Realschule überholt Gymnasium
Für 3400 Jugendliche hat das neue Schuljahr an den städtischen Schulen Donaueschingens begonnen, 250 weitere stoßen in den kommenden Tagen als "ABC-Schützen" dazu. Viele von ihnen erleben teils gravierende Veränderungen im Schulalltag. Eine markante Merkzahl betrifft die weiterführenden Schülen: Erstmals hat die seit Jahren boomende Realschule mehr Schüler als das stagnierende Fürstenberg-Gymnasium.
Donaueschingen - Nach letzter offizieller städtischer Zahl hat das Fürstenberg-Gymnasium im neuen Schuljahr noch 1050 Schüler (Vorjahr: 1071). Damit setzt sich der leichte Rückgang der letzten Jahre fort. Im Gegentrend steigt die Schülerzahl an der Realschule nach starken
Zuwachsjahren noch einmal leicht an auf 1086 (Vorjahr: 1069). Nach den Stadtzahlen, die zu den letztgültigen Echtzahlen noch leicht differieren können, beginnen 120 Kinder als Fünftklässler am Gymnasium, 187 gehen an die Realschule.
Richtung Ganztagesschule
Einschneidende Ansätze im täglichen Schulbetrieb werden vor allem in den Grund- und Hauptschulen der Stadt spürbar. Auf die Schüler der Eichendorff-Hauptschule kommt ab sofort deutlich mehr Nachmittagsunterricht zu, "vormittags gibt es dafür oft nur noch vier bis fünf statt sechs Stunden", so Rektor Reinhard Zatschler. Zum einen will er damit bewusst die Kluft verringern zwischen "normalen Vormittagsschülern" und den schon bisher stärker nachmittags eingebundenen Betreuungsschülern der Kleinklassen. Zum anderen ist es der schleichende Einstieg in die angestrebte Ganztagesschule. Bisher fand nachmittags vornehmlich Sportunterricht statt, der aus Hallenbelegungsgründen nicht am Vormittag machbar war. Jetzt wird jede Klasse wird im Schnitt einen Nachmittag pro Woche voll mit Unterricht ausgelastet sein. Die nächste Stufe ist schon in Sicht: "Wir rechnen noch dieses Jahr mit der Genehmigung zur Ganztagesschule", so Zatschler. Dann soll mit aufgestockter Lehrerstundenzahl der Nachmittag weiter betont werden. Wie weit diese Entwicklung in eine vollwertige Ganztagesschule im klassischen Sinne münden wird, hängt für Zatschler vor allem von räumlichen Möglichkeiten ab.
Spielraum für Zusatzangebote
Mit der Stundenzuweisung für jetzt 48 Lehrer ist Zatschler ebenso zufrieden ("wir können neben dem Regelunterricht noch AGs für Schwimmen und den Technik-/Computerbereich anbieten") wie Renate von Witzleben in der Erich-Kästner-Grundschule. Hier reichen die bewilligten Zusatzstunden für Theater-, Chor- und Instrumental-AGs sowie erstmals eine Computer-AG. "Computer werden ganz verstärkt auch zum Unterrichtsinhalt", sagt Witzleben an, nachdem ein Sponsor die Geräteausstattung ermöglichte.
Ganz neue Methoden
Mit 17 Lehrern geht die Kästnerschule teils neue Wege. Die "bewegte Schule" ist ein erklärter Schwerpunkt: Schulstunden sind nicht mehr starre 45 Minuten lang, sondern richten sich flexibel nach dem aktuellen Unterrichtsverlauf; angeleitete Bewegungspausen kontrastieren mit den Konzentrationsphasen. "Für mehr Sportunterricht wird kaum Platz im Stundenkontingent sein, aber das Sich-Bewegen innerhalb des Unterrichts wird eine wichtige Rolle spielen", so Witzleben. Verstärkt findet Klassenlehrer- statt Fachlehrerunterricht statt. So ist die flexible Unterrichtsgestaltung leichter machbar.
Fremdsprachen-Experimente
Erstmals findet integrierter Französisch-Unterricht statt: Die Fremdsprache ist nicht nur abgeschottete Stundenplan-Einheit für sich, sie taucht auch in anderen Fächern immer wieder auf. Mit Susanne Stehl ist eine speziell ausgebildete Lehrerin jetzt dafür an die Schule gekommen. Auch neu in der Kästnerschule: Englisch-Unterricht als kommerzielles Angebot, angestoßen und finanziert von den Eltern, gestaltet vom Institut Matura, die Schule stellt Räume bereit.
Leitungsfrage noch unklar
Auf den amtlichen Rektorentitel muss die engagierte (kommissarische) Schullenkerin Renate von Witzleben noch warten. Fast neun Monate nach dem plötzlichen Amtsverzicht von Beatrix Sahmer ist die Leitungsstelle noch nicht einmal ausgeschrieben. Vor dem Frühjahr werde sich nichts tun, heißt es.
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