Thema

Tatort Großstadthinterhof
In einem Hinterhof, inmitten einer Großstadt, geschieht ein misteriöser Mord.

Konzept

Meine Soundkollage gibt einen Ausschnitt eines Mordes wieder. Zuerst soll klar werden, dass es sich hier um einen Menschen handelt, der nicht genau weiß wo er sich befindet. Er oder Sie steht verloren, unsicher und ängstlich auf sich alleine gestellt im Dunkeln eines Hinterhofes. Hervorgehoben bzw. gezeigt wird dies durch den Herzschlag, der am Anfang alleine steht. Im Hintergund ist zunehmend die Stadt hörbar, in der Streifenwagen mit Sirenen fahren und es sehr stark windet. Bald darauf erklingen merkwürdige Geräusche die sich immer bedrohlicher anhören und deren Lautstärke zunehmen. Plötzlich wird es um den Menschen sehr leise. Die Sirenen, der Wind und die furchteinflößenden Geräusche verstummen. Nun erklingt nur noch der Herzschlag und die Ungewissheit, was als nächstes passiert, macht sich breit. Soll es das gewesen sein, oder ist das die Ruhe vor dem Sturm? Mit nun erhöhtem Herzschlag wagt er der Situation zu entkommen und versucht durch das Gebüsch aus dem Hof zu fliehen. Das beängstigende Geräusch, dass jetzt näher als zuvor erscheint, lässt die Person erstarren. Kurz darauf wird die Person attackiert, schreit mehrmals auf und die letzten Kräfte verlassen das Opfer. Wenige Augenblicke später hört das Herz auf zu schlagen.

Soundkollage

Zum Anhören bitte auf die Tonspur klicken. Download der mp3-Datei mit Rechtsklick.

Making-of

Ich benutzte die Programme "Audacity" und "SPEAR" zur Bearbeitung meiner Soundfragmente.

Das Sample
"sphere" bearbeitete ich mit dem Programm "SPEAR" (siehe Abb. 1). Zuerst habe ich das gesamte Stück etwas verlangsamt (über Speed). Damit wird das Sample länger und der Ton wird tiefer. Um diesen Effekt zu verstärken habe ich auch die Tonhöhe (pitch) gesenkt. Nun stellte ich den Ton bzw. den Klang (noise) auf das Maximum ein. Zusammen mit der Erhöhung der Lautstärke (volume) entstand ein spezieller Effekt, der einem starken Wind ähnelt. Mit dem Tool "Lasso Selection" markierte ich einen Bereich, den ich anschließend mit Hilfe des Tools "Frequency Shift" in höhere Frequenzen verschieben konnte. Das machte den "Windeffekt" noch realistischer. Mit dem Zeichenstift (Draw Partial) zeichnete ich abschließend einen neuen Ton über das gesamte Sample. Durch den wellenartigen Frequenzgang, von ca. 2500 Hz bis ca. 4700 Hz und wieder auf ca. 2500 Hz, klang es wie eine Sirene. Über "Sound" "Synthesize to File" exportierte ich die Sounddatei als “wav-Datei”, somit konnte ich sie in Audacity öffnen.



Das Soundfragment
"pulses" habe ich in "Audacity" wie folgt bearbeitet:
Um mehr Bass zu bekommen, damit es einem Herzschlag gleicht, habe ich die Tonhöhe (pitch) gesenkt (-56%). Auch der Effekt "GVerb" (siehe Abb. 2), der einen gewissen Nachhall erzeugt, soll dazu beitragen, einem hörbaren Pulsschlag des Menschen nahe zu kommen. Durch das Kopieren und Einfügen eines Bassschlags, generierte ich einen regelmäßigen Pulsschlag. Dieser wurde im Laufe der Kollage immer schneller und durch den Effekt "Bass Boost" vereinzelt lauter (Frequenz 200, Anhebung 8 dB).



Das Soundfragment
"Klavier_tief" habe ich in "Audacity" wie folgt bearbeitet:
Zum einen benutzte ich das Sample als bedrohendes Geräusch, das schnell laut und wieder leise wird. Dazu ließ ich einen Klavieranschlag stehen, wählte den "wah wah" Effekt und spielte es Rückwärts ab. Der Anstieg der Lautstärke erzeugt Spannung beim Hörer. Diesen Teil spielte ich nun nochmals Rückwärts und fügte ihn genau hinter den ersten Teil. Dies führte zu einem Spannungsanstieg und einer Entladung, indem die Lautstärke anstieg und anschließend wieder abnahm. Zum anderen verwendete ich es nach dem letzten kraftlosen Schrei, um den Tod, das Ende bzw. die Dramaturgie zu unterstreichen. Hierfür wählte ich ebenfalls nur einen Klavieranschlag, und verstärkte den unteren Frequenzbereich durch den Effekt "Bass-Boost" (Frequenz 400 Hz, Anhebung 17 dB), was zu düsterem Ton führt. Durch Verlangsamung der Geschwindigkeit wurde auch die Tonhöhe verringert. Dieser Effekt führte ebenfalls zu düsterem bzw. schaurigerem Klang und verlängerte zusätzlich diese Auswahl. Damit dieses Sample am Ende nicht zu abgeschnitten klingt, wählte ich, für den hinteren markierten Teil, den Effekt "Auslaufen".

Das Soundfragment
"clar_contemp" verwendete ich als Schrei und bearbeitete es in "Audacity" wie folgt: Zuerst schnitt ich einen Teil aus dem Sample, den ich bearbeiten wollte. Diesen setzte ich mehrmals hintereinander, wie eine Anzahl direkt aufeinander folgender Schreie. Von Schrei zu Schrei verringerte ich nun die Geschwindigkeit, um einen Effekt zu bekommen, der einer Slow Motion ähnelt. Das Rauschen zwischen den Schreien entfernte ich mit Hilfe des Effekts "Rauschentfernung". Um auch hier einen Nachhall zu erlangen, setzte ich den Effekt GVerb erneut ein.

Das Soundfragment
"cathedral", mit “Audacity” bearbeitet, taucht zu Beginn meiner Soundkollage auf, und schafft einen auf die Thematik bezogenen Einstieg. Dazu habe ich den Effekt Rückwärts verwendet. Dadurch gibt es einen exponentiellen Anstieg der Lautstärke, und ein abruptes Ende. Dies soll den Hörer gedanklich in die Szene (Tatort Hinterhof) versetzen.

Die gesamte Sound-Kollage, mit den einzelnen Tonspuren, ist in Abb. 3 dargestellt.

PROJEKT AUDITIVES GESTALTEN    |   SEBASTIAN KOCH WS09/10