Ehemalige Schüler und Lehrer  des Fürstenberg-Gymnasiums
die zur Berühmtheit gelangten

Leo Wohleb

* 2. September 1888 in Freiburg i. Br. 
† 12.März 1955

1930-31 Direktor des Gymnasium Donaueschingen
1932
Oberregierungsrat in Karlsruhe
1946 badischer Kultusminister
1947-52 Staatspräsident des Landes Baden 
1953 Botschafter der Bundesrepublik in Portugal

Direktor des Gymnasiums Donaueschingen

1930-31 war Leo Wohleb Direktor des Gymnasium Donaueschingen.
Auf  seinen Vorgänger Dr. Stephan folgte Wohleb im Sommer 1930 , bisher Professor am Bertholdsgymnasium in Freiburg. Seine Tätigkeit hier dauerte nur ein Jahr. Während der Sommerferien 1931 wurde er als Oberregierungsrat ins Unterrichtsministerium nach Karlsruhe berufen, so daß die Schüler, als sie nach den Ferien zurückkehrten, ihn zur ihrer Überraschung nicht mehr vorfanden.

Trotz seiner kurzen Tätigkeit scheint man aber Direktor Wohleb in Donaueschingen sehr geschätzt zu haben; denn das Donaueschinger Tagblatt vom 12. September 1931 widmet ihm folgenden Nachruf : Direktor Wohleb hat es meisterhaft verstanden, durch seine angeborenen Fähigkeiten, seinen scharfen Verstand, seine rasche Auffassungsgabe, seine Menschenkenntnis, sein Organisationstalent, seinen ausgeprägten sozialen Sinn, seine weit über gewöhnliches Fachwissen hinausgehenden Kenntnisse jeder Lage gerecht zu werden". Und einer seiner früheren Kollegen stellt ihm das Zeugnis aus, daß er großzügig,  jeder kleinlichen Nörgelei abhold gewesen sei, dazu schon damals ein gewiegter Diplomat, der die Menschen "zu nehmen" wußte. Daß es ihm auch an Temperament nicht fehlte, zeigte ein Vorfall, der der damaligen U I unvergeßlich geblieben ist. In einer der letzten Unterrichtsstunden vor den großen Ferien wurde aus Platos Phaidon die Stelle über den Tod des Sokrates gelesen. Direktor Wohleb war augenscheinlich von dem Stoff ganz gepackt. Da übersetzte einer der Schüler seine Stelle grundfalsch. Wohleb war darüber so erschüttert, daß er sein Buch in eine Ecke warf die Schlüssel folgten nach und wortlos das Zimmer verließ. Er hat die Klasse nicht mehr betreten. Eine persönliche Note spricht auch aus einem Eintrag in dem sonst so trockenen und sachlichen Verkündigungsbuch der Schule: "Maximo cum sudore (mit größtem Schweiß) habe ich den Entwurf für die Schulgeldbefreiung fertiggestellt".

Zum Kollegium unterhielt Direktor Wohleb enge Beziehungen;
er war ein guter Gesellschafter und nahm jeweils mit großem Vergnügen an den regelmäßigen Lehrerausflügen teil.

Wenn er länger geblieben wäre, hätte er vielleicht mit seiner Energie dem Gymnasium zu einer Turnhalle verholfen; jedenfalls setzte er während seiner kurzen Amtszeit den Ankauf des Anwesens Schulstraße 7 durch. Sein Plan war, in den Gärten der beiden Häuser unterhalb des Gymnasiums, die nun beide zur Schule gehörten, eine Turnhalle errichten zu lassen.

Wohlebs Wegzug von hier erfolgte so rasch, daß er anscheinend nicht einmal Gelegenheit fand, sich vom Stadtoberhaupt zu verabschieden. In den städtischen Akten findet sich noch ein Abschieds- und Dankbrief, den er von Karlsruhe aus an Bürgermeister Fischer richtete.

Zu Beginn des Jahres 1932 übernahm der bisherige Professor am Gymnasium Baden-Baden Dr. Josef Schlageter die Leitung der Schule. Zum ersten Abitur unter der neuen Direktion erschien Oberregierungsrat Wohleb als Prüfungskommissar.

aus: Geschichte des Gymnasiums Donaueschingen 1928-1953 von Prof.Dr.A.Hall


Staatspräsident des Landes Baden

Wohleb wurde 1946 badischer Kultusminister, war seit der Gründung der CDU in Südbaden ihr Vorsitzender und wurde 1947 schließlich Staatspräsident des von den Franzosen besetzten neuen Landes Baden (ehemals Südbaden). 
Unter schwierigsten Bedingungen versuchte Wohleb, den Menschen die Perspektive eines demokratischen Neuanfangs zu vermitteln.

Wohleb kämpfte gegen die Schaffung des Südweststaates und für die Wiederherstellung des alten Landes Baden (einschließlich Nordbadens)
Der Philologe war ein vehementer Verfechter der Vereinigung des geteilten Baden und somit ein ebenso deutlicher Gegner des Südweststaats. Mit seinen Zielen stand er aber - zumindest unter einflussreichen Politikern und Wirtschaftsmächtigen - recht allein da. Seine Parteikollegen in Nordbaden hielten schon bald nicht mehr zu ihm, und auch in seinem eigenen Land gab es innerhalb der CDU etliche Gegenstimmen. Auch nach der Volksabstimmung von 1951 wollte sich Wohleb mit der Entscheidung für den Südweststaat nicht zufrieden geben. Er veranlasste den Bundestag, über ein Gesetz zu entscheiden, das die Volksabstimmung für nichtig erklärte - und verlor.


Vorurteile bestimmten den Wahlkampf

Im Wahlkampf wurden alte Feindseligkeiten zwischen Württembergern und Badenern voll ausgespielt. So war in Südbaden beispielsweise von den hinterhältigen Schwaben die Rede. Die Württemberger hingegen beschworen schon damals das vereinigte Europa. Am 9. Dezember 1951 entschieden sich die Wähler für das neue Bundesland. Nordwürttemberg votierte mit 93,5 Prozent, Südwürttemberg-Hohenzollern mit 91,4 und Nordbaden mit 57,1 Prozent für den Zusammenschluss. Allein die Südbadener stimmten mit 62,2 Prozent dagegen. Der Abstimmungsmodus hatte Wohleb und die Altbadener zu Fall gebracht. In Gesamtbaden waren 52,2 Prozent gegen den Südweststaat. - Hätte man nach dem anderen Abstimmungsmodus gezählt, wären es genug Gegenstimmen gewesen, um das neue Land zu verhindern.


links:
Baden-Württemberg in seinen früheren inneren Grenzen vor der Vereinigung .

 

  



 Landeswappen
seit 1952


                                       Leo Wohleb in Bräunlingen

Der badische Staatspräsident Leo Wohleb (siebter v. l. , mit Blumenstrauß) war 1952 zusammen mit seinem Innenminister Alfred Schüly (5.v.r. auch mit Blumenstrauß) nach Bräunlingen gekommen, um die Stadtrechtsurkunde zu überreichen. 

Bild vor und in dem Rathaus Bräunlingens mit Bürgermeister u. Gemeinderat.


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Übergabe der Urkunde
 im Rathaus Bräunlingen.

Während des "Dritten Reiches" hatten viele Städte im Zuge der Einführung der neuen Gemeindeordnung von 1935 ihre Stadtrechte verloren, so auch die alte Zähringerstadt Bräunlingen, weiterhin auf der Baar Hüfingen, Blumberg und Fürstenberg. Diese Städte erhielten 1951/52 die Stadtrechte wieder zurück. Fürstenberg gab diese allerdings mit der Eingemeindung nach Hüfingen wieder auf.


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Leo Wohleb  informiert sich 
auf der Freiburger Messe 1951


Nach der Gründung des neuen Bundeslandes Baden-Württemberg wurde Wohleb Botschafter der Bundesrepublik in Portugal (Lissabon). Dort noch schrieb er: " Der Staat der sich heute Baden-Württemberg nennt, ist auf Unrecht aufgebaut".
In einem Interview des SDR aus dem Jahre 1953 grüßte Wohleb, zum Abschied mit
"Mein Badnerland, vom See bis zum Main".

Erst im Jahre 1956 - nach Wohlebs Tod - sprach sich das Bundesverfassungsgericht für eine neue Volksabstimmung aus. Als diese 1970 abgehalten wurde, entschied sich die badische Bevölkerung mit großer Mehrheit für Baden-Württemberg.


Weitere Abbildungen und Fotos:

Biografie / Kalendarium

 

             



Wohleb als Lehrer

 

                  

 

Wahlplakate 

 
Ergebnis der
Volksabstimmung
zum Bundesland
Baden-Württemberg
9.12.1951


Presseberichte:

"Wohleb war Föderalist, kein Separatist oder nur Nostalgiker" 
Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Freiburg gedenken des vor 50 Jahren verstorbenen einstigen badischen Staatspräsidenten (BZ 14.3.2005)
Hinterwäldler mit Format 
Er stemmte sich gegen Schwaben und den Rest der Welt - vergeblich: Heute vor 50 Jahren starb Badens früherer Staatspräsident Leo Wohleb 

(BZ 12.3.2005)
Zeitzeugen schildern den »Landesvater« Wohleb 
Ausstellung im Rathaus Donaueschingen widmet sich ehemaligem Badischen Staatspräsidenten und Gymnasialdirektor
(SchwaBo 7.6.2005)
Badens letzter Präsident
Im Rathaus zeigt Ausstellung über Leo Wohleb auch das Leben des Donaueschinger Schulleiters  
(Südkurier 7.6.2005)

 

Quellen:

Geschichte des Gymnasiums Donaueschingen 1928-1953 von Prof.Dr.A.Hall

Almanach Schwarzwald-Baar Kreis 26.Folge / 2002 / S. 136 ff

Informationen des SWR < / Info

www.baden-wuerttemberg.de/



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