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Nachdem es am Fürstenberg-Gymnasium
in den letzten Jahren wiederholt zu Fällen von
Alkoholmissbrauch gekommen war, zog die
Schulleitung im Januar die Konsequenzen. Der
Fastnachtsball wurde abgesagt und ein generelles
Alkoholverbot auf dem Schulgelände erlassen. Dies
wiederum sorgte für großen Unmut bei den
Abiturienten, die bisher ihre abgeschlossene Prüfung
feuchtfröhlich auf dem Schulhof gefeiert hatten.
Seitdem wird das Thema an der Schule hitzig
diskutiert.
Was sich den staunenden Schülern des Fürstenberg-Gymnasiums
am Mittwoch Mittag bot, war doch etwas ungewöhnlich.
Zwei ehemalige Schüler des Abiturjahrgangs 1999
hatten sich an
der Schule eingefunden, um ihren Ärger über das1A Bildeinzug_links>
generelle Alkoholverbot am Gymnasium zu zeigen.
Die beiden hatten sich Kopien ihrer
Abiturzeugnisse und ihrer Studentenausweise an die
Brust geheftet, tranken Bier und hatten ein Plakat
mit der Aufschrift "Hirn und Abi haben wir
auch - und ein kühles Bier im Bauch!" am
Raucherunterstand fixiert. Laut J.N. wollten
sie ihren Unmut darüber kundtun, dass auch volljährige
Schüler zukünftig auf dem Schulgelände keinen
Alkohol mehr konsumieren dürfen. Dies treffe die
Abiturienten hart, die in den vergangenen Jahren
immer ihre bestandene Prüfung recht feuchtfröhlich
auf dem Schulhof gefeiert hatten. Deshalb wolle
man sich mit den Schülern solidarisieren, die
nach Meinung J.N. nur aus Angst vor Sanktionen
nicht selbst protestieren würden: "Die
Schule ist total eingeschüchtert, das war zu
unserer Zeit nicht so!", ist J.N überzeugt.
Man wolle deshalb als Gesamtperson ein Vorbild für
die Jugend sein und zeigen, dass einen ein Bier
nicht automatisch gleich zum Karriereversager
mache.
Aber auch in den Reihen der Abiturienten selbst
regt sich Unmut. Ein Schüler des diesjährigen
Abschlussjahrgangs äußerte sein Unverständnis
über die Entscheidung: "Das generelle
Alkoholverbot ist ungerecht. Auf dem
Weihnachtsbasar haben schließlich andere Jahrgänge
gesoffen, nicht wir. Aber bestraft werden wir
trotzdem." Eine seiner Mitschülerinnen begrüßte
sogar die Protestaktion der Ehemaligen: "Das
ist eine coole Aktion. Es wird Zeit, dass endlich
mal etwas getan wird."
Lehrerin Ursula Kiefer sieht das Problem
allerdings etwas differenzierter. Das
Alkoholverbot sei keine Strafe, an Schulen sei
Alkohol eigentlich generell verboten. Eine
Aufhebung dieses Verbotes liege gar nicht in der
Kompetenz der Schule. Man habe in den letzten
Jahren lediglich hier und da ein Auge zugedrückt.
Nach den jüngsten Exzessen beim Weihnachtsbasar
sei allerdings das erträgliche Maß überschritten
gewesen, man müsse nun wieder auf eine Einhaltung
der Regeln bestehen. Allerdings habe man von
Seiten des Lehrerkollegiums durchaus Verständnis
für den Unmut der Abiturienten. Aus
Gerechtigkeitsgründen könne man aber diese nicht
von einer allgemein gültigen Regelung ausnehmen.
Es liefen, laut Kiefer, jedoch bereits Überlegungen,
ob man nach dem mündlichen Abitur einen
Sektempfang für Lehrer und Abiturienten machen
solle, um letzteren zu zeigen, dass man ihr Bedürfnis
zu feiern durchaus verstehe.
Direktor Manfred Glunk bestätigte die Aussagen
Kiefers und stellte fest, das die Abschlussstufe
genau wie jeder andere Erwachsene auch Vorbilder für
die Jugend seien. Gegen ein Achtel Wein oder ein
Glas Sekt sei im Prinzip nichts einzuwenden, aber
Sektduschen und wilde Saufgelage würden die
Grenzen doch weit überschreiten. Deshalb sei man
nun gezwungen gewesen, das absolute Verbot
durchzusetzen, das ohnehin einer landesweiten
Verordnung des Ministeriums entspreche. Etliche
Abiturienten haben inzwischen auch Verständnis für
die Entscheidung gezeigt. So äußerte sich eine
Schülerin durchaus einsichtig: "Die
Situation erforderte ein Bauernopfer. Es ist
schade, dass wir das sind, aber irgendjemand muss
das Opfer halt bringen. Die Schule musste so
handeln, wenn sie ihre Glaubwürdigkeit nicht
verlieren wollte."
Von Frank Schönewerk
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