Akzente -Kolumne zum Wochenende
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Schüler
zweiter Klasse

Seit
die Pisa-Studie Deutschland abwatschte, ist Dornröschen Bildungspolitik plötzlich wieder
hellwach geworden. Auch im Kleinraster Baar läuft die Fahndung nach konkreten Defiziten
in der Schulen-Maschinerie. Dabei wissen Insider schon lange von einer grundlegend
bedenklichen Entwicklung: Der Raum Donaueschingen ist zum benachteiligten Gebiet geworden,
was die Bildungschancen der Kinder betrifft. Dieser Tage ist die Spitze des Eisberges an
die Oberfläche gestoßen. Das Wirtschaftsgymnasium in Donaueschingen meldet
Aufnahme-Notstand". 130 Realschul-Absolventen drängen in den Anschlusszug Richtung
Wirtschaftsabitur, aber nur 64 dürfen rein,
weil die beruflichen Gymnasien vom Land bewusst gedeckelt sind. Die Mehrzahl bleibt vor
der Tür stehen. - Zwangs-Ende der Schulkarriere für qualifizierungswillige junge
Baaremer. Durchkreuzte Rechnung für viele, die bewusst über Realschule und WG zum Ziel
wollten (wir berichteten). Eltern gehen auf die Barrikaden, die Stadtpolitik will Druck
aufs Land machen, damit es eine dritte WG-Eingangsklasse zuläßt. Dieser
Reparatur-Aktionismus lenkt ab vom eigentlichen Ärgernis. Denn die "WG-Falle"
kommt keineswegs aus heiterem Himmel. Sie hatte sich seit Jahren abgezeichnet, Insider
wußten es längst. Bloß die Eltern und Schülern mit "Realschul-Strategie" hat
keiner gewarnt. Die Chronologie: Seit Jahren wechseln ungewöhnlich wenig Kinder aus dem
Städteviereck Donaueschingen/ Hüfingen/Bräunlichen/Blumberg nach der vierten
Grundschulklasse ans allgemeinbildende Gymnasium.
Was bisher nie im großen Überblick veröffentlicht wurde, hat jetzt das Statistische
Landesamt im Auftrag des SÜDKURIER dokumentiert: Die Übergangsquote im Land steigt seit
1983 im Trend-Mittel stetig an, im Landkreis steigt sie unterdurchschnittlich, aber
ebenfalls stetig. Im Großraum Donaueschingen aber sinkt sie permanent. Binnen 20 Jahren
ist die Schere eklatant auseinander gegangen. Zugleich ragt die Übergangsquote von den
Grundschulen auf die Realschulen in Donaueschingen und Blumberg ungewöhnlich deutlich
übers Landesmaß hinaus. Wer sich unter Eltern umhört, der weiß, dass in sehr vielen
Fällen von Beginn an die Überlegung dahintersteht, dass die Kinder ja später über das
WG weiterkommen können. |
Im
Klartext: Seit Jahren braut sich mit jedem neuen Realschul-Boom-Jahr das
Überlastungs-Dilemma am WG zusammen. Jetzt steht man vor vollendeten Tatsachen. Und
nachrückende Realschul-Abgangsklassen werden eher noch stärker betroffen sein, wenn
jetzt keine Notreparatur stattfindet. Das Prinzip der Chancengleichheit im Bildungssystem
ist für den Raum Donaueschingen außer Kraft gesetzt. Sind Baaremer Kinder dümmer als
andere? Wer hinter die Kulissen schaut, findet andere Erklärungsketten für das Phänomen
der "Gymnasialflucht" und "Realschul-Liebe". Auch davon weiß man im
Innenzirkel des lokalen Schulwesens längst: Es geht um den "FG-Effekt".
Jahrzehnte lang wurde das Fürstenberg-Gymnasium in seiner Positionierung als einzige
allgemeinbildende Oberschule des Mittelzentrumsbereichs ausgebaut. Wo andere Landstriche
auf Schulenvielfalt setzten, entstand hier ein Moloch mit mehr als 1000 Schülem und
weiten Wegen im Einzugsgebiet. Schon deshalb ziehen viele Blumberger den Gang zur dortigen
Realschule vor. Doch die Fixierung auf das FG rächt sich auch in anderer Hinsicht: Dieses
Gymnasium hat keinen besonders guten Ruf', sagt ein ausgewiesener Kenner der
Schulenlandschaft und benennt Gründe: "Am FG hat sich seit 30 Jahren nichts bewegt,
Lehrmethoden und Verhältnis Lehrer/Schüler sind veraltet, das Lehrerkollegium
überaltert, von schülerzentriertem Unterricht, wie er heutzutage absolutes Muss ist,
kann keine Rede sein.« Eine besorgte Diagnose aus der Deckung der Anonymität heraus,
denn das Rühren an solchen Umständen scheint tabu in Donaueschingen. Doch wer in
Elternkreise hineinhört, insbesondere auch in den Nachbarorten Bräunlichen und Hüfingen,
der findet diese Eindrücke wieder. Viele meiden das Fürstenberg-Gymnasium verunsichert.
Aktuelles Signal dazu: Realschul-Chef Laschinger meldet, dass von 183 Neuanmeldungen 43
die Gymnasial-Empfehlung hatten, aber verzichteten. Ein Signal für Reforrnbedarf an
Donaueschingens größter allgemeinbildender Schule. Sonst wird auch eine dritte
WG-Eingangsklasse das Baaremer Bildungsdilemma nicht lösen. |
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Dokumentation aus dem Südkurier >
24-06-2002< Lokalausgabe Donaueschingen
Hinweis:
An dieser Stelle veröffentlichen wir Presseberichte die sich mit
unserer Schule befassen. Für die jeweiligen Inhalte sind wir nicht
verantwortlich, auch geben diese nicht unbedingt unsere Meinung wieder.
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