Gymnasium, Realschule bald Ganztagsschulen?
Stadt entwickelt Denkmodell zum Umbau der Schulenlandschaft
Die klassische Vormittagsschule ist möglicherweise ein Auslaufmodell in Donaueschingen. Nach ersten Ganztages-Erfahrungen, gesammelt an der Eichendorffschule, stellt die Stadt jetzt ein Richtungspapier zur Weiterentwicklung der Schulenlandschaft zur Diskussion. Der Kernpunkt: Ausweitung der Ganztages-Angebote auf
Fürstenberg-Gymnasium, Realschule und die Grundschulen.
Donaueschingen
VON KLAUS DANGEL
Donaueschingen - Veränderte gesellschaftliche Verhältnisse erzeugen Handlungsdruck: Berufstätigkeit beider Elternteile und wachsender Alleinerzieher-Anteil schaffen Betreuungsbedarf, ein starker Anstieg bei der Zahl verhaltensauffälliger Schüler bremst Unterricht und Lernerfolg aus; Schule wird mehr und mehr als Ersatz-Elternhaus mit Erziehungs- und Betreuungsaufgaben angesehen. Das kann sie jedoch nicht leisten in der bisherigen Konstruktion. Als erste Schule in der Stadt zog die Eichendorffschule Konsequenzen aus dem Dilemma. Seit mehreren Jahren schon experimentierte sie - halb offiziell - mit erweiterten Betreuungsangeboten, seit dem laufenden Schuljahr nun gibt es erstmals "amtlich" die Ganztagesschule für bestimmte Schülergruppen mit besonderem Betreuungsbedarf. Ab nächstem Schuljahr wird das Pilotprojekt probeweise weiterentwickelt: Jeder Schüler der Klassen 5 bis 7 kann Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung und pädagogisch angeleitete Freizeitangebote nutzen, ein Jahr darauf dann zusätzlich auch die Schüler der Klassen 8 und 9.
Die Eichendorffschule stellt damit "Weichen in die richtige Richtung". So sieht es die Stadtverwaltung in ihrem Richtungspapier, das sie kommenden Dienstag im Hauptausschuss des Gemeinderats vorstellen wird. Es führt sozialpolitische und pädagogische Argumente ins Feld für weit darüber hinaus reichende Schritte:
Einrichtung des Ganztagsangebots im Fürstenberg-Gymnasium (im Zuge der Einführung des achtjährigen Gymnasiums ab
Herbst), an der Realschule und an den Grundschulen.
Aber auch die Definition der "Ganztagsschule" an sich steht zur Debatte. Was sie künftig bedeuten könnte, skizziert das Papier so: Unterricht, der auf den Vor- und Nachmittag verteilt ist, Mittagsverpflegung, Hausaufgabenbetreuung, Fördermaßnahmen der Unterstützung, Fördermaßnahmen der Talent-Entwicklung, betreuungs- und Freizeitangebot.
Als wichtig für das Ganztagsangebot wird die Schulatmosphäre angesehen. Deshalb seien die Schulen im Idealfall so auszustatten: mit offenen Räumen für Aggressionsabbau (Tischtennis, Billard), Spielothek, Werkstatt, Basteln, Fotolabor usw., mit einem Lernbereich (Bücherei, Lesezimmer, Musikkabine), mit einem Individualbereich (Sitzecken, Ruheliegen, Einzelarbeitsplätze), mit Bewegungsbereich (Infothek, Treffpunkt, Automaten, Cafeteria), Aktionsbereich (SMV-Raum, Räume für Großveranstaltungen) und Sozialerfahrungsbereich (Fahrrad- und Mopedwerkstatt, Freigelände für Spiele, Räume für Kleingruppenarbeit).
Ganztagesschulen können seit Kurzem mit Zustimmung des Landes eingerichtet werden. Bund und Land fördern sie. Wie stark eine Ausweitung des Donaueschinger Engagements die Stadtfinanzen oder auch die Eltern (durch Beiträge) zusätzlich belasten würde, dazu gibt es bislang keine Zahlen.
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