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G8
am Fürstenberg-Gymnasium
Das
Fürstenberg-Gymnasium verfolgt mit Interesse die aktuell um das achtjährige
Gymnasium (G8) geführte Diskussion. Der achtjährige Bildungsgang zum
Abitur wurde an unserer Schule bereits ein Jahr vor den übrigen
Gymnasien in Baden-Württemberg eingeführt, und so können wir heute
mit einem kleinen „Erfahrungsvorsprung“ auf die aktuelle Debatte
blicken. Schulintern wurde die Einführung von G8 durch Evaluationen
begleitet, so dass uns auch umfangreiches Datenmaterial zu den einzelnen
Bereichen vorliegt.
Mit
unserer Stellungnahme, die zusammen mit
Mario Mosbacher, Koordinator Evaluation 2006 und 2007, und
Hans-Jürgen Martin, Stellvertretender Schulleiter, erarbeitet
wurde, möchten wir, ausgehend von unseren Erfahrungen und vor allem auf
Grund von Daten, zu einer sachlichen und nicht
an Einzelmeinungen
festgemachten Debatte beitragen.
(Der
Text dieser Stellungnahme stand auch den beiden Donaueschinger Zeitungen
zur Verfügung!!)
Grundlegendes
- Das
Fürstenberg-Gymnasium hat das G8 ein Jahr vor den übrigen Gymnasien in
Baden-Württemberg eingeführt, befindet sich also derzeit mit dem G8 in
Klasse 9. Daher besitzt das FG als Schule bereits Erfahrungen mit allen
Fragen und Problemen, die derzeit vor dem Hintergrund der 8.
Klassenstufe des G8 (übriges Baden-Württemberg) diskutiert werden.
- Als
Schule ist das Fürstenberg-Gymnasium an die Einführung des 8jährigen
Bildungsganges gebunden. Es kann für uns nicht zur Diskussion
stehen, ob G8 oder G9 der bessere Weg zum allgemeinbildenden Abitur wäre.
Vielmehr ist es unsere vordringliche Aufgabe, innerhalb der uns von der
Landespolitik vorgegebenen Rahmenbedingungen das G8 möglichst optimal für
unsere Schüler umzusetzen.
- Eine
„optimale“ Umsetzung des G8 orientiert sich zunächst an den
Anforderungen, die an unsere Schüler in der Abiturprüfung und vor
allem in der sich daran anschließenden tertiären Bildungsphase
(Studium an Universität, Fachhochschule, Berufsakademie) gestellt
werden. Um hier stets auf dem aktuellen Stand zu sein, stehen wir in
engem Kontakt mit den Hochschulen der Umgebung.
- Um
die Einführung des G8 am FG zu begleiten und frühzeitig auf die von
Lehrer- und Elternseite erwarteten Schwierigkeiten reagieren zu können,
wird das G8 seit der 7. Klassenstufe durch ein Selbstevaluationsprogramm
begleitet. Als Schule können wir daher die relevanten Bereiche des G8
aufgrund einer breiten und validen Datenbasis beurteilen (Befragung
aller 400 Schüler der letztjährigen 7. und 8. Klassen (G8) und der 9.
und 10. Klassen (G9)), ohne dabei nur auf subjektive Einzelmeinungen der
am Schulleben beteiligten angewiesen zu sein.
- Seit der 5.
Klassenstufe wurde die Einführung des G8 intensiv durch Gespräche mit
den Eltern, v.a. den Elternvertretern, begleitet. Auftretende Probleme
konnten so bisher immer zeitnah und im Konsens angegangen werden.
Nähere
Informationen zu spezifischen Fragen der aktuellen Diskussion
In der derzeitigen
Diskussion zum G8 stehen vor allem die Punkte Stoffdichte, geistige
Reife für verfrühten Stoff, Hausaufgabendauer bzw. Lernaufwand,
mangelnde Freizeit und soziale Verarmung sowie ganztägiger Unterricht
im Mittelpunkt. Basierend auf den das G8 begleitenden Evaluationen
(s.o.) sowie aus systematisch ausgewerteten Unterrichtsbeobachtungen und
Gesprächen mit Eltern und Schülern können wir hierzu folgende nähere
Informationen zum G8 am Fürstenberg-Gymnasium geben:
-
Alles in allem fühlen sich die befragten 400 Schüler am FG
wohl,
die Schule wird insgesamt mit der Note „gut“
bewertet.
-
Von den untersuchten Hauptfächern ergeben sich im G8 in den Fächern
Französisch, Latein und Mathematik Probleme.
-
Ursache dieser Probleme sind, v.a. in Mathematik, der durch
den Bildungsplan vorgegebene Stoffumfang, die im Vergleich
zum G9 deutlich verkürzten Übungsphasen und zunehmend das Alter der
Schüler im Vergleich zur Schwierigkeit des zu bewältigenden Inhaltes.
Das FG hat hier gleich mehrfach gegengesteuert:
- durch Erhöhung der Stundenzahl in Mathematik und Verknüpfung der
Inhalte
mit gezieltem methodischen Lernen
- durch erneute Überprüfung des Stoffumfanges
- durch Bildung von klassenübergreifenden
Arbeitsgruppen der Lehrer,
die eine altersgemäße Didaktik erarbeiten.
Weitere Maßnahmen sind derzeit in Vorbereitung.
-
Anhand der Ergebnisse der Abiturprüfung 2007 – in
allen Fächern liegt das FG deutlich über dem Landesschnitt, z.T. eine
ganze Note – und anhand der Rückmeldung unserer ehemaligen Schüler
aus dem ersten Semester wissen wir, dass sowohl Unterrichtsinhalt als
auch Schwierigkeitsgrad des Unterrichtes angemessen gewählt sind. Und
daran orientiert sich auch das G8.
-
Vor allem bei abstrakten Unterrichtsinhalten ist festzustellen,
dass die Schüler aufgrund des jüngeren Alters Schwierigkeiten
haben. In verschiedenen Fächern arbeiten daher Lehrergruppen daran,
neue didaktische Wege zu entwickeln, um dieses Problem abzumildern.
-
Aus der Rückmeldung sowohl der G8 als auch der G9 Schüler
wissen wir, dass die für die eigentlichen Hausaufgaben
aufgewendete Zeit im G8 nicht höher ist als in den
vergleichbaren G9-Klassen, und dass diese Dauer dem Gymnasium angemessen
ist. Im G8 ist die Hausaufgabendauer bei Nachmittagsunterricht
nochmals deutlich verringert, da die Lehrer hier wenn möglich Rücksicht
auf die Belastung der Kinder nehmen. Schwierig wird es, wenn die Kinder
aufgrund der vom G8 vorgeschriebenen Stundenzahl an vier Nachmittagen
Schule haben.
-
Im Vergleich zum G9 müssen Schüler im G8 mehr an Wochenenden
und in den Ferien zusätzlich für die Schule üben. Das
ist auch nicht verwunderlich, denn zum Verstehen eines bestimmten
Stoffes benötig man eine bestimmte Menge Übungen und Wiederholungen
(vgl. hierzu auch die moderne Bildungs- und Lernforschung – Manfred
Spitzer etc...). Wenn unter der Woche diese Zeit nicht bleibt, muss das
am Wochenende/ in den Ferien nachgeholt werden.
-
Verlängerte Schultage und Lernen am Wochenende haben
Auswirkungen auf die Freizeit der Schüler. Die Evaluationen
zeigen, dass Schüler im G8 Einschränkungen bei der Mitwirkung
in Vereinen und beim Treffen mit Freunden machen müssen. Allerdings
zeigen unsere Erhebungen auch ganz klar, dass es Einschränkungen auf
hohem Niveau sind: die meisten Schüler sind in einem oder mehreren
Vereinen und treffen sich regelmäßig mit ihren Freunden. „Einschränkung“
heißt in dem Fall also, dass es nicht mehr 3 oder 4 Vereine sind
(obwohl wir Schüler mit täglichen Vereinsterminen haben). Von
einer auch in den Medien propagierten „sozialen Verarmung“ kann
daher nicht die Rede sein, von Einschränkungen sehr wohl.
-
Durch die von der KMK geforderte Mindeststundenzahl für das
Abitur ergibt sich für die Schüler mehr Nachmittagsunterricht als im
G9. Das hierzu benötigte Ganztagesangebot ist seit Beginn des
Schuljahres im Aufbau und wird in den kommenden Jahren fortentwickelt.
Fazit
Zusammenfassend lässt
sich zur aktuellen Diskussion um das G8 sagen,
-
Dass die Umsetzung am Fürstenberg-Gymnasium alles in allem gut
gelungen ist, auch wenn in einigen Bereichen der ersten G8-Klassen
Probleme sichtbar werden. Auch die G8-Schüler fühlen sich am FG wohl.
-
Dass die auftretenden Probleme durch eine begleitendes System der
Evaluation frühzeitig erkannt und im Dialog mit Eltern und Schülern
angegangen werden. Beleg dafür sind die Rückmeldungen aus den 3. und
4. G8-Jahrgängen, die zeigen, dass dort G8 wesentlich „runder“ läuft.
Wir sind überzeugt,
dass wir auch im G8 ebenso viele Schüler zum Abitur führen werden wie
im G9, und dass wir das mit ebenso großem Erfolg tun werden. Ob das G8
der bessere Weg zum Abitur ist, kann momentan für uns als Schule nicht
Kern unserer Überlegungen sein, sondern wir setzen innerhalb der von
der Politik vorgegebenen Rahmenbedingungen das G8 so um, dass wir für
unsere Schüler ein möglichst optimales Ergebnis erreichen. Diese
Umsetzung benötigt keine hektischen Debatten mit vorschnellen Lösungen,
sondern durchdachte, Daten und Fakten basierte Entscheidungen.
12-2-08
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Bertold Böhm
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Rita
Berhart-Männlin
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Schulleiter
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Gesamtelternbeirat
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