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Ein Stück locker verpackte Schulgeschichte

Zum 225-jährigen Jubiläum des Fürstenberg-Gymnasiums erscheint eine weitere Festschrift


von
Günter Vollmer

Was erwartet der Leser im allgemeinen von einer Festschrift? Ein Rückblick mit der Lupe und ein paar wohlwollende Grußworte! Diesen Inhalten kann sich auch die nun für acht Euro angebotene Jubiläumsschrift aus Anlass des 225-jährigen Bestehens des Fürstenberg-Gymnasiums Donaueschingen nicht entziehen. Aber der erste Satz des Schuldirektor Rudolf Strasser in einem Grußwort verspricht Anderes: “225 Jahre hat das Fürstenberg-Gymnasium auf dem Buckel.“ Von einer steif verfassten Schrift keine Spur. Sondern ein Spiegel dessen, wie die „Schule“ sich heute versteht, als offene, zeitgemäße Institution und ganz im sinne des Gründers, Fürst Josef Wenzel zu Fürstenberg im Zeitalter der Aufklärung. Dazu passt, dass die in Regie der Lehrer Uwe Becker, Eberhard Kern, Wolfgang Hilpert, Rudolf Strasser (Redaktion) und Karl Ackermann (Layout) entstandene Schrift durchaus Platz für kritische Momentaufnahmen hat und die Hand der Pädagogen auch mal an die eigene Nase fasst. So soll es doch tatsächlich unter den Paukern Totalausfälle gegeben haben, wie ein Briefwechsel aus dem Jahre 1907 bezeugt. Selbst das Benotungssystem wird gewissermaßen in Frage gestellt. Ist doch aus dem Hüfinger Nepomuk Schelble ein berühmter Mann geworden. Im Zeugnis stand aber “so dumm als Zepf (Schulkamerad, Anm. d. Red.) und ebenso unfleißig als dumm“. „Unfleißig“ wiederum waren die Macher der 156-seitigen Schrift ganz und gar nicht. Es sind die kleinen Details abseits der Schulbank, die aufgeschnappt und interessant verpackt wurden. Es ist zu lesen von den Mühen der Pennäler vor 200 Jahren, überhaupt die höhere Schule zu besuchen, wenn sie von auswärts kamen. Oder von der gesellschaftlichen Aufbruchstimmung der „68-er“, die das Kollegium in progressive Rollkragen- und konservative Schlipsfraktionen teilte und mit dem Du zwischen Lehrer und Schüler Revolutionäres erreicht wurde.
Man vergisst nicht, auf die „Großen“ wie dem Germanisten Freiherr Joseph von Lassberg oder den Volksschriftsteller Heinrich Hansjakob, hinzuweisen, die einst hier die Schulbank drückten respektive unterrichteten.


Rudolf Strasser, Direktor am Fürstenberg-Gymnasium, ist stolz auf die Festschrift: "Sie ist toll gemacht. Die Beiträge sind abwechslungsreich. Eine enorme Leistung der Beteiligten."    Bild:  G.Vollmer


Ein zweites Jubiläum wird nicht vergessen. Durch die Genehmigung des Großherzogs wurden vor hundert Jahren die Klassen acht und neun eingeführt: aus dem Progymnasium wurde ein „ganzes“ Gymnasium mit Abitur. Damals besuchte übrigens noch kein Mädchen diese schule. Das erste trat 1904/05 ein - 140 Jahre nach der Schulgründung. Und erst 1918 wurden die beiden ersten beiden Abiturientinnen gefeiert. Heute sind 53 Prozent der Schüler weiblichen Geschlechts.
Viel läuft fernab des Stundenplans: Schulpartnerschaften, die bis in den Indischen Ozean reichen, es wird ordentlich Musik gemacht im Schulorchester und in der Combo und gesungen im Schulchor. Bilder dokumentieren den „Werdegang“ des Gymnasiums vom Schellschen haus (heute Jugendmusikschule) über das heutige „Haus des Handwerks“ und die jetzige Realschule ins heutige Gebäude in der Humboldtstrasse. Fotografien gewähren Einblicke auf sterile ecken in der Schule, auf die Natur rund ums Gebäude und Kunst, geschaffen aus Schülerhänden. Englische Gedichte der 11c, die „penetrante“ Schülerzeitung und preisgekrönte Schülerarbeiten zeigen: an dieser Penne wird nicht nur fürs Leben gelehrt und gelernt, sondern bereits Leben gelebt.
Dennoch will man mit dem gelungenen Werk den Schulalltag nicht rosarot malen. Kritisches bleibt nicht aus. In seinem Vorwort sieht Rudolf Strasser seine Schule in schwierigen Zeiten: Größere Anforderungen an die Schule durch eine sich verändernden Gesellschaft und der Ruf nach Reformen, für die kein Geld da ist. Man will sich aber der Aufgabe stellen, ganz nach dem Motto: „ Wem das Wasser bis zum Halse steht, der darf den Kopf nicht hängen lassen. “


Dokumentation aus dem Südkurier  > 15-11-2003 <      Lokalausgabe Donaueschingen

Hinweis:
An dieser Stelle veröffentlichen wir Presseberichte die sich mit unserer Schule befassen. Für die jeweiligen Inhalte sind wir nicht verantwortlich, auch geben diese nicht unbedingt unsere Meinung wieder.

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