Zurück zur Presse-Übersicht

Jugendliche helfen Jugendlichen

Pilotprojekt: Schüler kümmern sich um Klassenkameraden mit Suchtproblemen

Donaueschingen - Drei Donaueschinger Schulen beschreiten gemeinsam einen in der Region bisher einmaligen Weg, um Schüler über Suchtgefahren aufzuklären, beziehungsweise beim Ausstieg zu helfen: Am Fürstenberggymnasium, der Realschule und der Hauptschule Eichendorff versuchen sich mit der Problematik vertraute Schüler als Suchtberater. Der Leitgedanke: Jugendliche helfen Jugendlichen. Das Jugendamt und die Jugend- und Drogenberatung des Kreises stehen hinter dem Projekt, dessen Finanzierung bis Schuljahresende gesichert ist.

Nur eine gestellte Szene: Drogenkonsum und Drogensucht;
 meist in der Gemeinschaft werden Schüler zum ersten Mal damit
konfrontiert. (Bild: Archiv/Kern)

Sucht hat bei Kindern und Jugendlichen viele Gesichter: Zum Beispiel die Zigarette, die jede große Pause geraucht werden muss. Ohne weiche Drogen wie Haschisch oder Alkohol ist manch einem die Klassenparty viel zu dröge. Oder da ist das 14-jährige Mädchen, dass sich nach dem Essen den Finger in den Hals steckt, um schlank zu bleiben und einem Schönheitsideal nachzueifern. Und wieder andere verzocken ihr ganzes Taschengeld an Geldspielautomaten.
Drei Donaueschinger Schulen wollen nun neue Akzente bei der Suchtprävention setzen. An der Eichendorff-Hauptschule, der Realschule und dem Fürstenberg-Gymnasium haben sich rund 20 Schüler und fünf Lehrer gefunden, denen Experten des Stadtjugendrings und der Jugend- und Drogenberatung des Kreises Basiswissen über Suchtmittel und Erkennungsmerkmale von Suchten vermitteln.
Die Idee zu dem Projekt wurde im Rahmen der Vorbereitungen von "Goodbye Jennifer", einem Musical, das über Suchtgefahren informiert, geboren. Es kam im März des vergangenen Jahres auf die Bühne. Eine Spende der Sparkasse, die nach der Aufführung erfolgte, bildet den finanziellen Grundstock für das Projekt Jugend-Suchthelfer. Eine Finanzspritze bewilligte daneben der Kreis, und am nächsten Mittwoch erhalten die Projektkoordinatoren, Donaueschingens Stadtjugendpflegerin Sabine Kühn und Roland Kurz vom Badischen Landesverband gegen Suchtgefahren, noch einen Scheck vom Gesamtelternbeirat. Damit sind die Kosten in Höhe von rund 5000 Mark bis Ende des Schuljahres gedeckt.
Sabine Kühn ist von dem neuen suchtpräventiven Ansatz überzeugt. Jugendliche sprächen dieselbe Sprache und öffneten sich Gleichaltrigen gegenüber leichter als gegenüber Erwachsenen. "Die Hemmschwelle ist einfach viel geringer und von einem Gleichaltrigen sind auch keine Sanktionen zu erwarten", sagt die Sozialpädagogin. Zusammen mit Roland Kurz und zwei weiteren Trainern macht Sabine Kühn die Jugendlichen und betreuenden Lehrer fit für deren Aufgaben. Damit der Spaß nicht zu kurz kommt, ist an ein Hüttenwochenende gedacht. Ziel sei es, die Jugendlichen, sie kommen aus den Klassen sieben bis zehn, sensibel für mögliche Suchtprobleme ihrer Klassenkameraden zu machen. Ganz wichtig: "Uns geht es nicht um Bevormundung oder Schnüffelei", so Sabine Kühn. Ihr gefällt, dass sich fast genauso viele Jungen wie Mädchen in die ehrenamtliche Arbeit einbringen. Das sei im sozialen Bereich alles andere als gewöhnlich.
Welche Aktionen die Suchthelfer in ihren jeweiligen Schulen anstoßen, darüber machen Kühn und Kurz keine Vorschriften. Sie geben aber Tipps, helfen bei der Organisation oder kümmern sich um Infomaterial. Denkbar seien Ausstellungen zum Thema, man könne ein Theaterstück einstudieren, eine Sprechstunde einrichten, einen Anti-Drogen-Song komponieren oder "Events" veranstalten.

VON SÜDKURIER-REDAKTEUR
HOLGER NIEDERBERGER


 

Dokumentation aus dem Südkurier  >20-1-01<      Lokalausgabe Donaueschingen

Zurück zur Presse-Übersicht