Landeskunde
mit Händen und Füßen erleben
Kobna Anan aus Ghana berichtet Schülern über seine Heimat
Donaueschingen (ff). Passanten mögen sich auf der Straße vor dem Verkehrsamt
verwundert die Augen gerieben haben. Der Klang von Buschtrommeln aus den Räumen der
Stadtbibliothek war in der Tat nicht alltäglich. Drinnen löste sich das Rätsel hingegen
schnell. Kobna Anan aus Ghana bot 90 Schülern aus Donaueschingen Länderkunde der
faszinierenden Art.
Kobna Anan (rechts) faszinierte 90 Schüler der Eichendorfschule, der Realschule
sowie des Fürstenberg-Gymnasiums mit einer Schulstunde der besonderen Art. Foto: Filipp
Der Kulturreferent aus West Afrika schickte die Jugendlichen der Eichendorfschule (6a),
der Realschule (6c) sowie des Fürstenberg-Gymnasiums (6d) mit ihren Klassenlehren in
Zusammenarbeit mit Terre des Hommes, Ortsgruppe Donaueschingen, und der Stadtbibliothek
mit Tanz, Musik und Geschichten auf eine spannende Reise in sein Heimatdorf Oguaa (Cape
Coast).
Klar, dass sich die Schüler die Aufforderung zum Mitmachen und Einstudieren der
Tanzschritte nicht zweimal sagen ließen. Anan, der Schauspielkunst und
Theater-Wissenschaft in England studiert hatte, konnte dabei einen breiten Bogen
verschiedener Elemente der Kultur seiner Heimat und der Lebensweise auf dem afrikanischen
Kontinent spannen. Für die Schüler eine Gelegenheit, anhand von Informationen aus erster
Hand den Blick in eine fremde Welt zu werfen.
Was eignet sich dazu auch besser, als Bilder sprechen zu lassen. Mit dem Märchen vom
»Lied der Vögel« brachte Anan nicht nur Stammessitten und Geschichten aus seiner
eigenen Kindheit in Ghana näher. Als Dorfsprecher, dem so genannten Okyeame trat er mit
dem Altestenstab zudem vor die in der Stadtbibliothek auf gebauten Hütte.
»Der Stab mit einem symbolisch ausgeformten Ei soll zugleich auch die Verantwortung
zeigen, behutsam mit seiner Heimat umzugehen«, stellte er seinen Bemühungen voran. Auch
Wissenswertes erfuhren die Schüler über die seit 1957 unabhängige ehemals britische
Kolonie an der Goldküste, deren erster Kontakt nach Europa bereits ins Jahr 1470 zurück
reicht, als Portugiesen dort mit ihren Schiffen landeten. Ghana, ein halb-industrielles
Land war jedoch in 60-er und 70-erjahren auch durch politische Unruhen in den Focus der
westlichen Welt
gerückt. »Wir sehen die Veranstaltung deshalb auch als ein Angebot, nach dem 11.
September zur politischen Aufklärung beizutragen«, so Heidemarie Matthaei, die Leiterin
der Bücherei. Ein Ziel, das die Sprecherinnen von Terre des Hommes in der Donaustadt,
Gerda Schmid sowie Roswitha Seil, im Gespräch mit dem Schwarzwälder Bote nur unter
streichen konnten. Ein Anliegen, das Kobna Anan nach dem tosenden Applaus und der
Abstimmung mit den Füßen zum Ende des noch ungewöhnlichen Unterrichts nach anderthalb
Stunden offensichtlich mehr als gelungen ist. Nicht umsonst wurde der heute in Horb
lebende Künstler 1998 zum offiziellen Kulturbotschafter seines Landes ernannt. |