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Donaueschingens eigene "Pisa-Studie"

Elternbeiräte stoßen Denkprozess an: Was muss besser werden an Schulen, in Elternhäusern?

Donaueschingen (ath) Die Pisa-Studie brachte es ans Licht: Sowohl bei den Grundkenntnissen als auch bei den hohen Leistungen hinken deutsche Schüler hinterher. Einen Vorstoß, um den Misständen zumindest im kleinen Rahmen entgegenzuwirken, unternimmt jetzt der Gesamtelternbeirat der Donaueschinger Schulen. In ihren jüngsten Sitzungen haben die Elternvertreter mehrere verbesserungswürdige Punkte herausgearbeitet, die an die Eltern verteilt werden. Zu diesen Kritikpunkten gehören unter anderem zu große Klassen und der von vielen Eltern vernachlässigte Erziehungsauftrag frei nach dem Motto "Die Schule wird's schon richten". Während nach der Veröffentlichung der Pisa-Studie Politiker, Lehrer und Verbände den schwarzen Peter hin- und herschoben, wollen die Donaueschinger Elternbeiräte nun Nägel mit Köpfen machen. Der jetzt laufende Diskussionsprozess soll Verbesserungsansätze liefern, die dann der Baaremer Öffentlichkeit in Form eines Denkpapiers präsentiert werden.
"So lange die Stundenbelastung der Lehrer nicht sinkt, werden Verbesserungen nicht viel bewirken", prophezeit Klaus-Peter Bernstorff, Vorsitzender des Gesamtelternbeirats aller städtischen Schulen in Donaueschingen, der sich nicht damit abfinden will, dass Deutschland eines der "schlechtesten Bildungssysteme der westlichen Welt" unterhält, wie manche Kritiker qualifizieren. "Wenn ein Lehrer 30 Stunden pro Woche unterrichtet und jede Stunde eine halbe Stunde vorbereitet, kann dabei kein guter Unterricht herauskommen", kritisiert Bernstorff.
Gleichzeitig müssten sich die Eltern mehr für ihre Kinder einsetzen: "Es ist nicht allein damit getan, sie in die Schule zu bringen und mittags wieder abzuholen", stellt er klar. Doch gerade das scheint vielen Eltern nicht klar zu sein, so dass Lehrer oft einen Teil der Erziehung übernehmen müssen - dann allerdings bleibt der Unterricht auf der Strecke.
Doch nicht nur die Eltern sind nach Bernstorffs Meinung mit schuld an dem vernichtenden Pisa-Zeugnis. "Die Öffentlichkeit hat zum eine falsche Einstellung zum Thema Bildung", beklagt er 45-Jährige. Wissen verliere immer mehr an Stellenwert - eine bedenkliche Entwicklung, denn nach wie vor öffnet der Schulabschluss, kombiniert mit einer guten Allgemeinbildung, die Pforten ins Berufsleben.
Fehlen diese Grundlagen, ist es für Schulabgänger nicht nur schwer, überhaupt einen Ausbildungsplatz zu finden, sondern auch, sich weiter zu qualifizieren, denn Lernen will gelernt sein.
Klassengefälle zu groß
Ein weiterer konkreter Kritikpunkt der Elternbeiräte ist, dass Erstklässler selten mit einheitlichem Niveau eingeschult werden. So sitzen in den Klassen ABC-Schützen, die schon ein wenig lesen und schreiben können neben anderen, die zum Teil gar nicht der deutschen Sprache mächtig sind. Das Ergebnis: Der Unterricht geht nicht voran, und kein Lehrer ist in der Lage, einem Schüler innerhalb von vier Wochen ein fließendes Deutsch beizubringen, um Aufgabenstellungen verstehen zu können. Das wird zusätzlich durch den Klassenteiler erschwert, der in Deutschland seit Jahren bei 33 Schülern liegt. "Lehrer können nicht auf jeden einzelnen eingehen, wenn in einer Klasse 31 oder 32 Kinder sitzen", sagt Bernstorff. Schüler, die mit diesem Frontalunterricht nicht mithalten können, bleiben auf der Strecke, wie auch die Pisa-Studie bestätigte. Auch hier sind die Eltern gefragt, ihren Kindern die Möglichkeit zur Integration zu geben oder sie auch selbst so gut als möglich zu fördern.
Bernstorffs Vorgänger Bruno Fliß, aus Döggingen, der in der Schulkonferenz der Realschule engagiert ist, hält die Lehrer ebenfalls nicht für die alleinigen Verursacher der Bildungs-Misere. "Es sind immer die gleiche Eltern, die sich engagieren", berichtet er, räumt gleichwohl aber ein, dass es für viele zeitlich gar nicht möglich ist, sich in das Schulleben einzubringen.
"Viele sind schon damit überfordert, bei ihren Kindern Suchtprävention zu betreiben", meint er, "wie sollen dann andere, größere Probleme bewältigt werden?" Fliß sieht in der Problematik rund um die Pisa-Diskussion einen Rattenschwanz, den es zu durchbrechen gilt. "Es sollte mehr Geld in die Bildung investiert werden", resümiert er, "denn je weniger das geschieht, umso mehr Mittel müssen in die Kriminalprävention oder in Programme für arbeitslose Jugendliche fließen."

Die Pisa-Studie

PISA steht für Program for International Student Assessment und ist die weltweit größte Untersuchung von schulischen Leistungen. Im Jahr 2001 hat die Studie dem deutschen Schulsystem ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Im internationalen Vergleich schneiden nur wenige Länder noch schlechter ab. An der Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nahmen 32 Länder teil, Deutschland landete insgesamt auf Rang 25. So kamen deutsche Schüler bei der wichtigsten Grundfähigkeit Lesen je nach Sparte auf Rang 21 bis 25. Im Bereich Mathematik sah es auch nicht besser aus; hier wurde Platz 20 bis 22 erreicht. Auch bei der Chancengleichheit deckte PISA erhebliche Mängel auf. So entscheidet in Deutschland die soziale Herkunft stärker als in allen anderen Industrieländern über Erfolg und Misserfolg in der Schule. Nicht zuletzt offenbarte die Studie eine geringe Integration ausländischer Schüler in das deutsche System. ath

Dokumentation aus dem Südkurier  >  12-2-02<      Lokalausgabe Donaueschingen

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