Leo Wohleb
Direktor des Gymnasiums Donaueschingen
Trotz seiner kurzen Tätigkeit scheint man aber Direktor Wohleb in Donaueschingen sehr geschätzt zu haben; denn das Donaueschinger Tagblatt vom 12. September 1931 widmet ihm folgenden Nachruf : Direktor Wohleb hat es meisterhaft verstanden, durch seine angeborenen Fähigkeiten, seinen scharfen Verstand, seine rasche Auffassungsgabe, seine Menschenkenntnis, sein Organisationstalent, seinen ausgeprägten sozialen Sinn, seine weit über gewöhnliches Fachwissen hinausgehenden Kenntnisse jeder Lage gerecht zu werden". Und einer seiner früheren Kollegen stellt ihm das Zeugnis aus, daß er großzügig, jeder kleinlichen Nörgelei abhold gewesen sei, dazu schon damals ein gewiegter Diplomat, der die Menschen "zu nehmen" wußte. Daß es ihm auch an Temperament nicht fehlte, zeigte ein Vorfall, der der damaligen U I unvergeßlich geblieben ist. In einer der letzten Unterrichtsstunden vor den großen Ferien wurde aus Platos Phaidon die Stelle über den Tod des Sokrates gelesen. Direktor Wohleb war augenscheinlich von dem Stoff ganz gepackt. Da übersetzte einer der Schüler seine Stelle grundfalsch. Wohleb war darüber so erschüttert, daß er sein Buch in eine Ecke warf die Schlüssel folgten nach und wortlos das Zimmer verließ. Er hat die Klasse nicht mehr betreten. Eine persönliche Note spricht auch aus einem Eintrag in dem sonst so trockenen und sachlichen Verkündigungsbuch der Schule: "Maximo cum sudore (mit größtem Schweiß) habe ich den Entwurf für die Schulgeldbefreiung fertiggestellt".
Wenn er länger geblieben wäre, hätte er vielleicht mit seiner Energie dem Gymnasium zu einer Turnhalle verholfen; jedenfalls setzte er während seiner kurzen Amtszeit den Ankauf des Anwesens Schulstraße 7 durch. Sein Plan war, in den Gärten der beiden Häuser unterhalb des Gymnasiums, die nun beide zur Schule gehörten, eine Turnhalle errichten zu lassen. Wohlebs Wegzug von hier erfolgte so rasch, daß er anscheinend nicht einmal Gelegenheit fand, sich vom Stadtoberhaupt zu verabschieden. In den städtischen Akten findet sich noch ein Abschieds- und Dankbrief, den er von Karlsruhe aus an Bürgermeister Fischer richtete. Zu Beginn des Jahres 1932 übernahm der bisherige Professor am Gymnasium Baden-Baden Dr. Josef Schlageter die Leitung der Schule. Zum ersten Abitur unter der neuen Direktion erschien Oberregierungsrat Wohleb als Prüfungskommissar. aus: Geschichte des Gymnasiums Donaueschingen 1928-1953 von Prof.Dr.A.Hall Staatspräsident des Landes Baden Wohleb wurde 1946 badischer Kultusminister, war seit der Gründung der CDU in Südbaden ihr Vorsitzender und wurde 1947 schließlich Staatspräsident des von den Franzosen besetzten neuen Landes Baden (ehemals Südbaden).
Vorurteile bestimmten den Wahlkampf Im Wahlkampf wurden alte Feindseligkeiten zwischen Württembergern und Badenern voll ausgespielt. So war in Südbaden beispielsweise von den hinterhältigen Schwaben die Rede. Die Württemberger hingegen beschworen schon damals das vereinigte Europa. Am 9. Dezember 1951 entschieden sich die Wähler für das neue Bundesland. Nordwürttemberg votierte mit 93,5 Prozent, Südwürttemberg-Hohenzollern mit 91,4 und Nordbaden mit 57,1 Prozent für den Zusammenschluss. Allein die Südbadener stimmten mit 62,2 Prozent dagegen. Der Abstimmungsmodus hatte Wohleb und die Altbadener zu Fall gebracht. In Gesamtbaden waren 52,2 Prozent gegen den Südweststaat. - Hätte man nach dem anderen Abstimmungsmodus gezählt, wären es genug Gegenstimmen gewesen, um das neue Land zu verhindern.
Leo Wohleb in Bräunlingen Zur Vergrößerung Während des "Dritten Reiches" hatten viele Städte im Zuge der Einführung der neuen Gemeindeordnung von 1935 ihre Stadtrechte verloren, so auch die alte Zähringerstadt Bräunlingen, weiterhin auf der Baar Hüfingen, Blumberg und Fürstenberg. Diese Städte erhielten 1951/52 die Stadtrechte wieder zurück. Fürstenberg gab diese allerdings mit der Eingemeindung nach Hüfingen wieder auf. Leo Wohleb informiert
sich Nach der Gründung des neuen Bundeslandes Baden-Württemberg wurde Wohleb Botschafter der Bundesrepublik in Portugal (Lissabon). Dort noch schrieb er: " Der Staat der sich heute Baden-Württemberg nennt, ist auf Unrecht aufgebaut". Erst im Jahre 1956 - nach Wohlebs Tod - sprach sich das Bundesverfassungsgericht für eine neue Volksabstimmung aus. Als diese 1970 abgehalten wurde, entschied sich die badische Bevölkerung mit großer Mehrheit für Baden-Württemberg. Weitere Abbildungen und Fotos:
Presseberichte:
Quellen: Geschichte des Gymnasiums Donaueschingen 1928-1953 von Prof.Dr.A.Hall Almanach Schwarzwald-Baar
Kreis 26.Folge / 2002 / S. 136 ff
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