Lehrerprotest bei Schavan
Offener Brief
Donaueschingen (phz) Lehrer des Donaueschinger Fürstenberg-Gymnasiums haben nach eigener Mitteilung Protest bei Kultursministerin Annette Schavan eingelegt.
In einem offenen Brief fordert das Kollegium die Ministerin auf, die Altersmäßigungsstunde für Lehrer ab dem 55. Lebensjahr wieder einzuführen.
Die Entscheidung zum Protest war in einer Personalversammlung gefallen.
Die Altersmäßigungsstunde war zum 1. Februar dieses Jahres ersatzlos gestrichen worden. Die neue Situation führte an anderen Schulen zu einschneidenden Konsequenzen: So hat sich eine Schule in Konstanz entschlossen, den Elternsprechtag zu streichen.
Dokumentation
Sehr geehrte Frau Dr. Schavan,
die Landesregierung hat in einer Verwaltungsvorschrift - teils per E-Mail! -
zum 1. Februar 2003 die Streichung der einstündigen Altersermäßigung für Lehrkräfte vom 55. bis 59.. Lebensjahr beschlossen. Wir, die Kolleginnen und Kollegen des Fürstenberg-Gymnasiums, haben für diese Maßnahme keinerlei Verständnis und fühlen uns durch die Landesregierung als unserem Dienstherrn alles andere als fair behandelt. Denn die Altersermäßigung wurde aus gutem Grund eingeführt:
wegen der überdurchschnittlichen Arbeitsbelastung ist die Zahl der vorzeitig aus dem Schuldienst ausscheidenden Lehrerinnen und Lehrer größer ist als bei anderen Beschäftigtengruppen im öffentlichen Dienst. Dies betraf am Fürstenberg-Gymnasium alleine im letzten Schuljahr drei Kollegen. Die bisher gewährte Altersermäßigung war eine Maßnahme, dieser Entwicklung entgegen zu wirken und hat unsere älteren Kolleginnen und Kollegen spürbar entlastet.
Niemand weiß besser als Sie, dass während Ihrer Amtszeit als Kultusministerin die Anforderungen an das Gymnasium und damit die Belastungen der Lehrerinnen und Lehrer nicht ab-, sondern zugenommen haben. Auch unsere Belastbarkeit hat Grenzen! Eine gleichzeitige Erhöhung der Arbeitszeit wird bei der Umsetzung laufender und geplanter Reformen und vielfältiger Schulentwicklungsprojekte nicht zu unserer Motivation beitragen, sondern zwangsläufig Stillstand und innere Emigration zur Folge haben. Und wir gehören bislang nicht zu den von Ihnen so betitelten "ewigen Bedenkenträgern". In Eigeninitiative haben wir am Fürstenberg-Gymnasium G8 schon auf das nächste Schuljahr vorgezogen, um unseren Schülern einen Startvorteil auf dem Arbeitsmarkt zu verschaffen. Dies bedeutet für uns erhebliche Mehrarbeit.
Weiterhin befürchten wir als Folge der Streichung der Altersermäßigung weniger Neueinstellungen und somit eine weitere Verzögerung bei der notwendigen Verjüngung unseres Kollegiums - wir hatten im Schuljahr 2002/2003 keinen einzigen Berufsanfänger. Die der Erhöhung des Deputats für ältere Kolleginnen und Kollegen folgende stärkere Belastung der Assessorinnen und Assessoren im außerunterrichtlichen Bereich wird dazu führen, dass junge Kolleginnen und Kollegen noch mehr als bisher in Teilzeit gedrängt werden. Schließlich rechnen wir nach der Kürzung der Altersermäßigung mit vermehrten Ausfallzeiten durch Krankheit.
Zuletzt gestatten Sie uns noch eine Bemerkung: Ohne PISA bemühen zu wollen: unser Bildungswesen braucht mehr Qualität. Qualität im Bildungswesen setzt eine qualifizierte und motivierte Lehrerschaft voraus. Wir stehen gerne zur
Verfügung. Sie müssen allerdings hierfür die Rahmenbedingungen schaffen. Deshalb möchten wir Sie eindringlich bitten, sich für eine Rücknahme dieser Kürzung einzusetzen.
Mit freundlichen Grüßen
gez. die Kolleginnen und Kollegen des Fürstenberg-Gymnasiums, Donaueschingen
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