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Werbeshow im Gymnasium
Kirche und Schule, das waren früher mal Orte, an denen man
sich außer andächtiger Betätigung nun wirklich nicht viele
andere Aktionsfacetten vorstellen konnte. Doch so wie die
Evolution der Gebräuche auch vor Gotteshäusern nicht Halt
machte, dort mittlerweile selbst Musik-Happenings und
Rockkonzerte stattfinden lässt, so sind auch die Stätten des
Lernens mehr und mehr zu Spielflächen des prallen
gesellschaftlichen Lebens geworden. Und jetzt fällt in
Donaueschingen auch das "Werbe-Tabu" für Schulen.
Was politischen Parteien und Konsumgüter-Vermarktern bislang
strikt vorenthalten blieb, das hat die Firma Lignotrend aus
Weilheim am Hochrhein geschafft. Sie hat kürzlich die
Schulaufstockung des Fürstenberg-Gymnasiums realisiert, und
jetzt darf sie das ehrwürdige Haus zum Schauplatz einer
ausgewachsenen Firmenpräsentation machen - mit
Handwerksmeistern der Region und Baufachleuten als Gäste am
23. November und mit einer Rednerliste, der Hausherr Rudolf
Strasser und Stadtbaumeister Heinz Bunse offiziösen Anstrich
geben.
Was nach einem PR-Coup cleverer Firmenleute klingt, hat
freilich handfeste Donaueschinger Hintergründe. Lignotrends
Schulaufstockung war nämlich nicht irgendein Auftragsjob. Die
Arbeit dieser innovativen Firma wird im Rathaus als durchaus förderwürdig
angesehen, weil sie aus heimischen Wäldern Bauteile für die
Holzbauindustrie macht, was den Verfechtern von ökologisch
sinnvollen Bauformen nur recht sein kann - und den Kommunen
als Waldbesitzer auch.
Weil Donaueschingen nun erstens beides in Personalunion ist -
Ökobau-Experimentator und Holzverkäufer -, und weil es schon
in der Stadt zweitens schon eine Reihe öffentlicher
Referenzbauwerken in Holz gibt (Siedlersteg,
Friedrich-Ebert-Radbrücke, Eichendorffschul-Erweiterung, die
Kindergärten Talstraße und Breslauerstraße in
Holzrahmenbauweise), fand das Firmenbegehren offene Ohren bei
Baumeister Bunse. Und so wird er am Freitag gemeinsam mit dem
Vorstand der Lignotrend AG, mit Schulchef, Diplom-Ingenieur
Josef Hansel aus Donaueschingen und Zimmermeister Braun die
interessierte Fachwelt durchs Oberstübchen des Gymnasiums führen
und zweierlei darlegen: dass eine aus der Not geborene
Schulaufstockung quasi nebenbei auch ein Stück regionale
Wirtschafts- und Ökologieförderung sein kann. Und dass
Donaueschinger Beamte flexibel genug sind, für solche Ziele
auch ungewohnte Akteursrollen einzunehmen.
Klaus Dangel
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