|
Zum Gymnasiums-Jubiläum eine Betrachtung,
die aufrütteln will
OB Everkes Vision einer Schule
für morgen
Gratulationen, Lob und Anerkennung hat das Fürstenberg-Gymnasium geerntet am Wochenende, als die Schule mit Festakt und Aktionen das 225-jährige Bestehen beging. Einen nachdenklichen Kontrast setzt Donaueschingens Stadtchef in diese Wertschätzungs-Cour. in einem Memorandum" zum Jubiläum entwickelt er seine Vision einer modernen Schule, die Jugendliche zu mündigen Bürgern ausbildet die getragen ist von gesellschaftlichem Engagement und selbst Lust an gesellschaftlichem Engagement einpflanzt.
Donaueschingen (dan)
Die Fortentwicklung des Fürstenberg-Gymnasiums mit, ihrem Wandel und ihren Reformen spiegele nicht nur die Geschichte der Schulpolitik im Lande, sie sei auch ein Stück Stadtgeschichte. Hoch siedelt Bernhard Everke die Bedeutung dieser Schule an in seinen Gedanken, die er beim Festakt am Samstagabend im Südstern-Autohaus vortrug. "Das Fürstenberg-Gymnasium hat Zugkraft und einen guten Ruf über die Grenzen der Stadt hinaus. Die Bildungsaufgabe wird erst genommen. ... Im Verhältnis zwischen der Schule und der Stadt verzeichnen wir Zufriedenheit mit unseren Investitionen bei der Schulleitung und bei den Eltern. Miteinander teilen wir die Auffassung, dass solche Investitionen in unsere Zukunft sinnvoll sind."
Bestens ausgestattete Schule
Everkes Blicke auf die Bildungslandschaft: "Landesweit kann man kann sagen: Noch nie waren die Bildungschancen so gut wie heute: die freie Wahl der Schule, kein Schulgeld, kostenlose Lernmittel, eine unterstützte Schülerbeförderung, gut ausgebildete Lehrkräfte und eine bestens ausgestattete Schule. Die Zahl der Gymnasiasten hat in den letzten 50 Jahren zugenommen: von 420 Schülern auf heute 1100 Schüler des Gymnasiums."
Also rundum "alles bestens in Butter?" fragt der OB und schränkt ein: "Zum einen: Kommen die richtigen Schüler auf die richtigen Schulen?" Den Lehrern der Grundschulen obliege Verantwortung, dass
sie "ihre Schüler mutig und ehrlich beurteilen, und die Eltern für solche ehrlichen Beurteilungen ein
aufrichtiges Verständnis aufbringen sollten. Nur so bewahrt man den Schüler vor Schäden und gewährt ihm die wirklich beste Chance!" Das andere Thema für Everke: "Das Pendant zur Bildung: die Erziehung.... Die neue Shell-Studie spricht davon, dass die Jugendlichen heute eine stark pragmatische Haltung einnehmen. ... Die Gefahr besteht also nur darin, dass eine nüchterne, nur auf Erfolg ausgerichtete Jugend bei Misserfolgen rasch einer Depression oder einem Fatalismus ausgesetzt wäre. Es geht also um mündige Persönlichkeit, um das Heranbilden von Menschen mit Wissen und Bildung zugleich, Menschen mit Urteilsfähigkeit, Kreativität und Gemeinschaftsfähigkeit."
Vorbilder sein
Everke appelliert: "Wir alle, Eltern, Lehrer und Mitarbeiter der Stadt, wir alle können Vorbilder sein und vermitteln: Eltern, die sich ehrenamtlich für die Schule einsetzen, Lehrer, die engagiert sind in Vereinen, in Kultur oder Sport. Schüler, die interessiert und erfolgreich sind, geben den Lehrem das Gefühl, ihr Ziel erreicht zu haben. |
Geld allein hilft nicht
Die Forderung nach noch mehr Geld für das Bildungssystern helfe hier nicht weiter, höchstens die Forderung, das Geld auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Die wichtigere Frage sei: "Wer erzieht? Nach der Pisa-Studie stürzt man sich allgemein auf die Lehrer. Andere rufen nach der Stadt. Von keinem wurde widerlegt, dass der Schwerpunkt dieser hohen Verantwortung von Erziehung eben doch und möglichst bei den Eltern liegt. ... Dass die Eltern stets gefordert
bleiben steht an erster Stelle. Verwundungen und Versäumnisse der Familie kann weder die Stadt noch die Schule heilen. ... Die Stadt hat durchaus auch eine Aufgabe. Der versuchen wir zu entsprechen
Auch die Schule gebe Anstöße zur Erziehung zur Persönlichkeit, könne Wesentliches ergänzen: "Verstecken wir uns nicht dahinter, das
Fachlehrer-System am Gymnasium erschwere die Erziehungsaufgabe im Vergleich zum Pädagogen an der Hauptschule. Auch beim Gymnasium sieht der Lehrer, wo und welche Probleme den Schüler belasten oder gefährden. Auch am Gymnasium gibt es den Begriff der Bezugsperson, auch hier gibt es die Lehrer als Vorbilder."
Beim Fürstenberg-Gymnasium seien die Leistungen im freiwilligen Bereich lobend zu, erwähnen: wissenschaftliche, sportliche, musische Erfolge. Aber wie stehe es mit der Heranführung der Jugendlichen und damit der Erwachsenen-Generation , von morgen an kommunale Mitverantwortung? "Der Trend der letzten Jahre
zeigt uns abnehmende Beteiligungen bei Wahlen - und wir kritisieren das.... Im konkreten Verhältnis von Schule und Rathaus schlage ich vor: Die Schulklassen kommen wieder in eine Gemeinderatssitzung, oder noch besser: wir" die Amtsleiter und ich selbst, laden die Schulklassen zur Information und zur Diskussion ins Rathaus ein. Es wäre doch eine Schande, wenn ein Schüler zwar fünf Handy-Tarife auseinanderhalten kann, aber unter dem Rathaus nur ein Bündel von Schreibtischen und staubigen Akten versteht? ... Ich strapaziere nicht das Wort vom Allgemeinen Wohl' und
vom ,Bürgersinn', aber ich halte auch nichts davon, Politik als schmutzig' abzutun." Kommunalpolitik sei "eine Sache, für die wir viele Idealisten brauchen."
Der gegenseitige Besuch von Schule und Rathaus fördere den Gemeinschaftsgeist, "und genauso den Sinn für Prioritäten und Entscheidungen. Überall sind klare Aussagen nötig, in der Schule wie im Leben einer Stadt. Der junge Mensch hat ein Recht darauf, dass man ihm Selbstverständlichkeiten vermittelt, auf denen die Identität unserer Zivilisation beruht. Kritik wird überzeugend, sie bekommt Gehalt und Kraft, wenn sie aus einer grundsätzlichen Zustimmung zur Wirklichkeit stammt. Es gilt, die Fähigkeit zur
Aufmerksamkeit zu fördem. Wir leben in Donaueschingen nicht nur wegen des Berufs, wegen des Zufalls der Geburt - gleichgültig. Wir leben hier auch, um emotionale Bindungen einzugehen, die Sorgen und Chancen der Leute zu teilen, mitzuhelfen und die künftige Gestalt der Stadt zu formen. Deshalb meine aufrichtige Bitte an die Pädagogen: Kommt mit den Schulklassen wieder öfter ins Rathaus! Umgekehrt bin ich genauso bereit, in den Gemeinschaftskunde-Unterricht in der Schule zu kommen."
|
|
Dokumentation aus dem Südkurier
> 18-11-03< Lokalausgabe
Donaueschingen
Hinweis:
An dieser Stelle veröffentlichen wir Presseberichte die sich mit
unserer Schule befassen. Für die jeweiligen Inhalte sind wir nicht
verantwortlich, auch geben diese nicht unbedingt unsere Meinung wieder.
|