Fürstenberg-Gymnasiasten
sagen zu Französisch "Non, merci!"
Erstmals gibt es am Donaueschinger
Gymnasium im neuen Schuljahr keinen Französisch-Leistungskurs
- Trend zum "leichteren" Englisch
Donaueschingen - Man mag es gar
nicht so recht glauben: In Donaueschingen, dem Standort der
deutsch-französischen Brigade, mit engen gesellschaftlichen
Kontakten zu den Nachbarn jenseits des Rheins über Saverne,
die elsässische Partnerstadt, mit einem französischen
Kindergarten, einer deutsch-französischen Gesellschaft oder
Millau als Partnerstädten für Schüleraustausch zeigen die
Schüler dem Französisch mehr und mehr die kalte Schulter.
Erstmals wird es daher im kommenden Schuljahr keinen
Leistungskurs in Französisch geben.
An den Universitäten klagen die Professoren der
philosophischen Fakultäten über nachlassendes Interesse an
den angebotenen Studiengängen. Diese Klagen werden wohl immer
lauter werden, denn schon an der Basis, den Schulen, geht der
Trend weg von der universellen humanistischen Bildung mit den
Schwergewichten Latein und Fremdsprachen hin zu
Naturwissenschaft und Wirtschaft. Fremdsprachen bleiben bei
diesem Trend zwar wichtig. "Die Richtung geht aber hin
zur vermeintlich leichteren Fremdsprache Englisch",
bedauert die Fachbereichsleiterin für Französisch, Ursula
Kiefer.
Schon seit den achtziger Jahren gibt es keine Klassen mehr,
die mit Französisch als erste Fremdsprache am Gymnasium
beginnen wollen. Erst ab der siebten Klasse entscheidet sich
ein Teil der Schüler für Französisch. Jene Schüler, die
mit Latein an der Penne starten, nehmen als dritte
Fremdsprache sogar oft Griechisch statt Französisch. Wenn's
dann ab der 12. Klasse um die Wahl der Leistungskurse geht,
ist die Schülerdecke, die Französisch wählt, traditionell dünn.
Doch so dünn wie in diesem Jahr war es sie nie. Nur fünf Schüler,
das Gymnasium zählt im kommenden Jahr rund 1100 Pennäler,
wollten Französisch lernen. Durch einen so genannten
Aufsetzer-Kurs (drei gemeinsame Stunden mit den Grundkurs-Schülern,
zwei weitere separat) wäre auch ein Kurs zustande gekommen,
doch überraschend sind zwei Schülerinnen abgesprungen.
"Für drei Schüler können wir keinen Kurs machen, was
ich sehr bedauere", sagt der scheidende Direktor Manfred
Glunk.
Der Trend sei auch in Frankreich zu beobachten, erklärt
Ursula Kiefer. "In unserer Partnerschule in Millau wählen
die Schüler lieber Spanisch als Deutsch."
Zwar versucht man am Gymnasium mit Infoabenden für Schüler
und Eltern mit Werbung für Französisch und das ebenfalls
seit Jahren ebenfalls immer wieder schwächelnde Latein
gegenzusteuern, doch dieses Mal habe es, so Kiefer, nicht
gereicht. |
Dokumentation aus dem Südkurier
> 27-07-01< Lokalausgabe
Donaueschingen
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