| Felix
Wankel war
ein großer Erfinder seiner Zeit. Der von ihm
entwickelte Drehkolbenmotor war vor 40 Jahren wegen
seiner Laufruhe eine Sensation. Die Stadt Lindau, wo
Wankel im Dritten Reich Flugzeugmotoren baute, widmet
ihm aus Anlass seines 100. Geburtstages eine
Ausstellung. Nur wenige wissen, dass Wankel einige
Jahre in Geisingen und Donaueschingen lebte und hier
zur Schule ging. Donaueschingen -
Wer
ist der berühmteste Schüler des Fürstenberg-Gymnasiums?
Wer hier mit Felix Wankel (1902 - 1988) antwortet,
liegt wohl nicht ganz daneben. Felix Wankel ist
bekanntlich der Erfinder des Drehkolbenmotors. Dieser
wiederum hat in den 60er-Jahren des letzten
Jahrhunderts den Motorenbau revolutioniert. Nach der
bahnbrechenden Erfindung des Viertaktmotors durch
Nikolaus August Otto (1876) und dessen Verbesserung für
den Betrieb mit Öl durch Rudolf Diesel (1892) hat
Felix Wankel 1926 mit dem von ihm entwickelten
Drehkolbenmotor neue Maßstäbe im Motorenbau gesetzt.
Mit großen Erwartungen hat die neue Erfindung dann
auch im Autobau Einzug gehalten. Die Firma NSU in
Neckarsulm (heute Audi) hat Wankels Motor erstmals
1964 in den Pkw NSU Spider eingebaut. Aber erst die
Bestückung des schnittigen NSU Ro80 hat zu großem
Aufsehen in der Fachwelt geführt und wurde bei der
Frankfurter Automobilausstellung 1967 zum "Auto
des Jahres" gewählt..
Trotzdem haben sich für NSU die Verkaufserwartungen
bei diesem Fahrzeug nicht erfüllt. Als Problem erwies
sich der so genannte Wankel-Motor. Dieser arbeitete nämlich
im Stadtbetrieb nicht mit der notwendigen Zuverlässigkeit.
58000 Fahrzeuge dieses Typs wurden von NSU bis 1977
insgesamt verkauft. Heute ist es nur noch der
japanische Autohersteller Mazda, der den
Drehkolbenmotor in Kraftfahrzeuge einbaut.
Der
geniale Erfinder Felix Wankel wurde am 13. August 1902
in Lahr geboren. Für die Stadt Lahr war dies Anlass,
ihn am 22. Mai 1981 zum Ehrenbürger zu ernennen. Die
Eltern von Felix Wankel waren Forstassessor Rudolf
Wankel und Gertrud Wankel, geb. Heidauff. Seine
Jugendzeit hat Felix Wankel in Geisingen (bis 1909)
und Donaueschingern (1909 bis 1915) verbracht. Hier
war sein Vater als Forstbeamter tätig. In Geisingen
und Donaueschingen besuchte Felix Wankel die
Volksschule. Am Fürstenberg-Gymnasium in
Donaueschingen hat er am 12. September 1911 die
Aufnahmeprüfung gemacht. Dieses hat er bis 1915
besucht.
Am
19. August 1914 ist der Vater Rudolf Wankel im Ersten
Weltkrieg in der Schlacht von Mühlhausen bei Dornach
im Elsaß als Oberleutnant gefallen. Nach dem Tod des
Vaters übersiedelte die Familie Wankel 1915 nach
Heidelberg. Hier und danach in Weinheim besuchte Felix
Wankel weiter das Gymnasium. Dieses hat er in der
Unterprima 1921 verlassen, weil er mit Mathematik und
Physik auf Kriegsfuß stand! |
Während
seiner Lehre als Verlagskaufmann beschäftigte er sich
intensiv mit Biographien von Technik- und
Wissenschaftspionieren. Dabei holte er sich Anregungen
über den Bau von Geräten und Maschinen, die er in
seiner Werkbude in die Praxis umsetzte. Ab 1924
arbeitet er in einer kleinen Werkstatt an
verschiedenen Entwicklungen, unter anderem entsteht
ein "Fettdurchfluss-Anzeigegerät", in dem
das erste Mal seine Idee des Drehkolbens zur Anwendung
gelangt.
Zwischenzeitlich nach Lahr umgezogen, meldete er 1933
die Drehkolbenmaschine "DKM 32" zum Patent
an. Von 1934 bis 1936 arbeitet Felix Wankel in Lahr an
einem von BMW erteilten Forschungsauftrag für
Rotationskolbenmotoren. Mit seinen Kenntnissen muss er
1935 in der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt
(DLV) vorsprechen und bringt dort einen Siemens Fünfzylinder-Sternmotor
zum Laufen - dies bringt ihm eine eigene Forschungsstätte
ein, die "Wankel-Versuchs-Werkstatt" (WVW)
in Lindau. In den Kriegsjahren werden hier vor allem
Flugzeugmotoren erprobt, bis die Anlage 1945 von den
Franzosen demontiert wird. Das Forschungsverbot der
Alliierten nach Kriegsende wurde erst 1951 aufgehoben.
Die
Zusammenarbeit mit NSU brachte für den
Drehkolbenmotor von Felix Wankel den Durchbruch.
Dieser wurde 1960 in den Pkw NSU Prinz und danach in
den NSU Wankel Spider eingebaut. Dieses eher als
Versuchsobjekt angesehene Fahrzeug fuhr im Renneinsatz
den Konkurrenten mit 1,5- und 2-Liter-Hubkolbenmotoren
auf und davon. Ein Auto mit Rotationskolben-Motor
besiegte erstmals Autos mit Hubkolbenmotor.
Viele Motorenhersteller erwarben jetzt Lizenzen zum
Bau des Drehkolbenmotors. Als im Zusammenhang mit der
ersten Ölkrise Mitte der 70er-Jahre Daimler-Benz und
General Motors weitgediehene Wankel-Projekte aufgaben,
war die Wankel-Euphorie zu Ende: der Wankelmotor benötigte
damals im Vergleich zum Otto-Motor noch mehr Benzin.
Nur noch Mazda baute Wankelautos unbeirrt weiter und
gewann als erster japanischer Autohersteller 1991 das
24-Stunden-Rennen von Le Mans mit einem Wankel-Motor.
Insgesamt sind bis heute über zwei Millionen Autos
mit Kreiskolbenmotor gebaut worden.
Felix
Wankel gehört zu den wenigen Erfindern, die noch zu
Lebzeiten von ihren Erfindungen profitierten. Der
Mann, der als schöpferischer Autodidakt
Bahnbrechendes geleistet hat, wurde vielfach geehrt.
So beispielsweise mit der Ehrendoktorwürde Dr. Ing.
e.h. und mit dem Ehrentitel Professor. Weil er es sich
finanziell leisten konnte, hat sich Felix Wankel am
Bodensee sehr stark für den Umweltschutz und für den
Tierschutz engagiert. So rief er auch den mit 25000
€ ausgestatteten Tierschutz-Forschungspreis ins
Leben. Die Stadt Donaueschingen hält das Andenken an
den wohl berühmtesten Schüler des Fürstenberg-Gymnasiums
mit der Benennung einer Straße im Gewerbegebiet
Breitelen-Strangen wach. Übrigens: Felix Wankel besaß
nie einen Führerschein.
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