| Immer mehr Internet im Klassenzimmer
Fürstenberg-Gymnasium vor Neustrukturierung
Kaufmännische Schulen als "Local Cisco Academy"
Der Computer erobert über das Internet immer mehr Lebensbereiche. Aktuell hält die Welt der Datennetze in den Klassenzimmern der Baaremer Schulen Einzug. Während das Fürstenberg-Gymnasium kurz vor der Einführung von Textverarbeitung ab Klasse fünf steht, sind die Kaufmännischen Schulen fast schon Lichtjahre weiter. Berufsschüler können sich hier neu an der "Lokalen Cisco Akademie" einschreiben - mit Hausaufgabenmachen per E-Mail und studieren von Zuhause aus im Intranet.

Unterricht im Computerraum.
Hier im EDV-Raum des Fürstenberg-Gymnasiums.
Foto (ergänzt): Kern
Donaueschingen - "Wir können uns mit den kaufmännischen Schulen nicht vergleichen", sagt Rudolf Strasser. Der Leiter des Fürstenberg-Gymnasiums weiß, dass "diese Schulen finanziell viel besser ausgestattet sind als wir". Und trotzdem: "Auch bei uns führt kein Weg daran vorbei", sagt der Oberstudiendirektor und meint das computergestützte Lernen, das aktuell schon etwa "35 Lehrer als Anwender praktizierten". Im echten Schulalltag sieht das so aus, dass Deutsch- oder Mathe-Unterricht immer mal wieder am PC stattfindet, im mittlerweile komplett vernetzten Gymnasium kein Problem.
Das Buch bleibt wichtig
Zusätzlich steht der nächste Quantensprung am Fürstenberg-Gymnasium bevor. Die neuen Fünftklässler werden künftig in Textverarbeitung geschult, in der sechsten Klasse gibt es Arbeiten mit dem Powerpoint-Präsentationsprogramm und dem Internet, ab der siebten Klasse soll das Tabellenerstellen auf Excel-Baisis dazukommen, kündigte Strasser gestern an. Dennoch will er - gerade am humanistischen Gymnasium - den Wert eines Buches weiter hoch halten: "Das Extrahieren von Informationen, das Bewerten von Wissens-Quellen und die Arbeit als Wissenssuche an und für sich erfordert so viel mehr geistige Arbeit", sagt Strasser, der sich damit im vollen Einklang mit dem Elternsprecher der Schule, Norbert Kammerer, befindet. Kammerer bremst eher, wenn es um Internet im Klassenzimmer geht. Man müsse die Grundlagen vermitteln, "alles andere muss bei Bedarf von zu Hause aus durch die Eltern geschehen", sagt der Mediziner aus Bräunlingen.
Eine ganz neue Welt hat jetzt hingegen an den Donaueschinger Kaufmännischen Schulen Einzug gehalten. Die Berufsschule schmückt sich hier seit wenigen Wochen mit der klingenden Bezeichnung "Local Cisco Academy". Cisco, ein weltweit etabliertes Unternehmen, das Internet-Lösungen anbietet, kooperiert mit Schulen als eine Art Lehrplan-Anbieter. Im konkreten Fall können an der Donaueschinger Eichendorffschule die Berufsschüler aus den Sparten Informatikkaufleute sowie Informations- und Telekommunikations-Systemkaufleute einen zusätzlichen und zertifizierten Abschluss machen.
95 Prozent aller dafür in Frage kommenden Schüler nutzen das neue Angebot bereits, das seit November im Echtzeit-Betrieb stattfindet. Je zwei Klassen unterrichten die Pädagogen Martin Zwosta und Sebastian Kern, insgesamt sind es siebzig Schüler, die "sich mit enormer Motivation freiwillig die zusätzliche Arbeit geschultert haben", wie Martin Kern die Anlauf-Phase bilanziert.
Zusätzlich heißt: Die Schüler nutzen ihre Freizeit um Dazuzulernen, werden dabei vielfach von ihren Ausbildungsbetrieben unterstützt, die das Zugeständnis machen, und den Computer am Arbeitsplatz sowie die Datenleitungen frei geben.
Die Donaueschinger Cisco-Akademie funktioniert zu vierzig Prozent online, zu sechzig Prozent noch konventionell, also mit Arbeiten im Klassenzimmer an der Tafel oder am dort installierten Computer und - pardon: mit einem echten Lehrer.
Der Online-Unterricht bei der Cisco-Akademie mit elektronischem Lernen im Internet funktioniert laut Kern einwandfrei. Die Schüler lernen, wie man Computernetzwerke bedient oder aber ganz grundsätzlich durch fachgerechte Installation zum Laufen bekommt. Will heißen: Die Akademie-Absolventen können eine Firma über acht Stockwerke und mit vierzig Arbeitszimmern eigenhändig verkabeln, die Netzknotenpunkte einrichten und die Router programmieren, Internet-Auftritt der Firma inklusive. Die Cisco-Akademie stellt zu diesen Komplexen die Übungsaufgaben virtuell im Netz parat, die Schüler klicken sich an Laptop oder PC durch die Aufgaben durch.
Freiwillig am Wochenende
"Meine Schüler arbeiten überwiegend abends und am Wochenende daran", sagt Sebastian Kern, von Haus aus BWL- und EDV-Lehrer. Er selbst ist mit seinem Kollegen Martin Zwosta den Schülern immer ein Kapitel voraus, die Pädagogen wissen also sehr genau, von welchen Hürden im Unterricht da die Rede ist.
Die Online-Akademie hilft auch Schülern, die Fehler produzieren, sofort weiter. Wer falsche Eingaben beim "e-learning" macht, wird beispielsweise automatisch auf das Kapitel verwiesen, das er besser noch einmal nachlesen sollte.
In vier Kurse gegliedert ist das Cisco-Angebot, das auf Vermittlung des Oberschulamts an die Donaueschinger Schule kam. Schüler müssen dafür keinen Cent bezahlen, erforderlich sind allerdings zu Hause der Web-Anschluss und ein Privat-PC, laut Kern "alles Standard bei meinen IT-Schülern". An Kosten fallen höchstens die Providergebühren an, wenn die Schüler von zu Hause aus online mit der Akademiedatenbank kommunizieren.
Kern ist sich sicher, dass die Absolventen "klare Vorteile" bei den späteren Bewerbungen haben. "Der Abschluss ist sehr anerkannt." Hinzu kommt: Die Lehrmaterialien liegen überwiegend in englischer Sprache vor, was zusätzliche persönliche Standsicherheit in Kommunikationsfragen mit sich bringt.
"Die ersten drei Wochen waren alle total begeistert - dann wurde klar, dass es harte Nüsse sind, die es zu knacken gilt", berichtet Akademie-"Instruktor" Kern. Allein die fremdsprachlichen Anforderungen seien enorm, nicht selten gäbe es für die Schüler Probleme, weil sie die Frage nicht richtig verstehen, dann aber die richtige Antwort sehr wohl bewerkstelligen können. Die Sprachen-Hürde falle ab dem zweiten Kurs wie von Zauberhand weg, berichtet Kern, dieses Know-how kommt also quasi als Zugabe wie nebenbei.
Es sind längst nicht nur junge Männer, die an der Akademie in die Welt der Technik eintauchen. Dreißig bis vierzig Prozent der Absolventen sind in den vier Klassen weiblich, sagt Sebastian Kern, der einräumt, dass sich auch die Pädagogen-Welt durch das neue Akademie-System gewandelt habe. "Wir beantworten alle E-Mails der Schüler spätestens in 48 Stunden, meist sind wir schneller - auch an Wochenenden", sagt er über seine persönliche Response-Quote bei der Web-Kommunikation.
Ziel: Das "WG" anhängen
Die Cisco-Akademie-Schüler lernen in ihren Betrieben ganz unterschiedliche Berufe: Im Vertrieb, als IT-Berater, im Außendienst, bei der Programmierung oder bei der IT-Technik sind sie tätig, zählt Kern auf und lässt im Nebensatz erkennen, dass die Verdienstmöglichkeiten gut bis sehr gut sind. Je nach persönlichem Engagement-Status können die Schüler nämlich auch schon mal das eine oder andere Projekt in der Firma von Papas bestem Kumpel stemmen.
Oberstudiendirektor Baumgartner sagt, dass so schnell wie möglich auch das Donaueschinger Wirtschaftsgymnasium an die Cisco-Akademie angeschlossen werden soll: "Wir wollen noch die Erfahrungswerte aus unserer Berufsschule abwarten, dann geht es los."
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