Auf den Spuren des Generationenkonflikts
Generationenkonflikt. Alt und jung können nicht miteinander, die Kluft an Interessen ist zu groß. Ohne einander können sie auch nicht, auf die Erfahrung der Senioren will keiner verzichten. Irgendwo in der Mitte versuchten sich gestern Schüler der 13. Klasse des Fürstenberg-Gymnasiums, Leistungskurs Politik, und Senioren Donaueschingens zu treffen. Sie verabredeten sich zum Plausch, Austausch und zur Provokation im Café im Irmapark.

Elf Jugendliche rechts, über 25 Senioren links. Generationen beschnuppern sich, sie wollen voneinander wissen. Das "Früher war alles besser" ist von den Älteren nicht zu hören. "Die Welt war noch nie in Ordnung", sagt eine ältere Dame und weiß um die Schwierigkeiten in ihrer Jugend. Eine härtere Jugend, vom Krieg gezeichnet. Früher war nicht alles besser, es war anders. Die Zeiten haben sich geändert, Jung und Alt am Tisch sind sich einig.
Rüdiger Schell, Lehrer der Oberstufler, sieht sich als Moderator. Als Schnittstelle zwischen den beiden Generationen. "Worin sehen Sie mit Misstrauen auf die jüngere Generation?", fragt er. Alfred Wichert ist sicher:
"Wir haben einen großen Erfahrungsschatz", die Jungen wollten von den Alten nichts annehmen. Provokation, der die Jugendlichen mit der Frage entgegnen, wann denn die Möglichkeit des gegenseitigen Austausches bestehe. Wieder Einigkeit, dass diese Situation, außer im familiären Bereich, seltenst gegeben ist. "Auch die Alten sind interessiert, was die Jungen denken", betont Konrad Schmid. Eine Aufforderung an beide Seiten, Kontakte zu knüpfen , denn "wieso gehen nicht auch Ältere auf jüngere zu?", fügt Sven Kaltenbach an.
Aber es interessiert die Senioren an diesem Nachmittag, welche Pläne und Ziele die Abiturienten haben. Wie es nach dem Schulabschluss weitergeht, obwohl doch die wirtschaftliche Lage für große Träume nicht viel Spielraum lässt. Der Tipp eines Erfahrenen: Sich auf mehreren Gebieten qualifizieren und nicht nur Englisch als Fremdsprache beherrschen. Konrad Schmid weiß, wovon er spricht, hat berufliche Probleme dahingehend bei seinen Kindern beobachtet und seine Schlüsse daraus gezogen. Von Nichts kommt Nichts.
"Die Jungen wollen alles haben, aber nichts dafür tun." Hans Kech provoziert bewusst. Die Gymnasiasten lassen das nicht auf sich sitzen. Es komme auf die Erziehung durch das Elternhaus an. "Ich komme aus einem ,kleineren Ort bei Geisingen und wir bauen dort gerade einen Jugendclub", bricht Manuel Straub eine Lanze für seine Altersgenossen. Nach zwei Stunden trennen sich die Generationen wieder, einige Konfliktpunkte beiseite geräumt. Die Konfrontation Jung-Alt soll kein "Experiment' bleiben, wie Lehrer Schell diesen Mittag bezeichnete. Anregungen für ein verstärktes Voneinander lernen nehmen beide Seiten mit nach Hause: Die Alten als Zeitzeugen im Politikunterricht, die jungen beim Seniorenstammtisch im Klaus Wiemer spricht, die jungen Fürstenberg-Gymnasiasten hören zu. Generationen trafen sich gestern im Caft im Irmapark, um sich gegenseitig auszutauschen. Beiden liegt daran, dass es kein einmaliges "Experiment" bleibt.
Irmapark. Dann vielleicht auch ohne die Generationentrennung, wie sie Hans Kech mit Blick auf die Sitzordnung in dem Café anspricht:"Die Jungen sitzen da, die Alten da. So kann das nicht weitergehen, so ist kein Zusammenkommen möglich."
PHILIPP ZIEGER
Bild: Zieger
Fundsachen
Wenn Senioren mit Schülern reden
Alle reden über die viel besungenen demographischen Veränderungen unserer Gesellschaft. Was ziemlich wissenschaftlich klingt, meint nichts anderes als die Verschiebung des Durchschnittsalters aller Bürger nach oben. Will heißen: Immer mehr Ältere, immer weniger Jüngere. Dieses als Zeitbombe in den sozialen Systemen (Rentenbeiträge) tickende Phänomen geht auch die Donaueschinger nicht wenig an. Immerhin werden bald zwei Fünftel der hiesigen Bürgerschaft älter als 60 Jahre sein. Auswirkungen auf das Stadtbild müssen folgen. Es wird Mehrbedarf an seniorengerechten Wohnungen geben, auch Themen wie öffentlicher Nahverkehr oder Einkaufen im Wohnquartier erhalten plötzlich eine ganz neue Qualität. In Donaueschingen will jetzt der Seniorenrat nicht mehr länger nur zusehen: Ganz gezielt sucht die Vereinigung das Gespräch mit der Jugend und debattiert am Donnerstag, 23. Januar um 15 Uhr, im Café am Irmapark mit der Abitursklasse am Fürstenberg-Gymnasium von Lehrer Rüdiger Schell. Olga Storck, Vorsitzende des Seniorenrates, wünscht sich, dass an diesem Mittag auch ein wenig gesät werden kann. Warum denn nicht mehr miteinander machen, sagt und fragt sie. Nicht zuletzt denkbar wäre für Olga Storck das Initiieren eines Donaueschinger Jugend- und Seniorentages. Doch dazu muss erst einmal eine Voraussetzung in der kommenden Woche erfüllt werden. Dass die Saat aufgehen kann, erfordert auch das nötige Interesse - nicht zuletzt von den Senioren, die sich an dieser Gesprächschance so zahlreich wie möglich beteiligen sollen.
NORBERT TRIPPL
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