Schulen sagen Reisen nach England ab
FREIBURG (Isw). Die Fälle von Maul-und Klauenseuche in mehreren Ländern Europas versetzen nun auch Verantwortliche an baden- württembergischen Schulen in Angst. Mindestens zwei Schulleiter aus dem
Schwarzwald-Baar-Kreis sagten geplante Klassenfahrten nach England ab. Das Kultusministerium rät bisher noch nicht von Fahrten nach Großbritannien, Irland und Frankreich ab, sagte ein Sprecher in
Stuttgart Derzeit werde eine Liste mit Vorsichtshinweisen verteilt. Das Ministerium empfiehlt Lehrern und Schülern, sich in den betroffenen Ländern nur in Städten aufzuhalten, Kontakt zu Klauentieren zu vermeiden und auf Hinweise zu achten. ,Im Grundsatz gilt das weiterhin", hieß es im Ministerium. Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) fordert ein Verbot für alle Schüler- und touristischen Reisen nach England und Frankreich.
24-3-01
Zaudern
vor der England-Reise
Schülerfahrt mit Risiko:
Es besteht Gefahr, bei der Rückkehr den Erreger der
Maul- und Klauenseuche einzuschleppen / Besorgte Eltern
Baar
- In England grassiert die Maul- und Klauenseuche und noch
in diesem Monat reisen über achtzig Jugendliche vom
Donaueschinger Fürstenberg-Gymnasium und von der Hüfinger
Hauptschule auf der britischen Insel an. Einige der Jungen und
Mädchen haben zuhause auf Baar direkten oder indirekten
Kontakt zu Bauernhöfen und damit zu Tieren. Besorgte
Elternfragen zur Gefahr der Übertragung beantwortete gestern
gegenüber dem SÜDKURIER der Leiter des Kreisveterinäramtes,
Michael Langer: "Es besteht die Möglichkeit, dass
Erreger über die Kleidung verschleppt werden", so der
Fachmann gestern. Kindern von Bauernhöfen rät er,
keinesfalls direkt nach Hause auf den Hof und zu den Tieren
heimzukehren. Die Klassenreisen könnten aber - bei Einhaltung
einiger Verhaltenshinweise - "dennoch statt finden",
so Michael Langer gestern weiter.
NORBERT TRIPPL
Vom Donaueschinger Fürstenberg-Gymnasium
reist eine 48-köpfige Schülergruppe am 31. März nach
London. Lehrer Franz Rabe hat "eher wegen BSE als wegen
der Maul- und Klauenseuche Bedenken". Unter anderem
deshalb sei bereits die ausschließliche vegetarische Ernährung
über das Hotel in London sicher gestellt, so Rabe gestern.
Der Pädagoge wird mit seiner Schülergruppe im Vorfeld
besprechen, dass in England "kein Kontakt mit Tieren
aufgenommen" werden dürfe. Die Gruppe hat bereits seit längerem
gebucht, hält sich fünf Tage in London, einen Tag im Seebad
Brighton im Süden des Landes auf und ist insgesamt zwei Tage
mit dem Bus unterwegs.
Aus Hüfingen startet schon am kommenden Sonntag die 9. Klasse
mit dreißig Schülern für eine Woche nach London. Besonders
an der Hüfinger Schule hat man wegen des seit langem
gebuchten Ausfluges erhebliche Bedenken. Schulleiter Fohmann
gestern : "Wir fühlen uns da gar nicht wohl dabei."
Fohmann wurde bereits von Eltern angesprochen, ob die
Klassenreise nicht abgesagt werden könne. Zumindest ein
Mitglied der Reisegruppe stammt von einem Bauernhof im Städtedreieck,
weitere Kinder haben Verwandte, die Landwirte sind. Fohmann
bestätigte gestern, dass ein Kind möglicherweise die Reise
wegen der Gefahr des Einschleppens der Seuche nicht antreten
werde.
"Existenzen gefährdet"
Die Hüfinger Sorgen haben bereits das Kultus-und das
Landwirtschaftsministerium in Stuttgart beschäftigt. Michael
Langer, der leitende Veterinär im Landkreis, bestätigte
gestern in einem Gespräch, dass "die Angst, dass die
Kinder etwas mitbringen können, berechtigt ist". Langer
warnt speziell England bereisende Kinder, die im Kontakt mit
der Landwirtschaft auf der Baar stehen. Die Seuche, die für
Menschen ungefährlich ist, vom Homo sapiens aber gleichwohl
übertragen werden kann, könne laut Langer vor allem über
die Kleidung in Form von Erregern ins Städtedreieck gelangen.
Langers konkrete Hinweise für die Kinder, die mit Bauernhöfen
auf der Baar in Kontakt stehen, sehen so aus:
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Keinen Krümel Lebensmittel aus England mit nach Hause
bringen.
Kinder, die hierzulande Kontakt zur Landwirtschaft haben,
sollten nicht direkt nach Hause gehen sondern ihre komplette
Reisewäsche bei einer befreundeten Familie ausziehen und zum
Waschen abgeben. Eine normale Wäsche plus Waschmittel reiche
laut Langer aus, um eventuell in der Kleidung haftende Erreger
absterben zu lassen.
Nach der Rückkehr sollten alle Kinder für einige Tage den
Kontakt mit Tieren hierzulande meiden.
Hüfingens Schulleiter Fohmann kannte seit gestern vormittag
Langers Bedenken und Ratschläge. "Wir sehen natürlich
die Sorgen der Landwirtschaft. Da stehen Existenzen auf dem
Spiel", so Fohmann gestern weiter.
Bei den Landwirten auf der Baar begann sich das Thema mit den
bevorstehenden Klassenreisen gerade herumzusprechen. Mehrere
Bauern sind deshalb ganz konkret in Sorge. Etwas beruhigend
wirken können da einige ganz persönliche Anmerkungen von
Langer. Der Kreisveterinäramtsleiter ist selbst Vater von fünf
Kindern und äußerte gestern Verständnis dafür, "dass
sich die Jugendlichen auf solche Fahrten natürlich riesig
freuen". Langer selbst würde seine eigenen Kinder die
Klassenreise mitmachen lassen, würde aber "im Vorfeld
klare Verhaltensmaßregeln besprechen".
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