"Wir wollen Fasnacht ohne Alkohol"
Schüler des Gymnasiums haben wenig Verständnis für
Streichung des Fasnetballs · Direktor Glunk: Einmaliges
Zeichen
Donaueschingen (ng) Die Nachricht traf alle
Schüler des Fürstenberg-Gymnasium wie ein Schlag: Der
Schmutzige Dunschtig fällt dieses Jahr an der Schule aus (der
SÜDKURIER berichtete gestern). Aber das war noch nicht alles,
anstatt Party gibt es zusätzlichen Unterricht. Am 8. März müssen
alle Schüler des Fürstenberg-Gymnasiums nachmittags drei
Schulstunden nachholen. Pauken statt Feiern.
Aber warum das alles, ist der Schule etwa die Lust zum Feiern
vergangen, oder lernen die Schüler zu wenig. Aufschluss gab
Schulrektor Manfred Glunk. "Wir müssen ein Zeichen
setzten." Glunk sprach jüngste Vorfälle am
Weihnachtsmarkt des Gymnasiums an. Dort mussten zwei
betrunkene Schüler wegen übermäßigem Alkoholkonsum mit dem
Krankenwagen abgeholt werden. Das Gerücht kursiert sogar,
dass einer der beiden betrunkenen Schüler ein Messer bei sich
hatte. "Wenn man schon Angst haben muss, dann hört es
auf", so Rektor Glunk. Um zu zeigen, dass es so nicht
geht, fällt dieses Jahr die Fasnacht an der Schule aus.
Ball erst wieder 2002
Dieses "Zeichen" allerdings soll einmalig gesetzt
werden. Schon nächstes Jahr wird der Schmutzige Dunstig
wieder wie gewohnt stattfinden. Außerdem hat die Schule ein
Gremium einberufen, das sich Gedanken darüber machen soll,
wie man mit Schülern friedlich, ordentlich und anständig
feiern kann.
Haben die Schüler Verständnis für den Beschluss der Schule,
oder fühlen sie sich gar um ihre Fasnacht betrogen. Der SÜDKURIER
fragte nach:
Die Schüler einer sechsten Klasse haben gleich reagiert und
ein Transparent in der Schule aufgehängt "Wir wollen
Fasnacht ohne Alkohol".
"Normalerweise haben wir eine Feier, jetzt haben wir
Unterricht", so äußerte sich Lukas Lenzki aus der
achten Klasse zu dem Beschluss der Schule. Ähnliches sagte
auch Volker Heine, ebenfalls achte Klasse. Er finde es nicht
gut, dass der Unterricht nachgeholt werden müsse. Dennis
Eckert, auch aus der achten Klasse, sagte: "Wir können
doch nichts dafür, dass die Großen sich betrinken",
sein Klassenkamerad Christian Frässle pflichtete bei
"wir können doch weiterhin Spaß haben, die Schuldigen
sollen zur Rechenschaft gezogen werden, nicht wir".
Zwei Neuntklässler sehen das ähnlich, Christian Kiefer ärgerte
sich über den Vorfall am Weihnachtsmarkt. "Wir müssen
das jetzt ausbaden", sein Freund Fabian Higel fügte noch
hinzu, dass es nicht gut !-- TEXTANFANG>
sei, den Unterricht am Nachmittag nachholen zu müssen.
"Schade, dass wir hier an der Schule jetzt kein Fest mehr
haben, das Lehrer und Schüler zusammenschweißt und bei dem
alle immer viel Spass hatten", meint Sebastian Schmidt
aus der zwölften Klasse.
Auch sein Mitschüler Mario Roth bedauert die Streichung des
Festes "es war immer lustig, wir haben uns mit den
Lehrern getroffen, die haben mitgefeiert, das Fest fehlt
einfach".
26-1-01

Schulfasnacht am Gymnasium ist abgesagt
Kollegium will ein Zeichen gegen zunehmenden
Alkoholmissbrauch bei älteren Schülern setzen
Donaueschingen. Sturzbetrunkene Schüler und Randale bei der
Weihnachtsfeier sowie Gerüchte, dass sich solches am
Schmutzigen Dunschtig wiederholen könnte, haben Kollegium und
Schulleitung des Fürstenberg-Gymnasiums veranlasst, die
Notbremse zu ziehen. Die Schulfasnacht am Schmutzigen
Dunschtig fällt aus, die Schule bleibt zu. Die ausfallende
Schulzeit soll am 8. März nachgeholt werden.
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Die Nachricht ging in der Schule herum wie ein
Lauffeuer und vor allem die Unterstufenschüler waren
tief enttäuscht, dass ihnen die Schulfasnacht
gestrichen werden soll. "Jetzt werden wir dafür
bestraft, dass die Älteren saufen", beschwerten
sich einige bei ihren Klassenlehrern. Und genau das
ist auch der Grund, warum sich die Verantwortlichen zu
diesem Schritt entschlossen haben.
In stark zunehmendem Maße war festgestellt worden,
dass immer häufiger und mehr Schüler bei
Schulveranstaltungen und Festen Alkohol trinken und
nachher dann nicht nur selber Probleme hatten, sondern
solche auch den Veranstaltern bereiteten. Das reichte
von Randale bis hin zur Alkoholvergiftung mit
Krankenhausaufenthalt (siehe unten stehenden Bericht).
Die Initiative, so Rektor Manfred Glunk gestern gegenüber
dem Schwarzwälder Boten, sei daher auch von den
Vertrauenlehrern und der Schülermitverwaltung
ausgegangen, die überwiegend die Organisation solcher
Veranstaltungen übernimmt. "Die SMV gerät durch
solche Vorfälle ja auch selber immer wieder in
Misskredit". Im Kollegium trafen die jungen Leute
auf großes Verständnis.
Das Thema wurde jüngst in einer Konferenz beraten,
vor allem auch in Hinsicht auf die nächste
Veranstaltung am Schmutzigen Dunschtig. SMV und
Lehrerschaft, so Glunk, hätten übereinstimmend die
Verantwortung dafür abgelehnt. Mit der Entscheidung
von Schulleitung und Kollegium, am Schmutzigen
Dunschtig die Schule gänzlich zu schließen, soll
nunmehr ein deutliches Zeichen gesetzt werden, dass
Saufen und Randale keine Zukunft an der Schule haben.
Es wurde ein Gremium gebildet, bestehend aus Lehrern
und Schülern, dass in den kommenden Monaten
einerseits die Qualität von Schulveranstaltungen prüfen,
andererseits aber auch Veranstaltungsregularien und
Vorschläge zur Abhilfe von Auswüchsen erarbeiten
wird. "Es soll wieder mehr Qualität in solche
Veranstaltungen hinein kommen, ohne dass deswegen aber
der Spaß genommen wird", meint Manfred Glunk.
Die am Schmutzigen Dunschtig ausfallen drei Stunden
werden, so der Rektor, am Donnerstag, 8. März,
nachmittags nachgeholt. Die Eltern werden in den nächsten
Tagen über die Gründe und Maßnahmen in einem
Rundbrief informiert, der den Schülerinnen und Schülern
mitgegeben wird. Für die Unterstufenschüler ließ
Manfred Glunk übrigens dann doch noch ein wenig
Hoffnung auf schulische Fasnachtsfreuden aufkommen.
"Wir werden für sie nach einem pädagogisch
sinnvollen Weg suchen".
Von Achim Stiller (sb)
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Die Auswüchse nahmen immer mehr Überhand
Höhepunkt war ein Alkoholexzess vor Weihnachten
Donaueschingen (asti). Verschlossene Gymnasiums-Türen am
Schmutzigen Dunschtig - diese Maßnahme hat eine dramatische
und für manche Schülergruppen wenig rühmliche
Vorgeschichte. Es wird aber nicht nur bei Absage der
Schulfasnacht bleiben. Das Thema Alkohol und Drogen wird künftig
in verstärktem Maße Unterrichtsinhalt werden.
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Dass Schüler bei oder vor schulischen
Veranstaltungen Alkohol getrunken hatten, kam immer
wieder einmal vor, in den vergangenen Monaten
allerdings nahmen solche Vorkommnisse erschreckende
Ausmaße an. Der drastischste Fall passierte kurz vor
den Winterferien beim Weihnachtsbasar. Eine Gruppe von
30 bis 40 Schülern hatte sich bereits am Vorabend
getroffen und die ganze Nacht hindurch reichlich Bier
und Spirituosen zugesprochen. Am Morgen deckte sich
die Gruppe im nahen Minimal-Markt erneut mit
alkoholischen Getränken ein, was letztlich auch beim
traditionellen Engelsingen der Zwölftklässler zu hören
und zu sehen war. Zwar bekamen es die meisten
Basarbesuchern gar nicht mit, dennoch endete die Sache
im Eklat, denn vier Schüler mussten mit zu vielen
Promille im Blut ins Krankenhaus eingeliefert werden,
einer davon schwebte über einige Stunden hinweg in
akuter Lebensgefahr.
Dabei zeigte sich aber auch, dass der Alkoholkonsum
nicht nur auf Oberstufenschüler beschränkt ist,
sondern auch schon die 14- bis 16-Jährigen zulangen.
Ein Zehntklässler war bei der gleichen Veranstaltung
im angetrunkenen Zustand der Meinung, seine Freunde würden
beleidigt und zog ein Messer. Beherztes Eingreifen von
Schülern und Lehrern verhinderte schlimme Folgen.
Kritik wurde nicht nur von der Lehrerseite laut,
sondern auch von Eltern. Damit aber sah sich die Schülermitverwaltung
als Veranstalter unberechtigt in die Rolle des Sündenbocks
gerückt und drängte, gemeinsam mit den
Vertrauenslehrern auf Unterstützung. Die Absage der
Schulfasnacht ist nach dem Beschluss der
Gesamtlehrerkonferenz eher als äußeres Zeichen zu
verstehen. Danach aber soll das Thema Alkoholkonsum
und Drogen in der Gesellschaft aber auch im sozialen
Gefüge der Schule noch stärker im Unterricht
aufgegriffen werden.
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Ende der Sorglosigkeit
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(asti). Es ist wie so oft in unserer Gesellschaft,
einige wenige bauen Mist und die große Mehrheit
leidet darunter. Ist die Schülerschaft des Fürstenberg-Gymnasiums
also ein Spiegelbild unserer Gesellschaft? Das trifft
wohl zu. Protzgehabe und offen zur Schau getragenen
Sorglosigkeit mit der Droge Alkohol müssen übrigens
nicht verwundern, wenn in Magazinen, Filmen, TV-Serien
und vor allem in der Werbung die persönliche Freiheit
über alles, selbst über Gesetze geht, soziale Rücksichtnahme
antiquiert ist und Alkohol als ständiger Wegbegleiter
des so genannten Lifestyle gilt. Bemerkenswert ist,
dass am Fürstenberg-Gymnasium Schüler und Lehrer
gleichermaßen die Initiative ergriffen und dem
eigenen Haus eine längerfristig angelegte Therapie
verordnet haben. Dies darf durchaus als Zeichen dafür
gewertet werden, dass sich das Gros der Fürstenberger
mit seinem Verantwortungsbewusstsein innerhalb der
gesellschaftlichen Toleranzlinien bewegt. Erschreckend
hingegen ist, dass das Problem Alkohol zunehmend auch
jüngere Schülerjahrgänge erreicht hat. Hier ist
aber zunächst einmal das Elternhaus gefordert, denn
nicht jede pädagogische Verantwortung kann auf die
Schule abgewälzt werden.
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24-01-2001
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Dokumentation aus dem Südkurier und
Schwarzwälder Boten Lokalausgaben
Donaueschingen
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