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Vom Hallodri zum Lebensretter Schindler
aus Zeitzeugen-Sicht
Mietek Pemper berichtete im Fürstenberg-Gymnasium über seine Erfahrungen
Von Andrea Vetter
Donaueschingen. Im Gegensatz zur aktuellen Debatte um die Zeit vor 30 Jahren sind auch Themen, die in weiterer Vergangenheit liegen, für die jugendlichen von heute höchst interessant: Am Fürstenberg-Gymnasium berichtete Mietek Pemper, ein von Oskar Schindler geretteter Jude deutsch-polnischer Abstammung, von seinen Erfahrungen während des zweiten Weltkrieges In Krakau.

Mietek Pemper (links), ein so genannter Schindler-Jude, war gestern zu Gast im Fürstenberg-Gymnasium und berichtete über seine Erfahrungen. Deutsch-Fachbereichsleiter Rüdiger Schell (rechts) begrüßte den Gast.
Foto: Vetter
Gebannt lauschten die über 90 Schüler des Abiturjahrganges den Ausführungen es alten Mannes, der über eine Zeit berichtete, die die Jugendlichen sonst nur noch aus den Geschichtsbüchern kennen. Nach den Erzählungen von Pemper und anderen Überlebenden von damals entstand der Steven-Spielberg-Film »Schindlers Liste«. »Er ist natürlich ein guter Regisseur mit Gespür für dramatische Szenen«, erklärt Pemper einzelne Abweichungen des Filmes von der Historie. Im Großen und Ganzen gebe der Film jedoch die Atomsphäre und die Vorgänge jener Zeit authentisch wieder. Pempers Erlebnisse fanden im Spielberg-Film in der Rolle des Isaak Stern ihren Niederschlag.
Vom Standpunkt des unmittelbar am Geschehen beteiligten schilderte der heute 80-jährige leicht über das Pult vornübergebeugt in ruhigen Worten wie sich »ein Hallodri wie Schindler zu einem Lebensretter hochschwingen konnte«. Zunächst beschrieb Pemper die Entwicklung der Diskrimierung der Juden vom September 1939 an bis hin zur Massenvernichtung im Konzentrationslager Auschwitz.
Mietek Pemper schilderte wie die Krakauer Juden zuerst in einem Ghetto zusammengepfercht wurden und schließlich in einer Barackensiedlung unter Bewachung der SS hausen mussten. Der junge Pemper musste, da er die Stenographie beherrschte, dem Lagerleiters Ammon Göth als Bürobediensteter zur Verfügung stehen. Durch diese Position bekam er Einblicke auch in geheime Korrespondenz der Nazis, was ihn nach dem Krieg zu einem gefragten Zeugen in Prozessen gegen unmenschliche Befehlshaber werden ließ. Für den Fabrikbesitzer Oskar Schindler war Pemper eine wichtige Kontaktperson, die ihn über die wahren Zustände im Lager auf dem laufenden hielt. 1944 errichtetet Schindler für 1200 Bedienstete, unter ihnen auch Mietek Pemper, ein eigenes Lager mit menschenwürdigeren Bedingungen, in dem die Insassen vor der »Sonderbehandlung« in Auschwitz verschont blieben.
Eifrig nahmen die Gymnasiasten im Anschluss an den eigentlichen Vortrag die Möglichkeit war, darüber hinausgehende Fragen zu stellen. Sie erfuhren, dass Pemper nach dem Krieg sehr schlecht mit seinem Erlebnissen zurecht kam. Nichtsdestotrotz formulierte er in einem
Nachkriegsprozess gemeinsam mit einem jüdischen
Rechtsanwalt ein Gnadengesuch für den KZ-Arzt Kramer, der, so Pemper, eine minderschwere Art der Todesstrafe verdient gehabt hätte, die es aber nunmal nicht gebe. »Ich habe keinen Hass auf diese Menschen«, sagt
Pemper, Ach habe nur eine große Traurigkeit, dass sich so viele Menschen in so kurzer Zeit haben manipulieren lasen«.
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