Donaueschingen
Im
Fremdsprachenunterricht geht das Fürstenberg-Gymnasium
neue Wege. Schon im kommenden Schuljahr wird den neuen
Fünftklässlern und ihren Eltern ein neues
Sprachenmodell angeboten: Englisch und Latein kann
dann ab Klasse fünf parallel belegt werden. Hatten
die Anfänger in der fünften Klasse bis vor einigen
Jahren noch die Wahl zwischen den drei Fremdsprachen
Französisch, Englisch und Latein, so war die Auswahl
inzwischen auf die zwei letzteren geschrumpft. Und
auch Latein hatte einen immer schwereren Stand gegenüber
der Weltsprache Englisch. Denn an Englisch hängt, zu
Englisch drängt heute alles: die Computersprache, die
Popmusik, viele Bereiche aus Wirtschaft und Kultur
sind heute englisch dominiert, so dass auch die
Kleinen es kaum erwarten können, endlich in diese
Sprache einzusteigen.
Die Fachschaft Latein will zusammen mit der
Schulleitung aus dieser Not eine Tugend machen. Nach
einem überraschend schnell vollzogenen Gang durch die
Instanzen von Fachkonferenz, Gesamtlehrerkonferenz,
Schulkonferenz, Schulträgerschaft und Oberschulamt
wurde beschlossen, auch hier das sogenannte
"Biberacher Modell" einzuführen. Das
bedeutet: die kommenden Fünftklässler können nun
Latein und Englisch parallel lernen. Sie haben dann in
der fünften Klasse sowohl fünf Stunden Latein als
auch gleichzeitig drei Stunden Englisch.
Natürlich bekommen sie dafür auch eine Entlastung:
Ihr Stundenplan wird ihnen dafür um eine Stunde
Deutsch, eine Stunde Latein und eine Stunde Musik gekürzt,
so dass der Stundenaufwand der gleiche wie bisher
bleibt. Und damit das neue Angebot nicht zu einer Überforderung
der kleinen Lateiner führt, soll das Fach Englisch
nicht versetzungsrelevant werden, das heißt: wegen
Englisch kann keiner sitzen bleiben. Man hofft
allerdings darauf, dass die Schüler genügend
motiviert sind und sie auch so tüchtig mitmachen. In
Klasse sieben beginnt dann bei ihnen wie bisher
Englisch als zweite Fremdsprache, allerdings natürlich
auf einem schon weiter fortgeschrittenen Niveau als
bisher im Anfangsunterricht. |
Die
Schulleitung hat sich natürlich nicht ohne gründliche
Überlegung zu diesem Schritt entschlossen. Bei den
Eltern der jetzigen fünften und sechsten Klassen
wurde eine Umfrage durchgeführt, wie sie dieses
Modell beurteilt hätten, wenn es Ihnen angeboten
worden wäre.
Die Rückmeldung
war überraschend positiv. Nur wenige Eltern, die
grundsätzlich an Latein als erster Sprache
interessiert waren, befürchten Nachteile, etwa eine
Überforderung ihrer Kinder. Viele gaben an, bei
diesem Angebot hätten sie für ihre Kinder doch
Latein als gute Grundlage für weiteres Lernen gewählt.
Das Modell hat aber noch weitere Vorteile: Kam bisher
ein Schüler, der Latein gewählt hatte, auf dem
Gymnasium in Schwierigkeiten, so hatte er es schwer,
auf die Realschule zu wechseln, wo er ja auf Englisch
als erster Fremdsprache traf. Jetzt ist ein Wechsel
ohne weiteres möglich. Auch die Kombination einer
formalen Sprache wie Englisch könnte sich als recht
glücklich erweisen: In Englisch können die Schüler
schon miteinander munter sprechen, in Latein lernen
sie die grammatikalischen sprachlichen Grundlagen. Von
dieser Verbindung könnten auch noch weitere
sprachliche und entwicklungspsychologische Lerneffekte
ausgehen.
Ganz ohne Netz und doppelten Boden arbeitet man am Fürstenberg-Gymnasium
allerdings nicht: Das Modell ist, wie der Name sagt,
am Wielang-Gymnasium in Biberach entwickelt und
ausprobiert worden und hat sich dort gut bewährt.
Inzwischen ist es in mehreren Schulen in Baden-Württemberg
mit Latein als erster Fremdsprache eingeführt worden.
Es hat sich gezeigt, vor allem wenn die Lehrer der Fächer
Latein, Deutsch und Englisch gut zusammenarbeiten, können
sich mit diesem Modell beste Synergieeffekte ergeben,
die eine Überforderung der Schüler zu einer
fundierten zeitgemäßen Förderung umwandeln.
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