Auf den Spuren der Glasmacherkunst

Oberstufenschüler des Fürstenberg-Gymnasiums auf Radtour mit Saverner Lycée

 

»La Raid Verre 2000«, die 'Glastour' , lautete der Titel einer Unternehmung, zu welcher 15 Oberstufenschüler /-innen des Fürstenberg-Gymnasiums in die Partnerstadt Saverne eingeladen wurden , ein Titel, welcher im Vorfeld für die Teilnehmer aus Donaueschingen manche Ungewissheit  und Kopfzerbrechen mit sich brachte, dann aber vor Ort viel körperliche Kondition erforderte und schließlich viele guten Eindrücke und Erlebnisse mit sich brachte. Nachdem bereits vor sechs Jahren die ‘Raid Verre 95’ als erste Begegnung zwischen den beiden Gymnasien ein Erfolg war, hat nun diese Form von Partnerschaft in den nachfolgenden Jahre eine Kontinuität und Beständigkeit erfahren.

 

Gruppenbild auf der Schlosstreppe: die dt.-frz. Teilnehmer der Raid Verre 2000

Es war eine Erkundungstour durch die Glasmacherkunst der Nordvogesen, ebenso auch durch die reiche Kulturgeschichte dieser Region, vorbereitet von einem Team des Lycée du Haut Barr in Saverne, welches als Technisches Gymnasium seinen Schülern Ausbildungsschwerpunkte im Bereich formbarer Materialien vermittelt. Fünf Tage waren 30 französische Schüler mit den deutschen Gästen, Schüler aus einer 11.Klasse am FG, unter der Leitung der Lehrer Eberhard Kern und Veronique Zorn unterwegs auf den Spuren eines alten Handwerks- und Industriegewerbes der Nordvogesen und begleitet von einem gut organisierten Planungs- und Versorgungstrupp von Lehrern der Saverner Partnerschule. Nicht etwa bequem im Omnibus, sondern per eigener Muskelkraft auf geländegängigen Fahrrädern führte die Erkundungstour durch die farbenfrohe Buntsandsteinlandschaft der Nordvogesen, welche jedoch durch ihren Gebirgscharakter die Teilnehmer immer wieder zum Schieben oder auch Tragen des eigenen »Draht-Esels« veranlasste. Überall waren auch die Verwüstungsspuren des Dezember-Sturmes ’Lothar’ in den Vogesenwäldern zu erkennen und zwangen zu manchen Umwegen. Besichtigungen von  Glasmacherunternehmen, sowie Museen und Ortsbesichtigungen füllten die Tage aus. Von besonderem Interesse für die Teilnehmer war das Cristallerie–Museum mit Glasbläser-Schauwerkstatt in Meisenthal. Gerade hier wurde in beeindruckender Weise der Aufstieg und Niedergang eines über 2000 Jahre alten Gewerbes in dieser Region deutlich. Mit Film und Schauvorführungen wurde die hohe Kunst der Glasherstellung, Glasbläserei, Glasschleiferei und Verzierung gezeigt. Dabei wurde den Schülern aus Donaueschingen bewusst, dass dieses Gewerbe ähnlich wie im Schwarzwald zu eine besonderen Blüte gelangt war und sich heute gegen eine industrielle Massenfertigung von Glaswaren mittels einem eigenen, handwerklich besonders hochwertigem Angebot behaupten muss oder eben einen Niedergang erfahren hat (so wie auch in der früheren Glasbläserei Wolterdingen).

Einen besonderen Eindruck brachte für alle Teilnehmer die Besichtigung zahlreicher Festungsbauten mit sich, allesamt Zeugnisse der Jahrhunderte währenden Kriegs-Konflikte zwischen den jetzt befreundeten Nachbarländern Frankreich und Deutschland. Hier stand im Vordergrund ein weitgehend vollständig erhaltenes, gigantisches Befestigungswerk ,  die Zitadelle von Bitche und dem Fort Casso der Maginot-Linie in Rohrbach-les-Bitche aus dem 2. Weltkrieg mit langen unterirdischen Gängen, kompletten Kaserneneinrichtungen, voll eingerichtetem Küchenraum, Operationssaal, und einem Kraftwerk . Milliardeninvestitionen, die durch die Realität des damaligen Kriegsverlaufes schließlich umsonst  und nutzlos  waren.

Jeder Tag brachte neue Abwechslung. Orientierungs- und Geschicklichkeitswettbewerbe mit dem Fahrrad in gemischten dt.- frz. Gruppen lockerten die Fahrtentage auf  und brachten den Teilnehmern mit ihren besonderen Herausforderungen viel Spaß.

Täglich wechselte die Unterkunft, von rustikalen Wandervereinshütten bis hin zu komfortablem Schloß-Ambiente

in Saverne, Wingen und Neuwiller ließ es sich gut leben und übernachten. Gleichermaßen die Verköstigung: von selbstgekochtem Mahl bis zum servierten Dinner zeigte sich die französische Küche recht abwechslungsreich.

 Stets wurde die französischen Sprachkenntnisse der deutschen Gäste auf die Probe gestellt, doch zur allgemeinen Erleichterung war die elsässische Sprache, vorwiegend bei der älteren Generation noch verbreitet, zur Verständigung und Wissensvermittlung eine große Hilfe. Auch das Wetter stand  weitgehend auf Seiten der Radfahrertruppe, welche dann nach fünf Tagen ihren Weg zurück nach Saverne über Stock und Stein auf zirka 250 Kilometern Gesamtdistanz gefunden hatte.

Im Oktober werden nunmehr die französischen Teilnehmer zu einer zweitägigen Begegnung in Donaueschingen erwartet.                                                                                                               

-ek-