses Jahr eine Klasse verloren geht, hänge zudem mit einem "Organisationserlass" des Stuttgarter Kultusministeriums zusammen. Er hat verboten, was per Fußnote bisher stillschweigend funktionierte: elfte Klassen weiterzuführen, wenn die Schülerzahl in keiner Klasse unter 16 sank. Das Fürstenberg Gymnasium ist demnach auch Opfer neuer Stuttgarter Rechenexempel.
Knapp ging es an der Donaueschinger Schule auch bei den künftigen Neuntklässlern her. Sie seien schon in Klasse 8 sehr nah am Teiler gewesen, verdeutlichte Strasser die Situation. Weil ein paar Jugendliche die Klasse wiederholen mussten, sank die Zahl auf 126, entsprechend vier Klassen.
Latein "zieht"
Wesentlich erfreulicher indes fällt die Bilanz beim Eintrittsjahrgang aus. 149 Fünftklässler, die sich auf fünf statt vier Klassen verteilen, wird Strasser begrüßen. Dabei verzeichnet das Fürstenberg Gymnasium bereits im zweiten Jahr hintereinander großes Interesse an Latein als erster Fremdsprache. 40 Kinder (2002: 48) lernen die alte Sprache nach den Vorgaben des so genannten "Biberacher Modells".
Dabei wird der altsprachliche Unterricht mit drei Wochenstunden Englisch unterfüttert. Die Neugier auf die unabkömmliche Weltsprache wird so auch bei den Lateinern gestillt, der lerntechnische Abstand zu den Altersgenossen, die auf Englisch setzen, wird nicht zu groß. "Das beruhigt Eltern und Schüler und erleichtert einen eventuellen Schulwechsel", begrüßt Strasser die Mischform.
Achtjähriger Zug startet
Die Lateinschüler werden mit "Engländern" - Kindern, die mit der Fremdsprache Englisch anfangen - gemischt und auf zwei Klassen verteilt. Weil bis 2007 flächendeckend Englisch in der Grundschule eingeführt sein wird, alle Sextaner also Englisch-Grundkenntnisse haben werden, steht das Verfallsdatum für das "Biberacher Modell" fest.
Für Strasser ist es aber schon jetzt eine "bedrohte Form". Am Fürstenberg Gymnasium beginnt dieses Jahr der achtjährige Gymnasialzug G8. Weil der ab der Klasse6 die zweite Fremdsprache vorsieht, prophezeit Strasser dem bisher gepflegten Nebeneinander große organisatorische Probleme.
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