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Verschiedene Meinungen über Alkoholverbot

Für den Abi-Jahrgang 2001 gibt es nach der Prüfung keinen Sekt / Toleranzgrenze ist gesunken

Nachdem es am Fürstenberg-Gymnasium in den letzten Jahren wiederholt zu Fällen von Alkoholmissbrauch gekommen war, zog die Schulleitung im Januar die Konsequenzen. Der Fastnachtsball wurde abgesagt und ein generelles Alkoholverbot auf dem Schulgelände erlassen. Dies wiederum sorgte für großen Unmut bei den Abiturienten, die bisher ihre abgeschlossene Prüfung feuchtfröhlich auf dem Schulhof gefeiert hatten. Seitdem wird das Thema an der Schule hitzig diskutiert.

Was sich den staunenden Schülern des Fürstenberg-Gymnasiums am Mittwoch Mittag bot, war doch etwas ungewöhnlich. Zwei ehemalige Schüler des Abiturjahrgangs 1999 
hatten sich an der Schule eingefunden, um ihren Ärger über das generelle Alkoholverbot am Gymnasium zu zeigen. Die beiden hatten sich Kopien ihrer Abiturzeugnisse und ihrer Studentenausweise an die Brust geheftet, tranken Bier und hatten ein Plakat mit der Aufschrift "Hirn und Abi haben wir auch - und ein kühles Bier im Bauch!" am Raucherunterstand fixiert. Laut J.N. wollten sie ihren Unmut darüber kundtun, dass auch volljährige Schüler zukünftig auf dem Schulgelände keinen Alkohol mehr konsumieren dürfen. Dies treffe die Abiturienten hart, die in den vergangenen Jahren immer ihre bestandene Prüfung recht feuchtfröhlich auf dem Schulhof gefeiert hatten. Deshalb wolle man sich mit den Schülern solidarisieren, die nach Meinung J.N. nur aus Angst vor Sanktionen nicht selbst protestieren würden: "Die Schule ist total eingeschüchtert, das war zu unserer Zeit nicht so!", ist J.N überzeugt. Man wolle deshalb als Gesamtperson ein Vorbild für die Jugend sein und zeigen, dass einen ein Bier nicht automatisch gleich zum Karriereversager mache.

Aber auch in den Reihen der Abiturienten selbst regt sich Unmut. Ein Schüler des diesjährigen Abschlussjahrgangs äußerte sein Unverständnis über die Entscheidung: "Das generelle Alkoholverbot ist ungerecht. Auf dem Weihnachtsbasar haben schließlich andere Jahrgänge gesoffen, nicht wir. Aber bestraft werden wir trotzdem." Eine seiner Mitschülerinnen begrüßte sogar die Protestaktion der Ehemaligen: "Das ist eine coole Aktion. Es wird Zeit, dass endlich mal etwas getan wird."

Lehrerin Ursula Kiefer sieht das Problem allerdings etwas differenzierter. Das Alkoholverbot sei keine Strafe, an Schulen sei Alkohol eigentlich generell verboten. Eine Aufhebung dieses Verbotes liege gar nicht in der Kompetenz der Schule. Man habe in den letzten Jahren lediglich hier und da ein Auge zugedrückt. Nach den jüngsten Exzessen beim Weihnachtsbasar sei allerdings das erträgliche Maß überschritten gewesen, man müsse nun wieder auf eine Einhaltung der Regeln bestehen. Allerdings habe man von Seiten des Lehrerkollegiums durchaus Verständnis für den Unmut der Abiturienten. Aus Gerechtigkeitsgründen könne man aber diese nicht von einer allgemein gültigen Regelung ausnehmen. Es liefen, laut Kiefer, jedoch bereits Überlegungen, ob man nach dem mündlichen Abitur einen Sektempfang für Lehrer und Abiturienten machen solle, um letzteren zu zeigen, dass man ihr Bedürfnis zu feiern durchaus verstehe.

Direktor Manfred Glunk bestätigte die Aussagen Kiefers und stellte fest, das die Abschlussstufe genau wie jeder andere Erwachsene auch Vorbilder für die Jugend seien. Gegen ein Achtel Wein oder ein Glas Sekt sei im Prinzip nichts einzuwenden, aber Sektduschen und wilde Saufgelage würden die Grenzen doch weit überschreiten. Deshalb sei man nun gezwungen gewesen, das absolute Verbot durchzusetzen, das ohnehin einer landesweiten Verordnung des Ministeriums entspreche. Etliche Abiturienten haben inzwischen auch Verständnis für die Entscheidung gezeigt. So äußerte sich eine Schülerin durchaus einsichtig: "Die Situation erforderte ein Bauernopfer. Es ist schade, dass wir das sind, aber irgendjemand muss das Opfer halt bringen. Die Schule musste so handeln, wenn sie ihre Glaubwürdigkeit nicht verlieren wollte."

Von Frank Schönewerk

 

Dokumentation aus dem Schwarzwälder Boten / Lokalredaktion Donaueschingen  
 Datum:  6-4-01

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