„Hilfe, wir ertrinken in
Informationen!“
Wie die Medien funktionieren und wie sie uns verändern
CAMPUS - Vortrag im Gymnasium
In der Kindergartenzeit werden Lesegewohnheiten und Medienverhalten
der Menschen entscheidend geprägt und ziehen sich wie ein roten Faden durch das Leben“,
dies betonte der Journalist Klaus Kresse aus Offenburg in seinem Vortrag im Fürstenberg-Gymnasium. Denn die Vorbilder vor
allem im Elterhaus formten den Medienkonsum der Kinder: „Wenn den ganzen Tag zu Hause die Flimmerkiste
läuft, können Sie nicht erwarten, dass die Kinder zu Leseratten werden“, so
Klaus Kresse.
In den vergangenen zehn Jahren habe der Fernsehkonsum Jugendlicher drastisch zugenommen, wobei tägliche
Soaps wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ die höchsten Einschaltquoten
hätten. Der gleichzeitige Konsum von PC-Spiel, Fernseher und MP-3-Player
verhindere die Konzentration auf eine Sache auch im schulischen Bereich.
Vor allem das „Zapping“, das schnelle Hin- und Herwechseln zwischen verschiedenen
TV-Angeboten, beeinflusse das Leseverhalten.
Schulbücher angepasst
Dieses Verhalten gerade der jungen Nutzer habe sich bereits auf die Schulbuchgestaltung
ausgewirkt, so der Fachmann. Es werde Schülern kaum
noch „zugemutet“, sich längere Texte zu erarbeiten. So wundere es nicht,
wenn der Zentralverband des deutschen Handwerks beklage, 25 Prozent
der Schulabgänger hätten keine Ausbildungsreife, das seien 200 000 Menschen
jährlich.
Laut OECD lebten in Deutschland etwa sieben Millionen funktionale Analphabeten.
Ein Viertel der Hauptschüler hätten laut der zweiten Pisa-Studie Probleme mit der Eingliederung
in die Gesellschaft.
Klaus Kresse äußerte sich eher pessimistisch zu den Chancen, die Medien
selbst würden die Menschen erziehen: „Bevor sie mit einem Titel die Menschheit erziehen, sind sie längst
pleite.“ Denn es werde geboten, was sich am besten vermarkten lasse – und
das sei eben nichts Anstrengendes. Fakt sei aber, dass es unter den Menschen
mit wenig Fernsehkonsum vier mal so viele Hochschulabsolventen
gebe wie unter den Viel-Sehern. Diese Auskünfte gaben den etwa 30 anwesenden
Schülern, Eltern und Lehrern zu denken.
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