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DONAUESCHINGER TAGBLATT

Computerbetreuung als »Auszeit« 

Lehrer am Bildschirm oft überfordert

Immer mehr PCs an der Schule - aber: EDV-Job nebenamtlich nicht mehr möglich



Von Klaus Koch

Donaueschingen. Teure Computer stehen mittlerweile an den Schulen in Donaueschingen zu Dutzenden in speziellen Klassenräumen herum. Doch wenn es zu Ausfällen kommt runzeln auch die Lehrkräfte oft ratlos die Stirn. Die Pädagogen verbringen mitunter -zig Stunden an der Tastatur, bevor das Netzwerk wieder läuft. Ausgebildete Spezialisten aber sind dem Kultusministerium zu teuer.

»So ein Netzwerk zu betreuen«, sagt Eberhard Kern, Multimedia-Beauftragter am Fürstenberg-Gymnasium, »ist 'ne komplizierte Sache«. Die Lehrkräfte - ob in Englisch, Deutsch, Mathe oder Physik - haben schließlich auch noch ihren regulären Unterricht zu halten. Was ihnen oft genug nur noch mit Ringen unter den Augen möglich ist. »Mit dem normalen Stundendeputat ist das nicht abzudecken«, sagt Kern, der mit seinen Schützlingen in puncto Internet-Präsentation schon beträchtliches geleistet hat. 20880-mal wurde die von ihm betreute »Homepage« des Gymnasiums bereits angeklickt. Aber, sagt er, hinter dem Aufwand, der da an rund 20 Geräten betrieben wird, steckt eine ganz gehörige Portion »Ehrenamtlichkeit«. Auch wenn mit dem gegenwärtigen kommissarischen Schulleiter Hans-Jürgen Martin und Manfred Haller mittlerweile hochmotivierte Leute am Werk sind: Ein »Netzwerkspezialist« wäre schon gut. Denn bei wirklich ernsten Problemen die Software-Experten der jeweiligen Herstellerfirma anrücken zu lassen, ist bei weitem zu teuer.

Computer im Unterricht am Fürstenberg-Gymnasium.


An den kaufmännischen Schulen ist seit zwei Jahren Martin Zwosta für 60 bis 65 PCs zuständig. Dort laufen zusätzlich betriebswirtschaftliche Programme, kann jeder Schüler über die Eingabe eines persönlichen Passwortes auch das »World-Wide-Web besuchen.
Lothar Wiedemer, der das Server-System mit aufgebaut hat, spricht mal locker von 60 bis 70 Wochenstunden, die er schon mal zugebracht hat, bis die »Chose« wieder lief. Vier Wochenstunden wurden über sein Deputat auf diese Spezialistenarbeit angerechnet , was aber »bei Weitem« nicht gereicht habe. »Da ist viel ideele Arbeit dabei«, sagt er heute.

Bei allem Engagement und freiwilliger Mehrarbeit gibt es aber auch Schulen, an denen »so von heute auf morgen« (Wiedemer) nicht einfach ein Pädagoge zur ,Verfügung steht, der sich in der Materie schon ein wenig auskennt. 

Währenddessen streitet das Land Baden-Württemberg gegenwärtig mit den Kommunen darum, wer denn die Kosten für den zunehmenden Bedarf an Computerfachleuten an den Schulen tragen soll. Im Hauptausschuss des Gemeinderates warnte denn dieser Tage FDP/FW-Fraktions-Chef  Hansjürgen Bühler auch schon davor, dass hier letztendlich wertvolle Zeit verloren gehe, womöglich die Entwicklung wieder verschlafen werde, bis eine akzeptable Lösung gefunden sei. Sowohl OB Bernhard Everke, als auch Bürgermeister Bernhard Kaiser und Hauptamtsleiter Ernst Zimmermann argumentieren hingegen, dass eine solche Netzwerkbetreuung nicht Sache des Trägers, also etwa der Großen Kreisstadt sei.
 »Hier geht es um Vermittlung von Lerninhalten!«, so Kaiser. Dass »noch keine Verzweiflung« herrsche, formulierte Everke vor dem Hintergrund, dass die Stadt nicht in Vorleistung gehen solle, wenn die Verhandlungen auf politischer Ebene noch im Gange seien. 
Everke: »Das sehe ich gar nicht ein!«

GUB-Stadträtin Claudia Weishaar wie auch SPD-Stadtrat Peter Rögele und die gegenwärtig im Computerbereich tätigen Lehrkräfte verweisen auf bisweilen beträchtlichen Unterrichtsausfall. Eingedenk der Unterstützung, die auch von CDU- und SPD-Fraktionssprecherseite zur baldigen Erstellung eines Konzeptes eingefordert wird, soll nun bei den Haushaltsberatungen für 2001 überlegt werden, ob die Stadt nicht vielleicht doch ein »Allround-Talent« für die hiesigen Schulen gebrauchen könnte.

Freilich: Die Systeme, die an den Schulen benutzt werden, sind zum Teil grundverschieden. Und Fachleute, die sich mit den gebräuchlichsten Komponenten der verschiedensten Hersteller auskennen, werden in der Regel teuer bezahlt - von der Industrie, wo sie ebenfalls dringend benötigt werden.

Lothar Wiedemer hätte allerdings auch schon so eine Idee, wie der Bedarf an Fachleuten in dieser Richtung gedeckt werden könnte. »Das sind genau die Leute«, sagt er, »für die wir jetzt auch die Fachklasse für Informationstechnologie brauchen!«.

Dokumentation aus dem Schwarzwälder Boten / Lokalredaktion Donaueschingen  / Datum: 8-6-00
Foto: ©Kern 



BILDUNG

Bühler: Experten
für Schulcomputer

Donaueschingen (kew) An den Schulen soll es nach Ansicht von FDP-Stadtrat Hansjürgen Bühler professionelle Computerbetreuer geben. Bei einem Besuch von Ernst Pfister, dem Fraktionschef der FDP im Stuttgarter Landtag, bei der Donaueschinger Internet-Firma "Living Systems" forderte Bühler, dass das Land die Kosten für die Anstellung solcher Spezialisten an baden-württembergischen Schulen übernehmen solle. Pfister forderte er auf, sich für eine rasche Entscheidung der Landesregierung einzusetzen. Bühler hatte vor kurzem bei einer Sitzung des Hauptausschusses angemahnt, den sowieso schon späten Einstieg in das Computerzeitalter bei der heutigen Schülergeneration nicht weiter zu verzögern. Bislang übernehmen engagierte Lehrer nebenamtlich diesen EDV-Job. Die Betreuung eines Netzwerkes ist allerdings eine komplizierte Angelegenheit. Bei Ausfällen wissen auch viele Computerfreaks unter den Lehrern nicht weiter.

Dokumentation aus dem Südkurier  >9.6.2000<      Lokalausgabe Donaueschingen

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