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"Turbo-Abi" umstritten
Glunk nennt es "überfällig" , Moch ist skeptisch

Donaueschingen · "Turbo-Abi" für alle: Nach der neuen Oberstufenreform sollen Gymnasiasten in Zukunft ihr Abitur in Baden-Württemberg in acht Jahren machen dürfen, bisher galt die Regelung von neun. Dabei werden Deutsch, Mathe und eine Fremdsprache zu verbindlichen Kernfächern. Ziel ist es die Allgemeinbildung bei Schülern zu fördern, damit soll einer Spezialisierung entgegen gewirkt werden. Manfred Glunk, Schulleiter des Fürstenberg-Gymnasiums: "Diese Regelung ist seit 20 Jahren schon überfällig." Nicht ganz derselben Meinung ist Studiendirektor Gerhard Moch vom Wirtschaftsgymnasium: "Bei Behaltung des Lehrstoffs könnte es zu Eliteklasse kommen."


Gerhard Moch, Studiendirektor des Wirtschaftsgymnasiums, hat Bedenken über die anstehenden Veränderungen: "Viele Eltern und Schüler wollen dem immer stärker aufkommenden Druck in der Schule nicht mehr standhalten."
Eine etwas andere Sichtweise vertritt da Schulleiter Manfred Glunk vom Fürstenberg-Gymnasium: "Diese Regelung ist schon seit zwanzig Jahren überfällig", bekundet er unmissverständlich seine Freude über die neuesten Entwicklungen im Kultusministerium. Es sei endlich an der Zeit gewesen, die Schulzeit zu verkürzen, um frühzeitig einen Beruf zu erlernen. Glunk erinnert sich da noch an andere Zeiten: "Mit 27 war ich mit meinem Referendariat fertig, heute dagegen geht es einfach zu lange." Zeitverzögernd sind da Schule, Bundeswehr/Zivildienst und Ausbildung eventuell noch Studium, die unweigerlich dazu führen, dass es zu einer "Überalterung" der Berufsanfänger kommt.
"Im Vergleich zum Ausland sind unsere Abiturienten alle älter, deshalb finde ich diese Regelung auch nicht schlecht", gleichzeitig weist Studiendirektor Gerhard Moch aber darauf hin, dass es unter Beibehaltung des Lehrstoffs zu Eliteklassen kommen könnte, von "Turbo Klassen", ist da die Rede.
Von derartigen Entwicklungen möchte Schulleiter Glunk aber nichts wissen: "Sowohl Schüler als auch Lehrer müssen eben konzentrierter arbeiten." Ein Lehr-Bereich dürfe für Glunk, auf die Frage welche Themen zu behandeln seien, auf keinen Fall fehlen: "Die klassischen Themen wie Goethe oder Faust müssen erhalten bleiben, das gehört einfach zum gebildeten Menschen dazu." In diesem Punkt kann Moch vom Wirtschaftsgymnasium beipflichten. "Goethe und Faust sind unentbehrlich im Lehrplan, aber bei Reduzierung der Zeit halte ich eine Kürzung des Lehrstoffs für angebracht", sagt Moch. An diesem Punkt müsste man sich laut Moch Gedanken machen, welcher zu behandelnde Lehrstoff noch Sinn macht. Viele Lehrinhalte entsprechen nicht mehr der zeitgemäßen Entwicklung und bedürfen einer Aktualisierung, das steht für den Leiter des Wirtschaftsgymnasiums fest.

LEVENT TAN


Dokumentation aus der Badischen Zeitung > 11-4-01<  Lokalausgabe Donaueschingen