Zurück zur Presse-Übersicht

Opfer besser schützen 
Podiumsdiskussion im Fürstenberg-Gymnasium 
über Jugendkriminalität 

Donaueschingen (phz) Vor der Gewalttat des jugendlichen Täters etwas tun, nicht erst danach. Die Teilnehmer an der Podiumsdiskussion gestern Abend im Fürstenberg-Gymnasiums vor etwa 
45 Besuchern waren sich weitgehend einig. Rechtsanwalt Siegfried Kauder, Vorstandsmitglied im "Weißen Rings" und Bundestagsabgeordneter, Adolf Gallwitz, Professor an der Polizei-Fachhochschule in Villingen, und Hans-Werner Horn, Professor an der Berufsakademie in Schwenningen, betonten auch, dass für Opfer von Gewaltverbrechen mehr getan werden muss.

Das Thema der Diskussion lautete: "Geht es dem Täter besser als dem Opfer?" Dabei waren die Jugendkriminalität und das Strafrecht zentraler Mittelpunkt. Siegfried Kauder sprach als Rechtsanwalt aus der Erfahrung, als er die Diskrepanz bei Gerichtsverhandlungen aufzeigte. Bei Prozessen mit Jugendlichen als Täter ist die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Anders bei Verhandlungen mit Kindern als Opfer, etwa mit sexuellem Hintergrund. Die Öffentlichkeit erfahre, wer das Kind ist, wie es gedemütigt wurde. "Ist das fair?", hinterfragte der Bundestagsabgeordnete. Er setzt sich in seiner politischen Tätigkeit auch für eine Veränderung im Strafrecht ein. "Nicht das Strafmaß muss nach oben gesetzt werden, sondern die Mindeststrafe."
Hans-Werner Horn schlug die gleiche Richtung wie Kauder ein. Bei Taten, die der Staat hätte verhindern könne, müsse ein Opfer bis zu sieben Jahren auf seine Entschädigung warten. Eine zulange Zeit für Horn, in Österreich geschehe das bereits nach wenigen Wochen. "Die Gesellschaft geht schlecht mit Opfern um", ist der Sozialwissenschaftler der Ansicht. Das habe sich auch schon mit der Entschädigung der Opfer des Dritten Reiches gezeigt. "Die Bekämpfung der Jugendkriminalität wird die größte Herausforderung in den kommenden Jahren", betonte Adolf Gallwitz. Seit zehn Jahren ist sie laut des anerkannten Kriminalpsychologen um zehn Prozent angestiegen. Jugendliche müssten für ihre Taten in die Verantwortung genommen werden. 

"Wir können keine 25- oder 30-Jährigen mehr therapieren. Der Frieden der Welt beginnt im Kinderzimmer", sagte Gallwitz. Schon im Kindesalter müsse die Gewaltprävention greifen. Sei es im aufklärenden Bereich, aber auch von den Erzieherinnen und später von Lehrern forderte er Wachsamkeit bei Auffälligkeiten von Kindern. Es dürften die Augen nicht verschlossen werden, von niemandem. "Opferschutz funktioniert nur, wenn der Staat hilft und der Bürger mitmacht", schloss Kauder die Diskussion ab.

Dokumentation aus dem Südkurier  >  07.02.2003 <      Lokalausgabe Donaueschingen

Hinweis:
An dieser Stelle veröffentlichen wir Presseberichte die sich mit unserer Schule befassen. Für die jeweiligen Inhalte sind wir nicht verantwortlich, auch geben diese nicht unbedingt unsere Meinung wieder.

Zurück zur Presse-Übersicht

© PROJEKT INTERNET am FG